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„Beschwerden bereiten mir keine schlaflosen Nächte“: Grafraths Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei) wird von verschiedenen Seiten attackiert.

Interview mit dem Rathauschef

„In Grafrath schlägt die Emotion höher“

Nach dem Amtsantritt von Markus Kennerknecht als hauptamtlicher Bürgermeister von Grafrath kehrte zunächst Ruhe in das als Streitrat verrufene Ortsparlament ein. Doch bei der Haushaltsdebatte, dem Verkauf des Klosterwirts oder der Erweiterung des Gewerbegebiets am Wahlfeld machte der Gemeinderat zuletzt seinem zweifelhaften Ruf wieder alle Ehre.

Herr Kennerknecht, tanzt die Ratsmehrheit nach der Pfeife eines Mannes?

Markus Kennerknecht: (etwas verblüfft) Warum?

Man hört des öfteren, dass einige Bürger das Gefühl haben, gewisse Fraktionen seien CSU-Sprecher Gerald Kurz quasi hörig.

Markus Kennerknecht: Es erstaunt mich ehrlich gesagt, dass das so kolportiert wird. Das hängt ein Stück weit vielleicht auch am Thema Klosterwirt, wo sich Herr Kurz sehr stark engagiert hat. Aber wir haben sechs Fraktionen im Gemeinderat. Ich gehe fest davon aus, dass sich jede Fraktion ihre eigene Meinung bildet und diese dann auch kundtut. Die Abstimmungen zeigen ja auch, dass es durchaus unterschiedliche Ergebnisse gibt.

Stört Sie das als Bürgermeister, wenn solche Gerüchte in der Bevölkerung im Umlauf sind?

Kennerknecht: Nein. Es gibt immer verschiedene Strömungen und Meinungen. Ich sehe es als meine Aufgabe als Bürgermeister an, diese Meinungen zu bündeln und eine Mehrheitsmeinung unter einen Hut zu bringen. Und natürlich muss ich auch ein Stück weit in die Zukunft schauen. Unabhängig von aktuellen Themen sind oft die Dinge wichtig, die man in der Öffentlichkeit gar nicht so sehr wahrnimmt.

Welche Themen sind das?

Kennerknecht: Beispielweise Wasserversorgung, Kinderbetreuungsplätze oder Breitbandausbau. Das kommt mir in der momentanen Diskussion um Gewerbe, Klosterwirt und Supermarkt ein bisschen zu kurz. Die eigentlich wichtigen Dinge, die die gesamte Bevölkerung betreffen, sind andere. Ich sag es ganz ehrlich: Das Thema Klosterwirt hat für mich nicht oberste Priorität. Dass es aber verschiedene Pole gibt, das ist klar.

Gerade in Grafrath.

Kennerknecht: Das ist wohl wahr. Ich habe für mich gelernt, dass die Emotion hier vielleicht doch etwas höher schlägt als anderswo.

Weil die Emotionen zuletzt wieder hochkochten, muss man das Thema Klosterwirt dennoch anschneiden. Die Frage, die alle bewegt: Bleibt die Kubatur des Wirtsgebäudes erhalten?

Kennerknecht: Davon gehe ich aus. Der bestehende Bebauungsplan und der Denkmalschutz geben viele Möglichkeiten her, so dass dort etwas Vernünftiges entstehen kann. Ob es natürlich eins zu eins wie bisher umgesetzt wird oder ob hier mal ein Dachvorstand etwas länger oder ein Fenster etwas breiter wird, das muss sich zeigen. Aber da muss ein Eigentümer auch die Möglichkeit haben, das Gebäude so zu gestalten, dass es für ihn nutzbar ist. Mir wurde oft vorgeworfen, dass nichts vorwärts geht. Jetzt haben wir die Chance, dass etwas passiert, und da müssen wir jetzt vorsichtig agieren, damit diese Chance nicht leichtfertig vertan wird.

Beim Supermarkt scheint man auch auf eine Zielgerade eingebogen zu sein? Befürchten Sie Verzögerungen, falls die bisherigen Investoren weiter den Rechtsweg beschreiten?

Kennerknecht: Mein Motto ist immer: vorsichtig optimistisch sein. Ich denke, man hat hier einen guten Weg beschritten. Es müssen noch einige Feinplanungen vorgenommen werden. Wir werden im Bauausschuss in einigen Wochen Ergebnisse präsentieren können. Ich stecke nicht im Detail in der zivilrechtlichen Auseinandersetzung drin, denke aber schon, dass wir realistisch davon ausgehen können, dass die Eigentümerfamilie Sedlmeier das Vorhaben so wie wir es planen umsetzen kann. Wir als Gemeinde werden einen Rahmen zimmern, der möglichst rechtssicher ist. Das Bild müssen andere malen, in diesem Fall die Eigentümer.

Drittes großes Thema: Die Erweiterung des Gewerbegebiets am Wahlfeld ruft mehr Kritiker auf den Plan, als man zunächst angenommen hat, oder?

Kennerknecht: Im ersten Schritt geht es darum, dass die Gemeinde die Planungshoheit in dem Bereich erhält. Momentan ist es nicht Fisch, nicht Fleisch, da wir dort ja die Doppelausweisung im genehmigten Flächennutzungsplan einerseits und als Landschaftsschutzgebiet andererseits haben. Im zweiten Schritt muss man dann sehen, was man wirklich umsetzt. Mir schwebt absolut nicht vor, ein zweieinhalb bis drei Hektar großes Gewerbegebiet auszuweisen. Ich möchte eine kleine Lösung haben, mit der wir die Firma Cabero bedienen können, die wir gerne im Ort behalten möchten. Und wenn dann noch für die Gemeinde zwei bis drei Grundstücke auf Vorrat für die heimischen Betriebe rausspringen, wäre ich damit zufrieden. Ich hoffe, dass wir mit dem Aktionsbündnis noch mal vernünftig ins Gespräch kommen.

Wie sehr würde die Gemeinde ein Wegzug der Firma Cabero bei der Gewerbesteuer treffen?

Kennerknecht: Sehr stark. Ohne konkrete Zahlen zu nennen: Es wäre schon ein markanter Einbruch, der im Verwaltungshaushalt Fragezeichen aufwerfen würde.

Die Gruppierung Bürger für Grafrath übte zuletzt harsche Kritik am Verwaltungshaushalt.

Kennerknecht: Die Diskussion um den hauptamtlichen Bürgermeister ist eine, die noch aus dem Jahr 2013 weiterwirkt, als der Posten eingeführt wurde. Ich glaube gar nicht so sehr, dass es da um konkrete Zahlen geht. Ich denke, es ist richtig und wichtig, dass eine Gemeinde wie Grafrath mit 4000 Einwohnern einen hauptamtlichen Bürgermeister hat.

Haben Sie das Gefühl, dass die Akzeptanz für demokratische Mehrheitsentscheidungen nicht immer gegeben ist?

Kennerknecht: Jede Fraktion ist eingeladen, am demokratischen Entscheidungsprozess mitzuarbeiten. Man muss letzten Endes Mehrheitsentscheidungen dann auch akzeptieren. Sich von Haus aus immer in die Ecke der Opposition zu stellen, damit tut man sich selbst nicht unbedingt einen Gefallen. Ich habe bei einer Fraktion momentan das Gefühl, der politische Erfolg definiert sich über die Anzahl der abgedruckten Leserbriefe. Aber das muss diese Fraktion für sich selbst entscheiden. Ich nehme aber für mich in Anspruch, dass im Gemeinderat jeder mitdiskutieren kann und dass ich versuche, einen Konsens zu erzielen.

Sie sprechen die Leserbriefe der Bürger für Grafrath an. Stören diese die politische Debatte?

Kennerknecht: Sie machen die politische Debatte sicher nicht einfacher. Leserbriefe sind ein legitimes Instrument. Aus meiner Sicht ist es aber besser und auch ratsamer, wenn man die Diskussion im Gremium führt und nicht außerhalb.

Was sagen Sie zu Herrn von Hoyers Aussage, die Gemeindebürger hätten für die gestiegenen Verwaltungskosten keinerlei Mehrwert bekommen?

Kennerknecht: Wir haben etliche Sanierungsmaßnahmen zum Beispiel am Bürgerstadel vorgenommen. Der Unterhalt des Schwimmbads wird auch über den Verwaltungshaushalt abgedeckt. Wir versuchen auch, den Schulbetrieb möglichst attraktiv zu gestalten und den Vereinen etwas zu bieten. Insofern glaube ich schon, dass ein Mehrwert für die Bürger gegeben ist. Generell würde ich mir wünschen, dass man Zahlen erst im Finanzausschuss diskutiert, bevor man das öffentlich macht. Wenn man einfach nackte Zahlen in den Raum stellt, sind diese immer aus dem Zusammenhang gerissen.

Es gibt Gerüchte, dass die Kommunalaufsicht zuletzt verstärkt mit Grafrath beschäftigt wird?

Kennerknecht: (lacht) Ja, aber nicht von meiner Seite aus.

Angeblich soll die Gruppierung BfG in der Kreisbehörde verstärkt Kritik an Ihrer Arbeit vorbringen.

Kennerknecht: Da bin ich Profi genug, damit kann ich leben. Durch meine Vorbildung als Verwaltungsleiter weiß ich relativ gut, was ich machen darf. Darum bereiten mir diese Beschwerden keine schlaflosen Nächte.

Andreas Daschner

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