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Adolf Leindl (r.) nimmt das gelieferte Essen immer schon an der Haustüre entgegen.

Senioren berichten, wie's funktioniert

Wenn das Essen mit dem Auto kommt

Germering - Der Sozialdienst liefert seit 15 Jahren Essen auf Rädern aus. Mittlerweile nutzen jede Woche rund 100 Kunden diesen Service, jährlich werden über 20 000 Essen ausgeliefert.

Die Senioren können zwischen drei Essen einer Lieferfirma wählen oder ein Tagesgericht der Gaststätte Burkhart bestellen.

Wenn Egon Klein an den Wohnungstüren klingelt, dann wird er meist schon freudig erwartet: Seit sieben Jahren bringt er Essen auf Rädern. Für viele seiner Senioren ist das tägliche Mittagessen, das sie über den Sozialdienst bestellen, der Höhepunkt des Tages. „Manche leben sehr zurückgezogen, andere sind offen und herzlich, der eine redet gern und viel, die nächste sagt grad mal Guten Tag – es hat halt jeder so seine Eigenheiten“, erzählt Egon Klein.

Bevor er seine Tour startet, muss er anhand der Bestellungen die Gerichte in der richtigen Reihenfolge in die Styroporboxen einsortieren. Das spart Zeit bei der Auslieferung und so kann er seinen Zeitplan gut einhalten. Die Essen werden vorher in der Aluschale auf 95 Grad erhitzt. „In den Boxen bleiben die Gerichte gut zwei Stunden heiß“, erzählt Sozialdienst-Mitarbeiterin Karin Korten.

Johanna Haustein bekommt ihr Mittagessen direkt auf den Küchentisch serviert: Die Fahrer und Fahrerinnen wissen, dass sie es ihr auspacken müssen.

Um 10 Uhr fährt Egon Klein los. Diesmal hat er 27 Essen im Gepäck: Geschmortes Rippchen mit Sauerkraut und Kartoffeln, Frühlingsscholle mit Gemüsereis und Erbseneintopf mit Debreziner. Die Ripperl sind der Favorit an diesem Mittwoch.

Adolf Leindl nimmt die beiden Essen für sich und seine Frau gleich an der Haustür entgegen: „Meine Frau kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kochen und deshalb lassen wir uns seit einem halben Jahr das Essen vom Sozialdienst bringen“, sagt der 83-Jährige. Auf die Rippchen freuen sie sich schon, außerdem gibt’s immer gute Soßen zum Essen, betont der Rentner.

Egon Klein erzählt: „Wir haben eine Kundin, die das Mittagessen quasi als spätes Frühstück kurz nach Zehn zu sich nimmt.“ Bei den Wagners gibt’s neben dem Essen meist einen kleinen Plausch obendrauf – sie ist 91, ihr Mann 94 und wenn es dem Senior nicht so gut geht, dann braucht es manches Mal schon ein paar tröstende Worte für die Ehefrau.

Bevor die Tour losgeht, sortiert Egon Klein die Gerichte in die Styroporboxen.

Anderswo leert Klein auch mal den Briefkasten, bringt die Zeitung mit rein oder stellt die geleerte Mülltonne wieder an ihren Platz. Nicht immer bekommt er einen Parkplatz, aber: „Ich habe in den ganzen sieben Jahren keinen einzigen Strafzettel bekommen“, sagt der 63-Jährige stolz. „Jetzt müssen wir uns aber beeilen, dass der Herr Schmidt sein Ripperl kriegt.“

Als er klingelt stört er den Rentner gerade beim Staubsaugen. „Ich koche so gut wie nie und bin schon seit zehn Jahren Stammkunde beim Sozialdienst“, erzählt der 86-Jährige. Ob Schweinegeschnetzeltes, Cordon Bleu oder Ripperl: „Mir schmeckt eigentlich alles und ich hab’s gern deftig; ich werde satt und ich lasse auch nichts übrig“, sagt er.

Die Eheleute Schott lassen sich zwei Mal die Woche Essen auf Rädern bringen. „Ich koche meist noch selbst“, betont Eva-Maria Schott. Sie wählt gern Gemüsegerichte. „Eigentlich werden wir immer fündig in den Speiseplänen“, sagt ihr Mann Gerhard.

Johanna Haustein lässt sich seit einem halben Jahr täglich Essen ins Haus bringen: „Ich bin sehr zufrieden damit und jetzt lasse ich mir das Rippchen schmecken“, freut sie sich.

VON ANGI KIENER

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