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„Die Laute spielt man mit einer ganz anderen Technik als die Gitarre“: Helmut Weigl mit einer Theorbe.

Porträt über Musiker

Von der großen Liebe zur Laute

Grafrath - Die Laute spielen heute nur noch wenige Menschen. Helmut Weigl aus Grafrath aber tut es und erzählt, was ihm das Musizieren auf diesem Instrument gibt.

Im Alter von zwölf oder 13 Jahren lauschte Helmut Weigl dem Gitarren-Virtuosen Julian Bream, der zu Beginn seiner Konzerte oft einige Stücke auf der Laute zum Besten gab. Seitdem lässt den Grafrather die Faszination für das alte Instrument nicht mehr los. Heute ist er Lautenist.

Die Laute selbst zu lernen, gestaltete sich gar nicht so einfach. „Ich habe Gitarre gelernt“, erzählt Helmut Weigl (60). Die Bream’schen Lauten-Vorträge nahmen ihn zwar gefangen. In der Region gab es aber keine Möglichkeit, das mittelalterliche Saiteninstrument intensiver zu erlernen.

Und so blieb der gebürtige Olchinger, der lange in München lebte, zunächst der Gitarre treu und studierte diese bei dem spanischen Musiker Santiago Navascués in München. Erst als Weigl die Möglichkeit zum Studium am Mozarteum in Salzburg bekam, rückte die Laute wieder in den Fokus seines Spiels. Bei Professor Matthias Seidel studierte er die Renaissancelaute und erfüllte sich damit einen Lebenswunsch, wie er sagt.

Nun möchte man meinen, dass der Weg von der Gitarre zu dem alten Instrument ein kurzer ist – schließlich sind beides Saiteninstrumente. Aber weit gefehlt, wie Weigl erzählt. „Die Laute spielt man mit einer ganz anderen Technik.“ Die Saiten werden beispielsweise mit den Fingerkuppen gezupft, nicht mit den Fingernägeln wie bei der Gitarre. Außerdem ist die Laute anders gestimmt, als eine Gitarre. „Es gibt viele verschiedene Stimmungen“, berichtet der Musiker. Man müsse sich jedes Mal aufs Neue darauf einstellen. „Laute und Gitarre schauen zwar ähnlich aus, sind aber ganz anders.“

Auch die Spielweisen unterscheiden sich drastisch: „Die Laute ist ein höfisches Instrument, vornehm und leise.“ Kleine Lauten sind zudem doppelt bespannt, sind also doppelchörig. Das heißt, dass zwei Saiten knapp nebeneinander liegen und immer gemeinsam angeschlagen werden. Die Saitenzahl kann dabei erheblich variieren, wie Weigl berichtet: „Im Mittelalter waren Lauten meist fünfsaitig.“ Barocklauten können dagegen bis zu 14 Saiten aufweisen.

Eben weil Lauten so unterschiedlich sind, gibt es sie in der Regel nicht von der Stange. Die Instrumente werden auf Bestellung gebaut. Weigl bezieht sie von einem Lautenbauer in Krailling. Bevor der loslegen kann, gelte es, die Optik und den Aufbau der gewünschten Laute genau abzusprechen.

Die Instrumente können sich in der Größe gewaltig unterscheiden. Während kleine Lauten in der Regel bei Solokonzerten zum Einsatz kommen, ist bei Orchestern der so genannte Generalbass-Spieler gefragt. Arciliuto und Theorbe heißen die Lauten, die sich durch einen zweiten Wirbelkasten an einem verlängerten Hals auszeichnen, an dem zusätzliche Basschöre angebracht sind.

„Es gibt nicht viele Musiker, die Generalbass spielen“, erzählt Weigl. Bei Orchestern erfreut sich der Musiker deshalb großer Nachfrage. „Ich bin gut beschäftigt.“ Unter anderem spielte er schon bei Barockproduktionen in Ulm, Augsburg und am Münchner Gärtnerplatztheater.

Altes Instrument, alte Noten-Schreibweise

Solokonzerte – überwiegend im bayerischen Raum – muss der Musiker, der seit vier Jahren in Grafrath lebt, in der Regel selbst organisieren. Unterstützt wird er dabei auch vom Grafrather Kulturverein um Maria Leitenstern-Gulden und von Heila Steinmann. „Ohne deren selbstlose Mithilfe wären die Veranstaltungen kaum durchzuführen“, sagt Weigl.

Werke für die Konzerte zu finden, ist heutzutage fast ein Kinderspiel. „Die Literatur zur Laute ist größer als die Klavierliteratur“, sagt Weigl – und das, obwohl das Instrument lange Zeit fast vergessen war (siehe Kasten). Viele alte Stücke sind jedoch erhalten geblieben. Aber oft nicht in der klassischen Noten-, sondern in der Tabulatorschreibweise, die angibt, wie die Akkorde am Lautenhals zu greifen sind. „Natürlich gibt es viele Stücke auch in moderner Schreibweise“, sagt Weigl. Er greift jedoch lieber auf die alte zurück. „Man sollte das so machen wie damals“ – der Grafrather will authentisch musizieren.

Das Instrument der Nomadenstämme in der mesopotamischen Region

Ihren Ursprung hat die Laute wohl bei den Nomadenstämmen in der mesopotamischen Region. Ihr Name leitet sich vom arabischen al-ud ab, was „Holz“ bedeutet und ursprünglich den Korpus des Instruments meinte. Wie die Laute nach Europa kam, ist umstritten. Entweder brachten Kreuzfahrer sie mit oder aber sie kam über das maurische Spanien oder das an Persien grenzende byzantinische Reich hier her.

Während der Renaissance  galt die Laute als Königin der Instrumente. „Es gab sie in vielen Haushalten – wie heute die Gitarre“, sagt Helmut Weigl. Doch Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Instrument fast vergessen.

Wiederentdeckt  wurde sie kurioserweise quasi in der Nachbarschaft von Weigl: Der Schöngeisinger Heinrich Scherrer, nach dem die dortige Musikschule benannt ist, hat intensive Forschungen über das Instrument betrieben. Weigl: „In den 1950erund 1960er-Jahren wurde die Laute dann auch wieder für Konzerte entdeckt.“

Zwei Solokonzerte

gibt Helmut Weigl im Oktober in Grafrath. Am 3. Oktober spielt er in der Rassokirche anlässlich der 160-jährigen Geschichte der Franziskaner in Grafrath. Am 30. Oktober folgt ein Auftritt in der Michaelkirche.

von Andreas Daschner

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