Abriss der Traditionsgaststätte läuft

Das wird aus dem Klosterwirt

Grafrath - Ein Stück Geschichte verschwindet aus Grafrath: Der Klosterwirt wird aktuell abgerissen. Auf den gewohnten Anblick müssen die Grafrather aber nicht verzichten. An gleicher Stelle wird ein Wohnhaus entstehen, das dem Wirtsgebäude nachempfunden wird.

Viele Jahre tobte der Streit um das geschichtsträchtige Wirtsgebäude und seinen Stadel mit dem denkmalgeschützten Gewölbe. Neben einem bürgerschaftlichen Projekt und einem Großinvestor verzehrte die Debatte zeitweise auch extrem den Dorffrieden. Doch nun steht die Zukunft des Klosterwirts fest.

Die Firmen Wohnen Huttner Immobilien (WHI) aus München und GM Baubetreuung aus Bruck werden dort Wohnraum schaffen. „Die Grafrather werden ihren Klosterwirt aber behalten“, sagt Thomas Huttner von der WHI. Allerdings nicht als Gaststätte. Wie bereits im Bauausschuss bekannt wurde, werden im Wirtsgebäude 16 Wohnungen entstehen – Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen mit einer Größe zwischen 46 und 160 Quadratmetern. Geparkt wird zum Teil oberirdisch, vor allem aber in einer Tiefgarage.

„Man kann die Einheiten aber so verbinden, dass sogar bis über 300 Quadratmeter möglich sind“, sagt Huttner – je nach Nachfrage. Und die ist offenbar bereits jetzt groß. „Bei der GM Baubetreuung sind nach Bekanntwerden des Verkaufs bereits an die 60 Anfragen eingegangen“, sagt Huttner. Darunter seien auch viele Grafrather, die Wohnungen für ihre Kinder wollen – oder für ihren eigenen Ruhestand. Die Wohnungen werden nämlich barrierefrei geplant. Huttner will die Tradition mit modernen Elementen verbinden. Er möchte die hohen Räume erhalten, kann sich aber vorstellen, ihnen etwa mit Glaselementen einen zeitgemäßen Anstrich zu verpassen.

Beheizt werden sollen die Gebäude mit einem Blockheizkraftwerk. Auch kann sich Huttner vorstellen, eine Bäckerei mit einem Café unterzubringen. Konkret seien diese Pläne aber noch nicht. „Das hängt davon ab, was die Käufer wollen.“ Die Preise für die Wohnungen will er mit gut 4000 Euro pro Quadratmeter ansetzen: „Das Projekt ist ein gutes Geschäft, aber wir wollen nicht unverschämt sein.“

Alle Wohnungen Ende 2017 fertig

Eine Alternative zum Abriss gab es laut Huttner nicht. Das alte Gebäude war zu marode. „Selbst wenn es noch sanierbar gewesen wäre, dann wäre es definitiv nicht mehr wirtschaftlich gewesen.“ Schwieriger als die Entwicklung des Wirtsgebäudes fiel die Planung für den Stadel. Grund dafür ist das denkmalgeschützte böhmische Gewölbe. Dieses Gebäude war auch der Grund, warum Huttner zunächst zögerte, nachdem er sich das Projekt nach einem Hinweis einer Bekannten zunächst unverbindlich näher angesehen hatte. Die Arbeiten im früher als Stall genutzten Stadel sind aufwändig. Der Boden muss komplett erneuert werden. Um das Gewölbe zu erhalten, muss sorgfältig abgestützt werden, „um die Statik zu erhalten“, wie Huttner erklärt.

Der Immobilien-Entwickler griff zum Rechenschieber und prüfte das Projekt auf Herz und Nieren. Am Ende kam er zu dem Schluss: „Das Risiko ist überschaubar.“ Auch weil es Zuschüsse vom Denkmalschutz gibt. „Ohne diese wäre der Umbau wirtschaftlich nicht mehr darstellbar.“ Ein bis zwei Wohneinheiten sollen im Erdgeschoss des Stadels entstehen. „Dafür haben wir ebenfalls schon einen Interessenten“, sagt Huttner. Auch im Speicher sind Wohnungen vorgesehen.

Der lange Streit um den Klosterwirt hat Huttner nicht abgeschreckt. Er habe sich auf strittige Vorhaben spezialisiert. „Außerdem bin ich in Steinebach am Wörthsee aufgewachsen und habe einen Bekannten in Grafrath, daher habe ich einen Bezug zu dem Thema“, sagt er. Spätestens mit der Fertigstellung Ende 2017 soll endgültig jeder Streit begraben werden. Huttner: „Ein sportlicher Zeitrahmen, aber machbar.“

von Andreas Daschner

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