Nach 40 Jahren ist Schluss: Hans Glogger schließt sein Fahrrad- und Spielwarengeschäft. foto: Kast

Nach 40 Jahren

Traditionsgeschäft schließt für immer

Germering - Eine Institution verschwindet. Ende Juli schließen Hans und Sieglinde Glogger ihr Fahrrad- und Spielwarengeschäft. 40 Jahre lang haben sie es betrieben.

Als wir den Laden betreten, ist Hans Glogger gerade im Keller damit beschäftigt, Fahrräder zu reparieren. Man hört es Schrauben, Knacken, Knistern, dann ein Fahrrad im Leerlauf. Kurze Zeit später kommt der Ladenbesitzer selbst die Treppe hinauf. Seine Hände sind vom Arbeiten noch ganz schwarz. Auf der Kleidung jedoch befindet sich kein Schmieröl oder ähnliches. Er wirkt eher wie ein Hobbyhandwerker, der seinem Drahtesel eine Generalüberholung gönnt. Aber er ist alles andere als das: Seit Jahrzehnten ist Hans Glogger eine Institution im Bereich der Fahrradreparatur und viele Germeringer selbst werden ihr Zweirad bei ihm gekauft haben.

Zum ersten Mal öffneten sich die Pforten des Fahrradladens der Familie Glogger im Jahre 1976. Damals verkaufte man noch Gartengeräte und Werkzeuge, ein Jahr später kamen dann Fahrräder und Spielwaren hinzu. Nach und nach spezialisierte sich das Ehepaar dann auf den Verkauf und die Reparatur von Rädern, darunter auch Kettcars für Kinder.

Und nach einem solchen sucht eine Kundin, die noch schnell vor der Mittagspause in den Laden huscht, für ihren Sohn. Zwar verkauft Glogger inzwischen keine Kettcars mehr, jedoch zieht er sofort einen aktuellen Prospekt der auf dem Markt befindlichen Modelle hervor. Er könne jedwedes Kettcar für den Sohneman bestellen. Glogger ist auch dafür bekannt, derartig ungewöhnliche Modelle zu reparieren.

Über 33 Jahre befand sich das Geschäft in der Friedenstraße, zog dann um und ist seit drei Jahren in der Otto-Wagner-Straße beheimatet. Inzwischen ist der Laden kleiner, die Auswahl der Fahrräder etwas weniger geworden. Die Qualität dagegen stimmt bis heute. Jedoch sind viele Kunden heutzutage nicht mehr bereit, für ein hochwertiges Fahrrad viel zu bezahlen. „Stattdessen wollen sie Qualitätsräder für wenig Geld. Beides lässt sich leider nur schwer unter einen Hut bringen“, erklärt Hans Glogger. Auch ist für viele die Reparatur nicht mehr allzu wichtig, da sie daheim selbst Hand anlegen.

Der Fahrradhändler hat in 40 Jahren sämtliches gesehen. Während anfangs vor allem ältere Menschen in Germering mit dem Fahrrad fuhren, veränderten sich die Aufträge und die Wünsche der Kunden wie deren Alter immens. Inzwischen werden immer mehr Mountainbikes und elektronische Fahrräder verlangt, das Design ist umso mehr in der Vordergrund gerückt. Auch die Sprunghaftigkeit vereinzelter Kunden, die in der einen Woche ein schwarzes, in der darauffolgenden ein rotes Fahrrad haben wollen, macht es Händlern wie Glogger schwer.

Vorrangig scheitert das Weiterführen des Ladens allerdings daran, dass sich kein Nachfolger finden lässt. Es gab zwar ein paar Interessenten, denen jedoch nur der Verkauf, aber andere Serviceleistungen wie Reparatur und Bestellungen nicht am Herzen liegen. Auch die Kinder des Geschäftsführers wollen den Laden nicht weiterführen, sie sind mit ihren Berufen zufrieden und das ist für Hans Glogger das Wichtigste.

Der 67-Jährige wird dem Ende des Geschäfts nicht nachtrauern. Er ist passionierter Radler und freut sich auf gemeinsame Touren mit seiner Frau. Zu Ferienbeginn, wenn die Hauptsaison beendet ist, schließt Gloggers Laden und die Fahrräder werden zu Höchstleistungen getrieben. „Und notfalls“, meint Glogger „fahren wir mit dem E-Bike“.

von Matthias Kast

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