Vor dem Fastenbrechen werden die Gäste vor dem Gemeindezentrum an der Münchner Straße begrüßt.

Türkisch-islamische Gemeinde

Muslime laden zu ihrem Abendmahl

Germering - 30 Tage lang dauert der Ramadan, die Fastenzeit der Muslime. In dieser Zeit dürfen die Gläubigen nur zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang essen und trinken. Zum gemeinsamen Fastenbrechen hat die Türkisch Islamische Gemeinde jetzt auch Germeringer Nicht-Moslems eingeladen.

Der Ramadan ist ein Fastenmonat, der sich jedes Jahr um zehn Tage nach hinten verschiebt, erklärt Gürkan Erkilic vor dem Zentrum der Türkisch Islamischen Gemeinde an der Münchner Straße. In diesem Jahr dauert der Ramadan vom 6. Juni bis zum 4. Juli. Die tägliche Fastenzeit erreiche heuer die längstmögliche Stundenzahl. In einer kurzen Begrüßung der Besucher, die in der Einladung darum gebeten worden waren, sich einen Tag am Fasten zu beteiligen, erklärte Erkilic: „Es ist auch für uns ungewöhnlich, so lange warten zu müssen, bis wir wieder etwas zu uns nehmen können.“

Zum täglichen Abendmahl genannten Fastenbrechen im Bereich vor dem Gemeindezentrum sind heuer auch viele Geflüchtete geladen, die derzeit in Germering und Freiham leben. Das gemeinsame Essen mit den geladenen Gästen aus dem öffentlichen Leben der Stadt wurde von Asylbewerbern aus Afghanistan zubreitet.

Erkilic, der bis vor kurzem Vorsitzender der jetzt von Mahmut Sahin geführten Gemeinde war, wies in seiner Begrüßung auch auf die aktuelle Politik hin: „Es beschäftigt uns natürlich, dass die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland derzeit auf dem Tiefpunkt sind.“ Als in Deutschland geborenes Kind türkischer Eltern hoffe er, dass sich das bald wieder ändert: „Wir müssen enger zusammenwachsen.“ Er habe immer noch die Hoffnung, dass sich das Verhältnis ähnlich entwickle wie das zwischen Deutschland und Frankreich: Das hätte man sich vor 60 Jahren auch nicht so vorstellen können. Er sei jedenfalls froh, dass das Zusammenleben in Germering so gut funktioniere.

OB Andreas Haas erinnerte daran, dass das Fasten etwas sei, was beide Religionen verbinde. Es sei wichtig, um Abstand vom Alltag zu gewinnen und darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist. Angesichts der Flüchtlinge, die das gemeinsame Fastenbrechen nicht ihn ihrer Heimat feiern können, meinte Haas: „Die Welt ist leider so verrückt. Ich hoffe, dass diese Grausamkeiten bald ein Ende finden.“

Zum aktuellen Zerwürfnis zwischen Deutschland und der Türkei sagte der Rathauschef: „Ich würde mir auch wünschen, dass wir wieder miteinander auskommen. Halten wir den Dialog aufrecht.“

SPD-Stadträtin und Integrationsreferentin Fereshte Ershadi-Zimmermann ist als gebürtige Iranerin selbst Muslima. Sie habe ihre Religion so kennengelernt, dass man Barmherzigkeit nicht vergisst, erklärte sie: „Der Islam ist für mich ein großes Gebet, dass wir alle friedlich miteinander leben.“ Sie sei froh, das dies in Germering so gut funktioniere.

Unter den nicht-muslimischen Gästen waren neben Pfarrer Jan Freiwald von der evangelischen Jesus-Christus-Kirche, den Stadträtinnen Agnes Dürr (Grüne) und Centa Keßler (SPD), Integrationsfachkraft Manuel Leupold und SPD-Ortsvize Christian Gruber auch der Realschul-Leiter Christoph Breuer. Breuer wies im Gespräch unter anderem darauf hin, dass er gelungene Integration täglich im Schulleben beobachte: Immer mehr Realschüler hätten türkische Wurzeln. Dass so viele einen höheren Schulabschluss anstreben, sei vor nicht allzu langer Zeit unsvorstellbar gewesen.

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