Gesprächsrunde im Bürgerhaus

Flüchtlinge erzählen ihre Geschichten

Gröbenzell – Fünf Flüchtlingen und ihren Geschichten konnten die Zuhörer bei einer Veranstaltung der Volkshochschule (VHS) Gröbenzell lauschen. Zur Gesprächsrunde waren nicht nur Menschen eingeladen, die erst vor kurzem aus ihrer Heimat geflohen sind. Auch der ehemalige DDR-Bürger Dietmar Eisele war mit dabei.

Ende der 1980er-Jahre kam der Iraner Javad Shahabi nach Deutschland. „Die Gesetze wurden dort mit Füßen getreten“, erklärte er im Gespräch mit Moderatorin Gabriele Bielefeld. Shahabi bittet vor allem um Verständnis für jene, die ihre Heimat verlassen müssen. „Die, die hierher kommen, sind oft traumatisiert“, sagt er.

Während er sich bei Besuchen in seiner Heimat „richtig verloren“ vorkomme, fühle er sich hierzulande mittlerweile wie zuhause. Ursprünglich wollte Shahabi nach Kanada, doch in Frankfurt angekommen war sein gesamtes Geld aufgebraucht. Also blieb er und beantragte Asyl. 2011 kam er nach Gröbenzell.

Nach Deutschland kamen 2015 fast 800 000 Asylbewerber. Vor einer wesentlich größeren Herausforderung stand Deutschland aber auch schon nach dem zweiten Weltkrieg. Damals waren Millionen auf der Flucht. Rund 12 Millionen kamen in das vom Krieg zerstörte Deutschland. Später folgten noch einmal Tausende, die vor den Regimes der DDR oder dem ehemaligen Jugoslawien flohen.

„Eindeutig zuhause“ fühlt sich in Gröbenzell auch Dietmar Eisele. Er war in der DDR, genauer gesagt im Berliner Bezirk Pankow, aufgewachsen. Doch er sehnte sich nach Freiheit und wollte sich beruflich weiterentwickeln. Als er Ende der 1980er-Jahre zu Besuch in der BRD war, entschied er sich zu bleiben. „Kurz nach dem Mauerfall ist meine Familie dann nachgekommen“, so Eisele. Er schließt eine Rückkehr nach Berlin aus. „Auch die Heimat hat sich verändert.“

Auch Vukasin Latinovic, der im Jugoslawienkrieg 1993 das heutige Serbien verlassen hatte, will nicht zurück. Sein Heimatland sei nach dem Krieg nicht mehr das Land, in dem er aufgewachsen sei, so Latinovic. Nicht nur die Infrastruktur, auch die Menschen hätten im Krieg großen Schaden genommen. Weder in Deutschland noch in seiner alten Heimat fühle er sich richtig heimisch, erklärt er. Und doch sieht er sein Zuhause eher in Deutschland. „Hier ist meine Familie.“ Besonders vermisst er bis heute das Essen seiner Oma und seiner Mutter.

„In Deutschland fühle ich mich heimisch“, sagt auch der 2014 aus Afghanistan geflüchtete Amin Ajmal. Er will nicht zurück nach Hause. In Afghanistan habe er große Probleme gehabt. „Sonst wäre ich nicht hier“, betont Ajmal. Allerdings vermisst er sehr viel: Seine Eltern und Geschwister, seine Freunde und frühere Kollegen. In Afghanistan hatte er studiert und als Journalist gearbeitet.

Zwar spricht er nach nur zwei Jahren bereits sehr gut Deutsch, doch in einem Beruf, in dem die Sprache eine so große Rolle spielt, glaubt er nicht wieder arbeiten zu können. Er will nun einen neuen Beruf erlernen, vielleicht im kaufmännischen Bereich.

Mit auf dem Podium saß auch Gemeinderat Reinhard Paesler (CSU). Als Vierjähriger hatte er 1946 mit seinem kleinen Bruder und seiner Mutter Schlesien verlassen. Mit dem Zug fuhren sie wochenlang gen Westen und kamen schließlich in ein westfälisches Städtchen.

„Freudig empfangen wurden wir aber nicht“, so Paesler. Nach zwei Wochen in einer Turnhalle wurden sie in einem Zimmer in einem Geschäftshaus untergebracht. „Das durften wir aber nur unter Polizeischutz betreten“, sagte er. „Und Anfeindungen wie ’Schmarotzer’ oder ’Polacke’ waren alltäglich.“ So etwas hatte keiner der anderen Flüchtlinge erlebt.  (sus)

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