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Germerings Bewerberin Thui Tran hat es nicht geschafft.

Bundestagswahl: Germeringer Kandidatin chancenlos

Germering - Der CSU-Direktkandidat für den Bundestag im neuen Wahlkreis Landsberg-Starnberg heißt Michael Kießling. Der Bürgermeister von Denklingen im Landkreis Landsberg am Lech setzte sich in der Stadthalle in einer Stichwahl gegen Stefan Ebener aus Gauting durch. Germerings Bewerberin Thuy Tran war chancenlos.

142 Delegierte der CSU-Kreisverbände Starnberg und Landsberg sowie 18 des Ortsverbands Germering waren im Amadeussaal zusammen gekommen, um den Direktkandidaten für den neu zusammen gestellten Wahlkreis zu küren. Fünf Bewerber hatten in den vergangenen Wochen bei Vorstellungskonferenzen im gesamten Wahlkreisgebiet um Sympathien gekämpft. Neben der 25-jährigen Thuy Tran als einziger Frau wollten Hans-Pete Hoh, Stephan Ebner (beide Gauting), Bernhard Kösslinger (Finning) und Michael Kießling das fast sichere Ticket in den Bundestag lösen. Bei der entscheidenden Versammlung durften sie noch einmal je zehn Minuten für sich werben. Die Reihenfolge der Vorstellungsreden wurde ausgelost. Dann wurde entschieden.

Die aus Nordvietnam stammende Thuy Tran versuchte als letzte des Quintetts, die Mehrheit der Delegierten mit einer sehr emotionalen Rede zu überzeugen. Sie erzählte den Delegierten und Begleitern im überfüllten Saal unter anderem, dass sie jedes Jahr ihre mittlerweile 86-jährige Oma in Saigon besuche: „Wenn die wählen geht, dann steht nur ein Name auf dem zettel: KPV. Und das steht nicht für Kommunalpolitische Vereinigung.“ Sie sei deswegen Deutschland um so dankbarer, dass sie dieses Land mitgestalten könne.

Thuy Tran erhielt immer wieder Zwischenapplaus – aber gereicht hat dies nicht. Wie im Vorfeld schon von ihren Germeringer Parteifreunden erwartet worden war, setzte sich die weitaus größere Zahl der Delegierten aus den Kreisverbänden durch. Immerhin schaffte es die Stadträtin, mit 23 fünf Stimmen mehr zu bekommen als Germering Delegierte hatte. Sie nahm das Ergebnis mit leichter Enttäuschung zur Kenntnis, sagte aber auch: „Es war eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte.“ Der erste Wahlgang brachte noch keine Entscheidung. Es zeichnete sich aber schon ab, dass Michael Kießling die meisten Unterstützer im Saal hatte. Mit 65 Stimmen verpasste er die notwendige absolute Mehrheit aber um 16. Der 30-jährige Stephan Ebner aus Gauting kam auf 37 Stimmen, es folgten Hoh und Tran mit jeweils 23 und Bernhard Kösslinger mit zehn Unterstützern.

Die Stichwahl brachte dann ein deutliches Ergebnis. Ebener, Landesgeschäftsführer der Jungen Union, wurde noch nicht einmal von allen Starnberger Delegierten unterstützt. Mit 52 Stimmen blieb er weit hinter Kießling zurück, der 103 CSU-Mitglieder von sich überzeugen konnte. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, die auch Chef des Bezirksverbands Oberbayern ist, gratulierte Kießling mit einem Strauß Blumen und Hochprozentigem.

Aigner war während der Stimmabgabe des ersten Wahlgang erschienen und stimmte die Wartenden während der Auszählung auf die Bedeutung der anstehenden Bundestagswahl ein. Darauf waren auch alle Delegierten in ihren Vorstellungsreden eingegangen. Nur eine starke CSU könne eine linke Regierung verhindern. Kießling, der die Pediga als Ausschnitt für Verzweiflung bezeichnete, meinte sogar: „Jede Stimme für die AfD stärkt Rot-Rot-Grün."

Kommentar: "Unromantische Realpolitik"

Dem Applaus und der Stimmung der Delegierten nach zu urteilen hat die Thuy Tran mehr überzeugt als an den Stimmen abzulesen war. Mehr als 23 Unterstützer hätte man ihr dann doch zugetraut. Aber in der Politik ist für Romantik kein Platz. Und da waren die Verhältnisse vorher klar: Gegen die zahlenmäßige Übermacht der großen Kreisverbände hat die Kandidatin eines Ortsverbands mit seiner verschwindend kleinen Zahl an Delegierten keine Chance. Bei dieser Wahl spiegelte sich das ganze Unbehagen wieder, dass in der Orts-CSU seit Bekanntwerden der Wahlkreis-Neuordnung immer wieder zu spüren und auch zu hören war. Ortschef Oliver Simon sprach bei der Begrüßung der Delegierten davon, dass Germering „ein Appendix“ im Wahlkreis sei. Damit muss die CSU allerdings zurecht kommen – das ist unromantische Realpolitik.

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