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Die kniffligste Aufgabe: Michael Hermannsdorfer bearbeitet den Stumpf, bis er millimetergenau in die Halterung passt.

Eine schrittweise Verwandlung

So wird ein ganz normaler Stamm zum Maibaum

Germering - Wenn die Burschenschaft Germering am 1. Mai an der Augsburger Straße einen neuen Maibaum aufstellt, wird ein Kapitel beendet, das am 27. Dezember 2015 begonnen hat: Am Tag nach Weihnachten wurde das rund 30 Meter lange Gehölz im Wald von Familie Deimel an der Römerschanze geschlagen.

Rund 20 Burschen und auch Mädchen sind seit drei Wochen mit dem Herrichten des Maibaums beschäftigt. Jeden Tag treffen sie sich ab 18 Uhr auf dem Hof „Beim Joche“ an der Hoflacher Straße, wo der Baum gut geschützt gelagert wird. Ende Oktober ist der alte Baum, der zwei Jahre an der Augsburger-/Einmündung Dorfstraße stand, abgebaut und zersägt worden.

Schepsen

Burschenchef Simon Graf und sein Stellvertreter Moritz Dersch erzählen, dass er am 27. Dezember noch an Ort und Stelle geschepst wurde – Schepsen nennt man es, wenn die Rinde des Baumes mit einer Art Schaber entfernt wird. Alleine diese Arbeit dauert schon einen ganzen Tag. Nach der Rinde muss auch noch der so genannte Bast entfernt werden. Erst dann wird das Holz sichtbar.

Der nackte Baum bleibt dann erst einmal im Wald liegen – zum Trocknen. Erst gut drei Wochen vor dem 1. Mai wird er zum Hof transportiert. Drei Wochen braucht man laut Moritz, um rechtzeitig fertig zu werden. Diese Erfahrungswerte vermitteln die älter gewordenen Burschen, ebenso wie die Techniken der Aufbereitung.

Schleifen

Los geht’s mit dem Schleifen des Holzes. Die Burschen legen viel Wert darauf, aus dem Baum etwas Besonderes zu machen. „Andere stellen ihn ja sogar mit Rinde auf“, meint Moritz Dersch kopfschüttelnd. Der Germeringer Maibaum wird so lange geschliffen, bis er eine fast schon samtene Oberfläche besitzt. Ein Drüberstreichen mit der Hand bestätigt: Fast so glatt wie ein Babypopo.

Eine der ersten Arbeiten ist das Aufsetzen des bayerischen Löwen an der Spitze. Das geht relativ schnell von der Hand. Ein Fachmann ist dann aber bei einer der anspruchvollsten Tätigkeiten gefragt, die anstehen: Der Stumpf am unteren Ende des Baums muss lotgerecht und millimetergenau ausgeschnitten werden: Er muss am 1. Mai genau in die Halterung passen, die fest im Boden verankert ist. Wenn sich der Experte auch nur leicht vertut, kann der Baum später kippen. Dass das passiert, ist laut Dersch und Graf aber so gut wie ausgeschlossen. Verantwortlich für diese sensible Arbeit ist Michael Hermannsdorfer. Der versäge sich nicht, versichern die Burschenchefs. Auch bei seinen Vorgängern hat’s immer gepasst.

Anmalen

Wenn der Stumpf perfekt ist, werden die Vorrichtungen für die Befestigung der Zunftschilder ausgestemmt, die den Baum schmücken. Die Schilder selbst werden erst angebracht, wenn der Baum steht.

Eine Woche vor dem Maifest wird das dann schon mehrmals grundierte Holz weiß gestrichen. Und ganz zum Schluss steht dann noch einmal eine aufwändigere Aktion an: Das Anbringen eines blauen Farbbandes, das sich girlandenartig vom Stumpf zur Spitze windet. Bevor zwei Maler beginnen können, wird das zu streichende Band abgemessen und mit einer Schnur gekennzeichnet. Auch hier ist Genauigkeit gefragt, es kommt auf jeden Zentimeter an.

Aufstellen

Die ganze Zeit über werden die fleißigen Handwerker übrigens mit Essen und Getränken versorgt – in der Regel kochen die Mädchen jeden Abend. Meist ist der Baum Simon Graf zufolge drei Tage vor dem 1. Mai fertig. Das Aufstellen selbst wird dann zum letzten Kraftakt: Die Burschen richten den Baum nach alter Tradition mit purer Muskelkraft ohne jede technische Hilfe auf.

Angst vor Dieben?

Angst, dass ihnen vor diesem Termin noch Maibaum-Diebe dazwischen kommen, haben die Bursche nicht: Direkt neben dem Stamm steht ein gemütlich eingerichteter Bauwagen. In dem sitzen jede Nacht drei bis vier Burschen und passen auf das wertvolle Objekt auf. Geschlafen wird da nicht, versichern Graf und Dersch: „Da spielt man Karten und ratscht. Auch ein Fernseher ist installiert.“

Bei der Maibaumwache: Jeder muss mal wach bleiben – und helfen, den Stamm aufzuputzen.

Infos zum Maifest

Die Burschen stellen ihren Baum am Sonntag, 1. Mai, an der Einmündung der Dorfstraße/Augsburger Straße vor dem Kirmair-Hof auf. Um 9 Uhr wird der Baum bei einem Gottesdienstes gesegnet, gegen 9.30 Uhr beginnt das Hochwuchten.

Besucher werden an Tischen und Bänken von den Burschen bewirtet. Zur Unterhaltung der Zuschauer treten die Germerswanger Luitpold-Musikanten und die Geisenbrunner Schuhplattler auf.

So läuft’s zur Zeit bei den Burschen:

Nachwuchssorgen haben die Germeringer Burschen nicht: „Wir sind so was wie ein großer Freundeskreis, der sich größtenteils seit der Kindheit kennt“, erzählt Moritz Dersch. Dabei ist es mittlerweile egal, ob die Mitglieder aus dem Ortsteil Germering kommen oder auch nicht: „Wir haben auch Puchheimer dabei, seit die keinen Burschenverein mehr haben.“ Mitmachen darf jeder, der 16 Jahre alt ist.

Wer mitmachen will, kann noch bis Mitte nächste Woche jeden Tag ab 17.30 Uhr „Beim Joche“ vorbeischauen und sich bei der Maibaumwache mit den Burschen unterhalten. Ausscheiden muss man übrigens erst, wenn man verheiratet ist – wobei die früheren Burschen, wenn’s notwendig ist, immer noch kräftig mithelfen. Vor allem aber stellen sie ihr Wissen zur Verfügung, wenn’s um die Pflege des Brauchtums geht.

Die frühere Rivalität  mit den Unterpfaffenhofener Burschen gibt es nicht mehr, wie Dersch versichert: „Wir kennen uns doch alle und sind befreundet.“ So war es selbstverständlich, dass die Germeringer den Unterpfaffenhofenern vor zwei Jahren beim Aufstellen ihres Maibaumes an der Salzstraße geholfen haben.

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