Vor der Klosterpforte (v.l.): Pater Benedykt, Pater Ludwig, Pater Florian und Pater Ferdinand.  

180 Jahre in Grafrath

Franziskaner sind das Herz des Klosters

Grafrath  - Zwei Menschen ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Franziskaner heuer auf ihre 180-jährige Wirkungsgeschichte im Kloster Grafrath zurückblicken können: König Ludwig I. und dem Provinzial der schlesischen Franziskaner in St. Annaberg.

1836 ließ der Monarch das staatliche Rentamt eine „königliche Entschließung“ (Vertrag) mit den bayerischen Franziskanern ausarbeiten. Der polnische Provinzial hatte zuvor bereits zwei Patres nach Oberbayern entsandt, als sich die bayerischen Franziskaner personell nicht mehr in der Lage sahen, das Kloster weiterhin zu besetzen. Der am 26. April 1836 unterschriebene Vertrag, der die Pflichten der Franziskaner und die finanzielle Ausstattung durch den Staat regelte, gilt seitdem als Beginn des franziskanischen Wirkens in Grafrath.

Das Klostergebäude (l.) wie es sich heute präsentiert, daneben die Rasso-Kirche.

Obwohl der Weiler Graf-Rath schon vorher zu einem Kloster (Dießen) gehörte und trotz Säkularisation der Dießner Chorherr Pater Gelasius als „Hausmeister“ im Kaplanshaus, dem heutigen Kloster, wohnen durfte. „Der Staat hob das Kloster Dießen auf, wagte aber nicht, die Grabeskirche des Grafen Rath zu verkaufen oder abzureißen“, vermutet der Grafrather Historiker Ernst Meßmer, der sich intensiv mit der Geschichte Grafraths befasst. Nach Zustimmung der Diözese Augsburg, zu der die Klosterkirche auch heute noch gehört, begannen 1836 zwei Patres und ein Laienbruder sich um die Gläubigen, besonders aber um die zahlreichen Wallfahrer, zu kümmern.

„Am Sonntag um 10 Uhr eine Wallfahrermesse zu lesen war im Regulativ vorgeschrieben“, so Meßmer weiter. Den Franziskanern wurde sogar gestattet, einen eigenen Friedhof direkt an der südlichen Kirchenmauer anzulegen, der auch heute noch gepflegt wird. Den Inhalt der Opferstöcke durften die Franziskaner behalten und bekamen obendrein auch noch 25 Gulden für den Lebensunterhalt und die Beschaffung der zum Gottesdienst notwendigen Dinge. Dass mit diesem Salär auch die Aufwendung für den baulichen Unterhalt von Kirche und Kloster abgegolten war und zu einer erheblichen finanziellen Belastung des Ordens führte, wurde erst 2012 vertraglich geändert.

Aus dem Archiv des Klosters stammt dieses historische Bild. Es zeigt eine Gruppe von Franziskanern, die zu einem Priesterjubiläum nach Grafrath gekommen sind.

Als „Wächter am Grab des heiligen Rasso“ brachten die Franziskaner die Wallfahrt zum Erblühen, die sogenannten „Mirakelbücher“ füllten sich mit Schilderungen wundersamer Heilungen. Sogar Nieren- und Gallensteine wurden dem Kloster als Beweis der Genesung auf die Fürsprache des heiligen Rasso überlassen und sorgfältig gesammelt. Als Angehörige eines „Bettelordens“ waren die Laienbrüder in der Bevölkerung präsent, zogen sie doch regelmäßig aus, um Almosen zu erbitten. So erfuhren sie auch die Sorgen leidgeplagter Seelen und spendeten geistlichen Trost. Zur historischen Einheit von Kirche und Kloster gehörte auch der Klosterwirt. Denn in dem kürzlich abgerissenen Gebäude am Ende der Klosterstraße waren früher die zahlreichen Wallfahrer einquartiert, bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Wallfahrt spürbar nachließ.

Ein neuer Abschnitt begann mit der Gründung eines für damalige Zeiten völlig neuen Organisationsmodells: einem Pfarrverband. Zwar behielt jede Pfarrei ihren Pfarrgemeinderat und ihre jeweilige Kirchenverwaltung, das Pfarrbüro war aber seitdem im Kloster angesiedelt. Als Mittelpunktkirche wurde die Rassokirche bestimmt. Statt eines „Superiors“, der nach dem Tod des letzten Laienbruders Anicet alleine im Kloster lebte, sorgten sich fortan zwei leibliche Brüder um die Seelen im Pfarrverband. Seit fast 30 Jahren kommen die Franziskaner ausschließlich von der Breslauer Provinz, die noch zwei andere Klöster in Marienweiher und Gößweinstein von den bayerischen Franziskanern übernommen hatte. Weil die Priester in der Regel nur sechs Jahre in Grafrath bleiben, haben die Gläubigen schon viele Franziskaner kennengelernt und hadern meist, wenn sie sie schweren Herzens wieder ziehen lassen müssen.

Die Kottgeiseringer Mesnerin Angelika Entholzer hat in der Sakristei einen Ständer für die Schultertücher aufgestellt, an dem sie für jeden neuen Priester ein eigenes Holztaferl mit seinem Namen befestigt. Beginnend mit dem Jahr 1979 kann man derzeit stolze 34 Namen zählen.

Vor vier Jahren übernahm der Freistaat Bayern wieder die Zuständigkeit für die Bausubstanz von Kirche und Kloster. Im Gegenzug zahlen Pfarrverband und Franziskaner eine Miete für die Nutzung. „Als Franziskaner versuchen wir, die Gemeinden zu prägen und für die Menschen, die hier wohnen oder die zu uns kommen, da zu sein“, sagt Pater Ludwig Mazur zu seinem Selbstverständnis. „Wo wir Franziskaner arbeiten, ist es uns wichtig, als geistige Gemeinschaft zu leben und Akzente zu setzen.“ Ziel sei es, diese Werte auch im Gottesdienst zu vermitteln.

von Max-Joseph Kronenbitter

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