Immer wieder greift Michael Thies zum Hörer – und dran sind nur Betrüger. Foto: weber

In Grafrath

75-Jähriger kämpft gegen Telefon-Trickser

Grafrath – Mehrmals täglich klingelt bei Michael Thies in Grafrath das Telefon. „Herzlichen Glückwunsch! Sie sind der glückliche Gewinner für das Jahr 2015“, verkündet dann eine Stimme vom Band. Eine fiese Betrugsmasche, auf die der 75-Jährige nicht hereinfällt.

Alles mögliche hat Michael Thies schon versucht, die Anrufe abzustellen. Genutzt hat es bisher nichts. Immer wieder muss er sich mit den selben Ansagen herumärgern. Um Details über den angeblichen Gewinn zu erfahren, soll Michael Thies etwa auf seinem Telefon die Taste mit der Ziffer „1“ drücken.

„Wenn Sie uns zu einem anderen Zeitpunkt erreichen möchten, drücken Sie bitte die ‘2’. Wenn Sie alle Ansagen noch einmal hören möchten, drücken Sie die ‘3’“, heißt es weiter. Doch egal ob 1, 2 oder 3 – der Grafrather wäre höchstwahrscheinlich am Ende der Gelackmeierte. „Ich habe den Verdacht, dass mit dem Drücken der Tasten eine sehr kostspielige Umleitung geschaltet wird. Entweder man landet in einer teuren Auslandsverbindung oder in der Warteschleife einer 0900-Nummer.“

Am Ende würde der Angerufene keinen Gewinn erhalten, sondern eine dicke Telefonrechnung. Seit gut zwei Wochen bekommt Michael Thies diese Anrufe. Im Display erscheint jedes Mal eine Düsseldorfer Nummer. Dass sie falsch sein muss, war ihm von Anfang an klar - denn auf die Vorwahl folgen lediglich fünf Ziffern. „Anschlüsse in einer Großstadt wie Düsseldorf haben aber sechs oder sieben Ziffern.“ Thies sperrte die Nummer über seine Fritzbox, aber die Anrufe gingen trotzdem weiter. „Damit ist davon auszugehen, dass diese Nummer nicht existiert.“

Diese Vermutung bestätigte die Bundesnetzagentur für Telekommunikation, an die Thies den Vorgang meldete. Dort liegen in derselben Sache schon mehrere Beschwerden vor. „Unsere Ermittlungen haben ergeben, dass die Rufnummer nicht existent ist. Das bedeutet, dass sie bei Anrufen lediglich aufgesetzt und übermittelt wurde“, so ein Sprecher.

Das ist zwar ein Verstoß gegen das Telekommunikationsgesetz. Doch von welchem Anschluss die Anrufe tatsächlich kommen, sei kaum zu ermitteln, so der Sprecher der Netzagentur. Anders als die Strafverfolgungsbehörden darf die Behörde nämlich von den Netzbetreibern keine Daten einfordern. „Nach derzeitigem Stand kann der Ursprung der Anrufe nicht aufgeklärt werden“, bedauert der Sprecher.

Auf die Masche hereingefallen sei bisher niemand. Thies warnt jeden, der ähnliche Anrufe bekommt. „Die Leute sind ja teilweise so naiv. Aber man sollte nicht in der ersten Euphorie über eine Gewinnbenachrichtigung in diese offensichtliche Falle tappen.“ Der 75-Jährige selbst hat schon so viele Betrugsversuche via Telefon und Internet an sich abprallen lassen, dass er darüber ein ganzes Buch schreiben könnte. Die Tricksereien begannen, nachdem er sich 2009 ein Virenschutzprogramm aus dem Internet heruntergeladen hatte.

Versehentlich landete er auf einer unseriösen Seite und musste schließlich 100 Euro berappen, obwohl der Download eigentlich gratis sein sollte. Seitdem ist Micheal Thies auf der Hut - und er berät andere Senioren, wie sie sich vor Betrugsmaschen schützen können.

Einer seiner Tipps: E-Mail-Adressen sollten nicht aus Vor- und Nachnamen des Inhabers bestehen. Fällt die Adresse in die falschen Hände, können Betrüger leicht ein persönliches Schreiben fingieren. Michael Thies hat deshalb die Buchstabenkombination WAEGGFSH als Mail-Adresse gewählt - „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“. (os)

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