In Germering

Max-Born-Gymnasium feiert 50. Geburtstag

Germering – Vor 50 Jahren hat das Max-Born-Gymnasium (MBG) den Schulbetrieb aufgenommen – allerdings nicht am jetzigen Standort: Die ersten Schüler wurden in der heutigen Theresengrundschule unterrichtet. Seitdem hat sich viel getan.

Die Gründung des Gymnasiums Germering-Unterpfaffenhofen, so der offizielle Name bis 1970, war eine logische Folge der Bevölkerungsexplosion im Münchner Westen in der Nachkriegszeit. Das Fürstenfeldbrucker Graf-Rasso-Gymnasium war damals das einzige im ganzen Landkreis und platzte irgendwann aus allen Nähten. Im Dezember 1965 wurde ein Förderverein gegründet, ein Jahr später startete der Schulbetrieb in der Wittelsbacher Schule mit anfangs drei Lehrern und 116 Schülern – eine der Lehrerinnen war Ulla Gerlach (siehe unten stehenden Bericht). Erster Direktor war Konrad Hacker. Das heutige MBG wurde von 1967 bis 1971 nach den Plänen von Otto Leitner gebaut.

In der Festschrift des Gymnasiums zum Jubiläum ist nachzulesen, dass sich das Gymnasium in recht kurzer Zeit zum größten in ganz Bayern entwickelte: 1981 zählte das MBG 1800 Schüler. Die Zahl ging dann aber wieder zurück – auch wegen der Neugründung des Carl-Spitzweg-Gymnasiums. In den vergangenen Jahren hat sich das MBG auf rund 1100 Schüler eingependelt. Dies sei eine Größe, mit der man sehr gut leben könne, sagt Direktor Robert Christoph. Er führt die Schule seit Februar 2009 und empfindet es als Glücksfall, das MBG leiten zu dürfen: „Ich habe mich von Beginn an hier sehr wohl gefühlt.“

Christoph ist erst der vierte Direktor in der 50-jährigen Schulgeschichte. Auf Konrad Hacker folgte 1977 Johannes Kratz. Und von 1988 an leitete für immerhin 21 Jahre Barbara Loos die Geschicke der Schule. Sie wird einer der Ehrengäste bei der großen Jubiläumsfeier sein, die das MBG am Donnerstag, 20. Oktober, im Orlandosaal der Stadthalle zelebriert.

Dass das MBG eine ganze Reihe bekannter Persönlichkeiten hervorgebracht hat, stuft Schulleiter Christoph einerseits zwar als Glücksfälle ein. Andererseits werfe dies natürlich auch ein positives Licht auf die kontinuierlich gute Arbeit der Schule. Der berühmteste Absolvent des Gymnasiums ist wohl Hermann Parzinger. Der Ehrenbürger Germerings hat 1978 gemeinsam mit CSU-Stadtrat Christian Ganslmeier sein Abitur gemacht und ist heute als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz einer der wichtigsten Männer im kulturellen Leben Deutschlands. Parzinger ist dem MBG nach wie vor verbunden. Er wird die Festrede bei der Jubiläumsfeier halten.

Die als Astronautin berühmt gewordene Renate Brummer zählte zum ersten Abiturjahrgang am MBG, der erfolgreiche Unternehmer und Wirtschaftsverbandschef Jürgen Biffar ist ebenso Max-Born-Absolvent wie Landrat Thomas Karmasin.

Stolz ist Robert Christoph auch auf die Auszeichnungen, die das MBG und seine Schüler in den vergangenen Jahren erhalten haben. Unter anderem hat die Schülermitverwaltung 2010 den ersten Platz bei einem bayernweiten Wettbewerb des Landesschülerrates gewonnen. Herausragend war auch der erste Platz beim Innovationspreis i.s.i. der Stiftung Bildungspakt.

Um die Zukunft seiner Schule ist es Christoph auch wegen seines „tollen Kollegiums“ nicht bange: „Auch die vielen neuen jungen Kollegen fügen sich bestens ein. Da haben wir ein Riesenglück.“

Für die Schule spricht laut Christoph auch, dass man die seit Jahren laufenden Sanierungsarbeiten ebenso problemlos weggesteckt habe wie die halbjährige Belegung der modernen Zweifachturnhalle mit Flüchtlingen. Während letzteres mittlerweile Vergangenheit ist, muss die Schule weiter mit Baulärm leben – im Sommer 2017 beginnt die Generalsanierung der alten Einfachturnhallen. (Klaus Greif)

Ehrenbürger Parzinger erinnert sich an seine Schulzeit

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung preußischer Kulturbesitz und Ehrenbürger der Stadt, hat sich für die Festschrift des MBG an seine Schulzeit erinnert. Mit seiner und der Erlaubnis der Schule werden diese Eindrücke hier wiedergegeben:

„Das Max-Born-Gymnasium war für mich der Ort der Jugend schlechthin und wird als solcher unvergessen bleiben. Dort vollzog sich die Entwicklung vom Kind zum Jugendlichen und Frühadulten einschließlich der üblichen pubertären Begleiterscheinungen und Kollateralschäden. Das MBG war quasi das Epizentrum dieser Jugend, weil dort die prägenden Verbindungen und Freundschaften entstanden, die auch über den Klassenverband hinausreichten.

Hermann Parzinger

Das waren Freundschaften, die in einigen Fällen bis heute intakt geblieben sind. Natürlich sind mit der Zeit am MBG auch wilde Partys und die erste große Liebe untrennbar verbunden, eine rundherum schöne und sorglose Zeit, vielleicht manchmal ein wenig zu sorglos. Das MBG war zudem ein Ort, der uns Schüler mit umfassender Allgemeinbildung versorgte, zumal mein Abiturjahrgang (1978) der letzte war, der der Einführung der Kollegstufe voranging, was dazu führte, dass es kaum Möglichkeiten gab, missliebige Unterrichtsfächer (oder deren Unterrichtende) abzuwählen und sich auf vermeintliche Stärken zu konzentrieren (Leistungskurse).

Für mich, der ich selbst zum Zeitpunkt des Abiturs noch nicht wirklich wusste, wo meine Stärken, Begabungen und Interessen lagen, war dies ein Glücksfall, weil alle Optionen offen blieben. Und das war auch gut so, denn nicht alle Fährten, die im MBG gelegt wurden, gingen in die richtige Richtung: Gute Noten in Physik und Chemie ließen meine Lehrer glauben, dass das meine Zukunft sein könnte; es wäre keine gute Idee gewesen. Mäßige Noten in Englisch und Französisch hinterließen dagegen das Bild eines sprachlich hoffnungslos unbegabten jungen Mannes, der sich heute aber flüssig in zehn Sprachen auszudrücken weiß. Meine Besinnungsaufsätze im Fach Deutsch waren für mich eine Qual und für meine Lehrer – ich gebe es zu – eine Zumutung, und doch schaffte es mein jüngstes Buch 2015 in die Spiegel-Bestsellerliste.

 Es ist also durchaus gut, dass die Zeit am MBG noch nicht das komplette Leben vorherbestimmt hat, es wäre verdammt langweilig geworden. Langweilig war es auf dem MBG hingegen nie: Unerwartete, überfallartige Tests, die einen immer wieder unvorbereitet trafen, führten zu unvergesslichen Adrenalinschüben. Phantastische Streiche sorgten für ungebremste Heiterkeit, die rückblickend bisweilen selbst die „heute-show“ in den Schatten stellen könnten. Unvergessen der Blick auf den Haupteingang des MBG an einem Morgen, es muss 1975 oder 1976 gewesen sein: Die Frontseite war bis auf Höhe der Balkons von Sekretariat und Direktorenzimmer bunt bemalt! Aber nicht etwa mit den üblichen, von Eisenbahnbrücken bekannten Werken von Sprayern, nein, sondern mit Pinseln, Rollen und Farbtöpfen; die standen nämlich am nächsten Morgen noch da. Das war wirkliche Aktionskunst, und es dauerte Jahre, bis ihre letzten Spuren beseitigt waren. Endlich versprühte die Eingangssituation des MBG nicht mehr den Charme eines Kreiswehrersatzamtes, sondern sorgte allmorgendlich für eine deutlich Aufmunterung übermüdeter Schülerseelen, die betongraue Frontseite bekam ein fröhliches, ein menschliches Antlitz."

Ulla Gerlach war eine Lehrerin der ersten Stunde

Ulla Gerlach war Lehrerin der ersten Stunde, als das Max-Born-Gymnasium vor 50 Jahren mit dem Unterricht startete. Im Gespräch mit dem Münchner Merkur plauderte sie ein wenig aus dem Schul-Nähkästchen. In ihren letzten Jahren als Lehrerin unterrichtete Ulla Gerlach die Fächer Biologie, Erdkunde und Chemie. Vor 50 Jahren gab es allerdings noch ganz anderen Unterrichtsstoff für die Gymnasiasten – zum Beispiel Handarbeiten oder Schönschreiben. „Wir fingen damals mit vier Lehrkräften an“, erinnert sich Gerlach. Gründungsdirektor Hacker, seine Kollegen, die Herren Wandl und Engel, und Ulla Gerlach unterrichteten damals drei fünfte Klassen mit jeweils rund 35 Schülern. „Die Schulräume waren anfangs in der heutigen Wittelsbacherschule untergebracht“, erzählt Ulla Gerlach.

Ulla Gerlach

Die Schülerzahlen wuchsen schnell, bald startete das Bauprojekt MBG – wegen Raummangels wurde der Stoff den Schülern teilweise im Schichtunterricht nahegebracht, zwischendurch wurde auch eine Außenstelle im Neubau des CSG bezogen. „Als zweitgrößte Schule mussten wir schon bald improvisieren“, sagt Gerlach, die das MBG-Schulleben von 1966 bis zu ihrem Ruhestand 2001 begleitete und insgesamt 35 Jahre an ihrem Gymnasium unterrichtete. Germering sei damals noch überschaubar gewesen, alles viel persönlicher. „Die Schulfamilie war eine Einheit, schließlich baute man gemeinsam etwas auf“, sagt die 78-Jährige. Energiegeladen ging sie daran, Unterrichtsmaterial zu beschaffen. „Vom Knochenmann bis zu den Holzschwammerln, und natürlich Bücher – all das musste erst mal besorgt werden.“ In den 1970er-Jahren fingen die Schüler an, leicht aufmüpfig zu werden – ein Umstand, der den damaligen Rektor laut Gerlach schon „etwas erregte“. Seine Devise lautete: Nicht rumlümmeln, sondern bewegen. Ulla Gerlach arbeitete unter Schulleiter Hacker, Johannes Kratz und zuletzt unter Barbara Loos. Der jetzige Direktor, Robert Christoph, musste auf Lehrerin Gerlachs Mithilfe verzichten – sie war schon in Ruhestand. So ging auch die Einführung des G 8 an der Lehrerin vorüber. „Meine drei Kinder, die alle am MBG ihr Abi machten, waren davon noch nicht betroffen, zwei meiner Enkelinnen allerdings schon – und ich glaube, es hätte mich als aktive Lehrkraft frustriert“, sagt sie.

Früher hätten die Schüler halt mehr Zeit gehabt, auch ein bisserl mehr persönliche Reife zu erlangen und „nicht nur“ die Hochschulreife. Neben den Anfangsjahren sind ihr insbesondere die Jahre in Erinnerung geblieben, als sie mit ihrer Biotop-Gruppe den Schulgarten ökologisch auf Vordermann brachte. „Viele Schüler kümmerten sich freiwillig im Schulgarten um die grüne Insel, das waren meine schönsten Jahre am MBG.“ Nach der Theorie im Bio-Unterricht wurden Getreidebeete angesät und ein Komposthaufen errichtet, Ausflüge in Naturschutzgebiete unternommen. „Die Jugendlichen waren sehr begeisterungsfähig“, erinnert sich Gerlach mit einem Lächeln. Ihr letzter Arbeitstag am Max Born ging für sie ganz unspektakulär und ohne großes Brimborium zu Ende: „Es war ein schöner Sommertag und nachdem die Schüler gegangen waren, packte ich meine Sachen zusammen und bin einfach heimgegangen." (akk)

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ein Abend der extremen Gefühle

Fürstenfeldbruck - Eine einsame Wanderung, Todesängste auf hoher See und der Existenzkampf zwischen Heiden und Christen: Menschliche Grenzerfahrungen standen beim …
Ein Abend der extremen Gefühle

3. Liga Süd: TuS-Handballer bleiben oben dabei 

Fürstenfeldbruck - Die Panther bleiben auf der Pirsch. Die TuS-Handballer lassen im Kampf um die Spitzenränge in der 3. Liga Süd nicht locker.
3. Liga Süd: TuS-Handballer bleiben oben dabei 

Auto verkratzt: 1500 Euro Schaden

Puchheim - 1500 Euro Schaden hat ein Unbekannter an einem in der Puchheimer Sandbergstraße geparkten Auto verursacht. Er ritzte einen Schriftzug in beide Türen der …
Auto verkratzt: 1500 Euro Schaden

Schmuck im Wert von tausenden Euro geklaut

Gröbenzell - Schmuck im Wert von mehreren tausend Euro haben Diebe in Gröbenzell erbeutet. Sie waren in eine Doppelhaushälfte an der Irisstraße eingestiegen.
Schmuck im Wert von tausenden Euro geklaut

Kommentare