Der erste Zug, der das Tanklager-Areal gestern in Richtung Germering und dann weiter über München nach Tschechien verließ, steht bereit zum Befüllen. Peter Jacque legt den Hebel um. foto: Dagmar rutt

Kreuzlinger Forst

Tanklager: Öl-Züge bereit zur Abfahrt

Germering/Krailling - Seit gestern rollen im Tanklager im Kreuzlinger Forst wieder Züge. Zwei Jahre lang war Pause. Das in Krailling deponierte Öl wird jetzt nach Tschechien transportiert. Nicht nur einen Zöllner wird das sechs Monate lang beschäftigen.

Germering/Krailling – Darauf hat der tschechische Staat zwei Jahre lang gewartet. Heute verlassen die ersten Züge mit Diesel das Kraillinger Tanklager und damit Deutschland. Die Erdöl-Reserven des Nachbarlandes, die in Krailling eingelagert sind, werden ab sofort nach Tschechien verlagert. Ziel des ersten Zuges ist ein Steuerlager der staatseigenen Firma Cepro im tschechischen Tremosna bei Pilsen.

Damit dieser Zug von Krailling nach Tschechien rollen kann, hat sich die neue Eigentümerin des Tanklagers, die Firma „Krailling Oils Development“, ins Zeug gelegt. Zügiges Handeln kommt auch dem Kraillinger Unternehmen zugute. Es kann seinen Neuerwerb erst richtig nutzen, wenn das „heikle politische Thema“, wie Geschäftsführerin Katerina Radostová das zurückliegende Tauziehen um das Öl beschreibt, vom Tisch ist. „Krailling Oils Development“ sorgte dafür, dass die Gleise auf dem Gelände seit Freitag wieder befahrbar sind und der TÜV die für die Befüllung der Züge nötigen Anlagen freigeben konnte. Sie holte sämtliche für den Betrieb des Tanklagers und die Auslagerung des Öls nötigen Genehmigungen ein und stellte sich juristischen, logistischen und finanziellen Herausforderungen.

Für jeden Zug, der Krailling in Richtung Germering verlässt, muss die Firma beispielsweise 614 000 Euro als Sicherheit beim Zoll hinterlegen. Sie bürgt dafür, dass das Öl komplett im tschechischen Steuerlager ankommt. Zudem bezahle sie einen Beamten des Hauptzollamtes Rosenheim dafür, dass das Öl überhaupt abgepumpt werden kann. Er muss die verplombten Tanks erst öffnen und diese sowie die Wagons dann wieder versiegeln – jedesmal, wenn befüllt wird.

Außer dem Zollbeamten wird auch immer ein Vertreter der Verwaltung der staatlichen Materialreserven der Republik Tschechien (VSMR) erwartet. Der Anwalt der „Krailling Oils Development“, Nico Skusa, rechnet damit, dass die Auslagerung im März abgeschlossen sein sollte.

Bis dahin würden ein bis zwei Züge die Woche, bevorzugt dienstags und donnerstags zwischen 6 und 7 Uhr morgens, leer in das Tanklager einfahren und es abends zwischen 17 und 18 Uhr gefüllt wieder verlassen, erklärt Skusa. Jede Lok ziehe 20 Anhänger. Jeder Waggon werde mit 650 000 Liter Diesel beladen. Ein Zug dürfe mit maximal 1,3 Millionen Liter gefüllt werden. Insgesamt sollen im Kreuzlinger Forst 75 Millionen Liter tschechisches Öl eingelagert sein. Wie berichtet, sollen rund 6,3 Millionen Liter fehlen.

von Victoria Strachwitz

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