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Die Feier im Juli in Polgardi: Grafraths Bürgermeister Markus Kennerknecht mit den Kollegen aus Rumänien, Ungarn, der Slowakei und Vertretern des Kreises Szekesfehervar.

20 Jahre Grafrath-Polgardi 

Grafrather feiern 20 Jahre Freundschaft mit Ungarn

Grafrath - Die Partnerschaft zwischen Grafrath und Polgardi besteht seit 20 Jahren. Kürzlich waren die Grafrather in Ungarn, jetzt wird der Gegenbesuch in der Ampergemeinde erwartet.

Zwei Hände voll Erde aus Ingrid Wilds Garten liegen jetzt über 700 Kilometer weiter östlich. Sehr prominent in einer speziellen Betonkammer, frei jeglichen Unkrauts und in Nachbarschaft vergleichbarer Erdhäuflein aus Petrifeld/Rumänien, Vágfarkasd/Slowakei und eben Polgardi. Grafraths Bürgermeister Markus Kennerkecht durfte die Heimaterde bei seinem Besuch im Juli in einer feierlichen Zeremonie versenken und so die Verbindung der Partnerstädte Polgardis zum Ausdruck bringen. „Es war eine hochoffizielle Angelegenheit mit Flaggenparade und gesungenen Nationalhymnen“, berichtet Kennerknecht in einem Pressegespräch noch immer schwer beeindruckt.

Wenige Wochen später steht jetzt der Gegenbesuch einer 28-köpfigen Reisegruppe aus Polgardi an, die heute Abend im Rathaus empfangen wird. „Bei uns geht’s ganz bewusst etwas lockerer zu, was nicht heißt, dass wir nicht ein schönes Programm für unsere Gäste vorbereitet haben“, sagt Kennerknecht. Dabei kann der Bürgermeister auch auf die Zweite Bürgermeisterin Ingrid Wild zählen, die gleichzeitig Vorsitzende des Deutsch-Ungarisch-Rumänischen Vereins Grafrath ist, sowie auf Kulturreferentin Sybilla Rathmann.

Es war die Feuerwehr, die damals vor 30 Jahren, noch vor dem Zusammenbruch des „Ostblocks“, zufällig die ersten Kontakte zu ihren Feuerwehrkameraden aus Polgardi knüpfte. „Bei einem Leistungsvergleich in der Gegend von Wien kamen sie mit vielen Feuerwehren zusammen, unter ihnen auch die der Stadt Polgardi“, berichtet Ingrid Wild.

Nach losen Kontakten untereinander wurde zehn Jahre später dann offiziell die Partnerschaft fixiert. Die Vereinbarung unterzeichneten die damaligen Bürgermeister Hans Eiwan und Istvan Borbely.

Darin ist ein ständiger Informations- und Gedankenaustausch vorgesehen, der auch Erfahrungen der Ortsentwicklung, Landwirtschaft, Gewerbe, Umweltschutz und Kultur umfassen soll. Am stärksten umgesetzt werden diese Absichten sicher im kulturellen Bereich, reiste doch auch das Akkordeonorchester Ampertal für ein Konzert mit nach Ungarn – genau so wie die Hälfte der jetzt aus Polgardi ankommenden Delegation aus Chormitgliedern besteht.

„Gerade vor dem Hintergrund der politischen Auseinandersetzungen geht es in so einer Partnerschaft aber vor allem darum, andere Sichtweisen kennenzulernen, Spannungen abzubauen und Kontakt zu halten“, sagt die Vereinsvorsitzende Ingrid Wild. Kennerknecht, der ja erst vor gut zwei Jahren mit dieser Partnerschaft in Kontakt kam, berichtet von vielen positiven Erfahrungen und möchte die Partnerschaft unbedingt erhalten – „auch wenn sich das massive Entwicklungsgefälle aus der Zeit des Eisernen Vorhangs aufgehoben hat“.

An der Hauptstraße wird eine Ungarische Eiche gepflanzt

Die ungarische Stadt Polgardi zählt auf einem flächenmäßig weit größerem Gebiet als Grafrath (72 Quadratkilometer) knapp 7000 Einwohner. Sie liegt in der Region Mitteltransdanubien, zehn Kilometer nordöstlich des Plattensees. Der Grafrather Verein, der die Partnerschaft lebendig hält, wurde im Juli 1996 gegründet. Er hat derzeit rund 50 Mitglieder. Viele kennen die Vereinsspitze vom deren Stand am örtlichen Christkindlmarkt, an dem – wie sollte es anders sein – auch immer Gulaschsuppe verkauft wird.

Das Festprogramm, an dem auch interessierte Grafrather teilnehmen können, sieht einen gemeinsamen Wiesnbesuch am morgigen Freitag vor. Am Samstag findet eine Stadtführung durch Fürstenfeldbruck statt, am Abend um 18 Uhr wird eine Ungarische Eiche an der Hauptstraße bei der Kinderkrippe gepflanzt. Der große Festabend mit Blaskapelle, Darbietungen des Trachtenvereins, Chor und Akkordeonorchester startet um 19 Uhr im Bürgerstadel. Das Programm lässt auch Freiräume für Einzelaktivitäten mit den Gästen zu.

von Max-Joseph Kronenbitter

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