Das Schwimmbad in Grafrath bereitet der Gemeinde Kopfzerbrechen. Denn das jährliche Defizit liegt im sechsstelligen Bereich. „Die Betriebskosten sind sehr hoch“, sagt Bürgermeister Markus Kennerknecht. Foto: daschner

Bad hält sich über Wasser

Grafrath – Ein hohes Defizit, fehlende Badeaufsichten, Schäden: Der Betrieb des Schwimmbades Grafrath gestaltet sich für die Gemeinde nicht einfach. Mittlerweile gibt es zwar wieder Aufsichten, und ein Teil des Bades wurde saniert. Was bleibt, ist das finanzielle Minus.

Im sechsstelligen Bereich bewegt sich das jährliche Defizit, das die Gemeinde laut Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei) schultern muss. 2015 überstiegen die Ausgaben die Einnahmen um 150 000 Euro. „Die Betriebskosten sind sehr hoch“, sagt Kennerknecht auf Tagblatt-Nachfrage.

Wenn das Bad nach der Sommerpause am Sonntag, 18. September, wieder eröffnet, kann aber zumindest beim Strom gespart werden. Denn während der Pause wurde die Beleuchtung auf LED-Lampen umgestellt. Außerdem wurde die teils verrostete Aufhängung der Belüftung saniert. „Durch das Chlor ist das Bad einer starken Korrosion ausgesetzt“, sagt der Gemeindechef.

Noch offen ist die Sanierung der Treppe, die von der Herrenumkleide ins Bad führt. Hier steht entweder eine teure Betonsanierung oder gleich eine neue Edelstahltreppe an. Der Gemeinderat tendierte in einer Sitzung vor einigen Wochen eher zur neuen Treppe. Außerdem wird ein Teil der Haustechnik im Rahmen der Generalsanierung der Schule, an die das Bad angegliedert ist, erneuert. Auch diese Ausgaben belasten den Haushalt.

Den Betrieb des Schwimmbades sieht Kennerknecht aber zumindest kurz- bis mittelfristig nicht gefährdet: „Die Sanierung wäre ansonsten ja widersinnig.“ Gleichwohl gibt der Rathauschef zu bedenken, dass freiwillige Leistungen das Erste sind, das man streichen müsse, wenn es im Verwaltungshaushalt mal eng wird. Und dazu zählt eben auch das Schwimmbad, dessen Betrieb nicht zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde gehört.

Den Ausgaben stehen nicht nur die Einnahmen aus dem Eintritt fürs öffentliche Schwimmen gegenüber. Auch Vereine und andere Organisationen müssen eine Gebühr zahlen. Zum Beispiel nutzen drei Schwimmschulen das Grafrather Becken für ihren Unterricht – eine davon, die im gesamten Großraum München tätige Schwimmschule „Flipper“, kam jüngst dazu.

Allerdings sind hier natürliche Grenzen gesetzt. „Die Auslastung ist sehr gut“, sagt Kennerknecht. „Wir haben eher Probleme, noch freie Zeitfenster für neue Interessenten zu finden.“ Dennoch sind die Einnahmen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Bad wird immer ein Zuschussbetrieb bleiben“, sagt der Rathauschef.

Von ganz anderer Seite schien der Betrieb vor einigen Monaten gefährdet, als plötzlich keine Badeaufsichten mehr zur Verfügung standen. Diese sind beim öffentlichen Betrieb zwingend vorgeschrieben, um die Sicherheit der Badegäste zu gewährleisten. „Mittlerweile haben wir wieder Personal“, gibt Kennerknecht Entwarnung – wenngleich er weitere Verstärkung nicht ablehnen würde. Drei Aufsichten stehen derzeit für vier öffentliche Schwimmeinheiten in der Woche parat. „Eine vierte Person würde nicht schaden, dann wären wir flexibler.“

Die Aufsichten müssen volljährig sein und den Silbernen Rettungsschwimmer haben. Die Arbeit besteht aber nicht nur in der Menschenrettung. „Die Aufsichten müssen auch dafür Sorge tragen, dass die Badeordnung eingehalten wird“, sagt Kennerknecht. Bei manchmal bis zu 200 Gästen pro öffentlicher Einheit eine nicht immer ganz übersichtliche Aufgabe. (ad)

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