Eberhard Ried in Venedig. Seine Lieblingsstadt hat er jetzt sogar in einem Buch verewigt.

Ein besonderes Reisebuch

Er kennt Venedig wie kein Zweiter

Germering - Nie wieder Venedig! Das dachte sich Eberhard Ried, als er 1981 mit seiner Frau und den beiden Töchtern die hässliche Seite der Stadt erlebt hatte. Erst 2007 machte er einen zweiten Versuch. Seitdem ist er jedes Jahr in Venedig. Und hat nun sogar ein Buch über seine Lieblingsstadt geschrieben.

Wenn der 69-Jährige heute zurückdenkt an seinen ersten Besuch in der Lagunenstadt, kann er nur den Kopf schütteln: „Wir haben damals wirklich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.“ Die Familie hatte sich bei einem Tagesausflug von einem Schlepper auf ein Boot locken lassen. Der Kapitän zwang den Touristen eine Verkaufsfahrt nach Murano auf.

Das Buch ist explizit kein Reiseführer

Erst 26 Jahre später kehrten Eberhard Ried und seine Frau Monika in die Markusrepublik zurück – und verliebten sich sofort in die Stadt. Denn bei dieser zweiten Reise hatten sie alles richtig gemacht: Sie hatten die Plätze, Paläste und Kanäle abseits der Touristenströme kennen gelernt und sich nicht von einem Reiseführer, sondern nur vom Gefühl leiten lassen. „In Venedig musst du in den Tag träumen. Da braucht man gar nichts planen: Es gibt immer was zu sehen“, sagt Ried. Die früher graue und triste Metropole sei mittlerweile sehr bunt.

Natürlich kennt der Germeringer die Vorbehalte gegenüber der norditalienischen Stadt, es waren ja auch mal seine: „Teuer, unübersichtlich, überlaufen.“ Aber er ist davon überzeugt, dass man sich davon nicht abschrecken lassen darf und mit viel Gelassenheit die schönsten Seiten entdecken kann. Wie das genau geht, steht in seinem Buch, das explizit kein Reiseführer ist. „Davon gibt es genug“, sagt er, „die Sehenswürdigkeiten kann man überall nachlesen.“ Sein Text leuchtet die unbekannten und liebenswerten Nischen Venedigs aus. Ried geht es um das Lebensgefühl dort.

Dazu erzählt er kurzweilig Geschichten über die Stadt: von den Anfängen des Karnevals, von der ersten Frauenrechtlerin Veronica Franco (1546-1591) und von dem Elefanten, der 1819 in den Gassen wütete.

„Die Stadt fasziniert uns immer mehr, je öfter wir dort sind“

Der Titel des Buches („Die stolze Kröte“) bezieht sich auf ein Zitat von Maximilian I. von Habsburg, der 1509 neidisch auf die reichen Venezianer herabblickte, er sprach von der „adriatischen Kröte“: Die Stadt sei hässlich, plump und liege im Sumpf. Ried machte daraus, um die Gegensätze aufzugreifen, die „stolze Kröte“.

Das Buch hat er innerhalb von drei Monaten geschrieben, das Material aber schon seit 2007 gesammelt. Ausschlag gab eine gemeinsame Reise mit mehreren Nachbarn nach Venedig. Die hatten immer wieder gefragt, was es denn für die Rieds dort noch zu erleben gäbe, sie seien doch schon so oft dort gewesen. Zum Einlesen schrieb Ried seinen Nachbarn das Buch. Venedig habe dann allen gefallen, sagt er.

„Die Stadt fasziniert uns immer mehr, je öfter wir dort sind“, sagt Ried. Mindestens einmal pro Jahr fahren er und seine Frau nach Venedig, zur Kunstbiennale, aber auch einfach so. Sie geben sich jedes Mal ein Fotothema vor und lassen sich dann treiben. Auf diese Weise sind Fotobücher zu Themen wie „Mauern“, „Fenster“ und „Löwen“ entstanden. Eberhard Ried hat aber auch schon eine Reise lang nur „Pinkelsteine“ fotografiert: Durch eine Krümmung der Wand in einer Ecke spritzt der Pinkelstrahl zurück – der Wildbiesler wird bestimmt nicht mehr in diese Ecke kommen.

Was man in Venedig erleben sollte - und was auf gar keinen Fall

Am Ende des Buches liefert der Germeringer, bis zu seiner Pensionierung Schulleiter eines Förderzentrums für Hörgeschädigte, elf Tipps für Venedig: Darunter zum Beispiel eine spätabendliche Fahrt mit dem Vaporetto, ein Spaziergang in den Sonnenuntergang und Häppchen-Essen an der Ufermauer vor der Kneipe. Zudem gibt es zehn Ratschläge, was Venedig-Besucher auf keinen Fall tun sollten: Nippes kaufen, auf Touristen-Trampelpfaden unterwegs sein und Gondelfahren.

Eberhard und Monika Ried sind trotzdem schon einmal in einer echten venezianischen Gondel gefahren: „Auf der Weißen Elster bei Leipzig“, erzählt der 69-Jährige und lacht. Ein italienischer Gastronom biete dort Fahrten an. „War schön“, sagt Eberhard Ried. Die märchenhafte Kulisse von Venedig kann man sich ja einfach dazu denken.

Das Buch: Eberhard Ried: Die stolze Kröte Venedig, 2016, 116 Seiten mit Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos sowie drei Übersichtsplänen, ISBN 9783739245379, 14 Euro.

von Helga Zagermann

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