Kloster-Anekdoten machen Führung lebendig

Spielberg - Nicht nur ein einzelnes Gebäude, nein, ein ganzes Denkmal-Ensemble gab es am gestrigen Sonntag bei Oberschweinbach zum deutschlandweiten Tag des offenen Denkmals zu besichtigen. Dank der kundigen Führung des Altbürgermeisters Hans Hartl war es aber auch ein Ausflug in die Geschichte des ehemaligen Klosters Spielberg.

Zugegeben. Es ging gestern nicht nur um den Denkmaltag. Das mittlerweile traditionelle Herbstfest mit zahlreichen Fieranten, Musik und Tanz, Aktionen und kulinarischen Köstlichkeiten dominierte optisch zweifelsohne. Aber dieser Rahmen stellte sicher, was vielen anderen Denkmälern fehlt: dass sie auch genutzt werden und trotz ihrer uralten Dächer, Mauern und Balken im Mittelpunkt des dörflichen Lebens stehen.

Freilich sollte das Denkmal an sich und vor allem das, was allen voran der Förderverein Klosterhof Spielberg unter seinem rührigen Vorsitzenden Hans Hartl dafür getan hat, nicht zu kurz kommen. „Wir renovieren schon 15 Jahre lang und haben über 7 000 Arbeitsstunden geleistet“, berichtete der Altbürgermeister. Zur Bilanz seines Fördervereins, zu dem er gut 20 Aktive zählt, gehört auch, dass Finanzmittel in Höhe von 275 000 Euro eingeworben wurden.

Gestern führte der Chef persönlich mehrmals zahlreiche Besuchergruppen durch das 50 000 Quadratmeter große Denkmalensemble. Schloss, Schlosskapelle und Prälatenhaus bilden den wertvollen Schwerpunkt der Anlage, die 1999 von den letzten sieben Franziskaner-Klosterschwestern Richtung Mutterhaus in Reutberg bei Bad Tölz verlassen wurde. Zum Auftrakt zelebrierte Pater Anton in der Kapelle mit dem schlanken, sechseckigen Turm eine Sonntagsmesse.

Eigentlich der Heiligen Familie geweiht, die auch auf dem Hauptaltarbild dargestellt ist, setzt sich in jüngerer Zeit aber der heilige Kajetan durch. Dieser ist mit einem geflügelten Herzen in der Hand auf dem Altar in der rechten Seitennische zu sehen und mit einer Reliquie vertreten. Eine seltene Abbildung des Heiligen, der auch in der großen Theatinerkirche in München verehrt wird, hängt an der Empore.

„Der heilige Kajetan zählte zum Zeitpunkt des barocken Ausbaus der Kapelle zu den bayerischen Landespatronen, daher der für den Landkreis doch recht ungewöhnliche Heilige“, erklärte Kirchenführer Dieter Utikal. Überhaupt wurde an der 1576 errichteten Kapelle viel herumgebaut. „Für die in der Klausur lebenden Klosterschwestern wurde die Empore so verlängert, dass sie vom Volk während eines Gottesdienstes nicht zu sehen waren“, so Utikal weiter.

Weil die Schwestern ihre eigene, jetzt dem Seniorenpflegeheim zugeschlagene Kirche hatten, wurde die Kapelle eher stiefmütterlich behandelt. Die weißen Särge der Schwestern wurden in der linken Seitennische aufgebahrt. Aussegnungen fanden dort statt, weil der Klosterfriedhof unmittelbar an der östlichen Kapellenmauer lag.

Direkt daneben liegt der Klostergarten, der vom eigentlichen Klostergelände nochmals extra mit einer Mauer abgetrennt war. Hans Hartl erinnert sich noch genau an die Zeit, in der er von seiner Mutter zum Kaufen von Pflanzen-Sämlingen zum Klostergarten geschickt wurde. Der Austausch erfolgte über eine drehbare Trommel, weil die Schwestern klausurbedingt nicht gesehen werden durften. „Weil ich neugierig war, hab ich mich einmal als kleiner Bub hineingesetzt und mein Spezl hat mich so gedreht, dass ich hineinschauen konnte“, erzählte Hans Hartl. Logisch, dass er erwischt wurde und danach zum Rapport zum Pfarrer musste.

Ein zweigeschossiger Satteldachbau mit Rundgiebel aus dem frühen 19. Jahrhundert stellt das Prälaten- oder Benefiziatenhaus dar, in dem vermutlich der Klosterspiritual wohnte. Heute ist es restauriert, beherbergt das Büro des Fördervereins und kann für gesellschaftliche Anlässe gebucht werden. Genauso wie der ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Klosterstadel, in dem landwirtschaftliche Geräte untergestellt waren und heute eine Großküche steht. „Alles Original, tagelang haben wir die Balken abgebürstelt und den Fugenmörtel aus den Mauern gekratzt“, erinnerte sich Hartl.

Dass es gelegentlich harte Diskussionen mit den Vertretern der Denkmalpflege gab, will er nicht verschweigen. „Die Deckenmalereien in der Kapelle durften wir nicht freilegen, weil für später auch noch was erhalten werden sollte“, so Hartl. Die Lösung war dann die, dass auf die Farbschichten dreilagiges Seidenpapier geklebt wurde, auf das ein Kirchenmaler genau das gemalt hat, was drunter im Original verborgen bleiben soll.

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