Fürstenfeldbrucker in Angst

Elf Autos! Darum ist die Suche nach dem Feuerteufel so schwer

Fürstenfeldbruck - Eine beängstigende Autobrand-Serie hält Fürstenfeldbruck in Atem. In der Nacht auf Mittwoch hat der Feuerteufel wieder zugeschlagen - die Polizei tut sich bei der Suche schwer.

Mittwoch 2.28 Uhr: Esther H. schreckt aus dem Tiefschlaf. Von draußen hört sie den schrillen Ton einer Alarmanlage. Als sie aus dem Fenster schaut, sieht sie lodernde Flammen. Sie ist schockiert. Doch noch denkt sie nicht im Traum daran, dass da das Auto brennt, in dem sie vor einigen Stunden noch gesessen hat.

Mittlerweile ist auch ihr Ehemann aufgewacht. Günther N. (63) eilt aus dem Haus auf die Polzstraße, um sich das Ganze genauer anzuschauen. Draußen wird ihm sofort klar: Das ist mein Range Rover, der da in hellen Flammen steht. „Da war nur noch ein Feuerball“, so schildert er am Morgen danach seine Eindrücke der Brandnacht.

Brennender Range Rover war ein Leihwagen

Dabei war der Range Rover gar nicht sein Auto, sondern das eines Pkw-Händlers aus Greding. Günther H. hat am Dienstag seinen eigenen Range Rover (Typ „Vogue“, Baujahr 2007) in die Autofirma im Altmühltal gebracht. Dort gibt es einen Experten, der auf den ausgefallenen Pkw-Typ spezialisiert ist. Der sollte die etwas kompliziertere Generalüberholung vornehmen. Für die Reparaturtage wurde Günter N. ein Leihwagen zur Verfügung gestellt – ein nagelneues Exemplar vom Typ „Sport“ – im Wert von 90.000 Euro. Als Günther N. abends von Greding zurückkam, stellte er das Luxusgefährt vor seiner Haustür in Bruck ab. An den Feuerteufel denkt er keine Sekunde.

Die Polizei dagegen hat den Brandstifter derzeit immer auf der Rechnung. Es gibt inzwischen sogar eine Ermittlungsgruppe „Autobrände“. Was der Kripo die Suche nach dem Täter so schwer macht: In der Tatabfolge lässt sich kein Muster erkennen. Erst schlug der Feuerteufel nur am Wochenende zu, dann auch werktags. Zuerst steckte er nur teure Wagen in Brand, dann ältere und günstigere – und zuletzt wieder einen richtig teuren.

Nach dem Vorfall mit dem Range Rover wird in der Nachbarschaft nun vermutet, dass der Feuerteufel am späten Dienstagabend in der Gegend unterwegs war, um geeignete Objekte für seinen Anschlag Nummer elf zu suchen – und ihm der Range Rover ins Auge fiel.

Als der Wagen in Flammen aufging, schreckten nicht nur die N.’s aus dem Schlaf, sondern auch Brucks ehemaliger Vizebürgermeister Adolf Wirth und dessen Gattin. Sie wohnen direkt gegenüber vom Tatort. „Es gab einen lauten Knall. Das hat sich wie ein Gewehrschuss angehört“, erklärt Adolf Wirth. Nachbar Gilbert Rufle drückt es so aus: „Das hat geknallt, als wenn ein Kanaldeckel mit voller Wucht aufschlägt.“

Die Gattin von Brucks Altbürgermeister filmte das brennende Auto

Als die Wirths ihr Badezimmerfenster erreichten, hatten sie freien Blick auf die Flammen. Die Gattin des Altbürgermeisters griff zur Kamera und filmte. „Für meinen Enkel. Der will mal Feuerwehrmann werden.“ Sie sah auch, wie der verzweifelte Günther N. auf der Straße zum Handy griff und den Notruf wählte. Selbst löschen kam für den 63-Jährigen nicht in Frage: „Ich traute mich nicht näher ran, das war viel zu gefährlich.“ Und das war gut so. Denn die Karosserie des Range Rovers ist aus Alu. Dieses Material fängt bei hohen Temperaturen zu schmelzen an. Zu löschen ist es kaum, wenn überhaupt nur mit Sand. Die Feuerwehr brauchte nach dem Alarm nur wenige Minuten zum Einsatzort. Trotzdem konnten auch die Einsatzkräfte nichts mehr retten.

Stunden später, als sich der beißende Rauch verzogen hat, wird beim ersten Tageslicht das ganze Ausmaß der Verwüstung deutlich. Von dem Range Rover sind nur noch ein paar Metallteile übrig. Der Aschehaufen ist kaum noch als Autowrack zu erkennen. Auch ein dahinter geparkter Anhänger wurde in Mitleidenschaft gezogen. Als die Feuerwehrleute abgezogen sind und die Kripo den Tatort sichert, versammeln sich Nachbarn und Anwohner aus der näheren Umgebung auf dem Gehsteig. Ihnen allen steht die Sorge ins Gesicht geschrieben. Nach dem elften Anschlag innerhalb eines Monats ist die Angst groß: Wann und vor allem wo schlägt der Feuerteufel wieder zu? Erwischt es das nächste Mal das eigene Auto?

Vielleicht hilft ja die ausgesetzte Belohnung von 2000 Euro, den Übeltäter doch noch zu schnappen. Die Polizei bittet die Bevölkerung noch einmal um Mithilfe. Wer Hinweise geben kann, soll sich dringend bei der Kripo Fürstenfeldbruck melden, Telefon 0 81 41/61 20. Um die Bürger für die Brandserie zu sensibilisieren, wurden auch Flugblätter verteilt und an frequentierten Stellen ausgehängt.

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