Bis zu neun Kubikmeter in der Sekunde kann der Gröbenbach aufnehmen. Bei einem hundertjährigen Hochwasser musste es aber die doppelte Menge sein– sonst tritt er über die Ufer

Gröbenbach

„Gröbenzell ist ganz besonders hochwassergefährdet“

Gröbenzell -Auch in Gröbenzell hieß es in der Vergangenheit „Land unter“. Straßen, Keller und Häuser standen unter Wasser. So ist es kein Wunder, dass eine Informationsveranstaltung der SPD zum Thema Hochwasser und Bauen zahlreiche Gröbenzeller ins Bürgerhaus lockte.

Als Experte stand Vize-Bürgermeister Martin Runge (Grüne) auf der Bühne und gab Auskünfte. „Gröbenzell ist ganz besonders hochwassergefährdet“, sagte er. Das Grundwasser steht hoch, der Untergrund ist wenig wasserdurchlässig. Zudem wurde Bäche, die zur Entwässerung angelegt worden sind, begradigt und eingeengt. Zahlreiche Entwässerungsgräben wurden teils verrohrt oder sogar zugeschüttet.

Und auch immer Fläche wurde versiegelt. Der Gröbenbach kann im Gemeindegebiet bis zu neun Kubikmeter Wasser pro Sekunde aufnehmen, erläuterte Runge. Rund die doppelte Menge müsste er aber im Falle eines hundertjährigen Hochwassers verkraften können. „Das heißt es gibt Handlungsbedarf in der Gemeinde“, betonte der Vize-Bürgermeister. Dieser wird bereits seit Jahrzehnten von Behörden angemahnt, doch passiert ist nichts, kritisierte Runge.Selbst als Mitte der 1980-er Jahre die Regierung von Oberbayern und das Wasserwirtschaftsamt damit drohten, sollte nichts geschehen würden keine neuen Bauvorhaben genehmigt, kam es zu keinen Maßnahmen.

Doch auch die Drohungen wurden nicht umgesetzt. Was kann aber getan werden? Dämme zu bauen, in früheren Jahren ein gerne eingesetztes Mittel gegen Hochwasser, ist heute nicht mehr zulässig, erläuterte Dritter Bürgermeister Axel von Walter (SPD). Die Hinterlieger, also die dem Gewässerfluss folgenden Kommunen, dürfen nicht beeinträchtigt werden. Nachdem nun zudem Anfang diesen Jahres große Areale Gröbenzells als Überschwemmungsgebiete vorläufig gesichert wurden – betroffen davon ist vor allem der Gröbenzeller Norden – besteht für die diese Grundstücke quasi ein Bauverbot. Bauen ist nur im Einzelfall möglich, etwa wenn der Verlust von Rückhalteraum ausgeglichen wird.

Auf Antrag Runges wurde daraufhin die Verwaltung vom Gemeinderat unter anderem dazu aufgefordert, Grundstücke für Retentionsräume zu suchen, auch gemeinsam mit Nachbarkommunen. Was aber kann der Bürger tun, wenn das Wasser bereits vor seiner Tür steht? Wo gibt es Sandsäcke?, wollte ein Gröbenzeller wissen. Die Gemeinde besitze keine, musste Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) ihm mitteilen, das THW aber halte derartig Säcke vorrätig. Die drohende Hochwassergefahr in Gröbenzell hatte für so manchen Gröbenzeller auch bereits andere negative Konsequenzen. Seine Versicherung habe bereits reagiert, berichtete ein Anwesender. Sie habe ihm seine Police gegen Elementarschäden gekündigt, und ein neu abgeschlossener Vertrag koste ihn wesentlich mehr. Die drei anwesenden Bürgermeister mussten sich auch Kritik anhören. So würden die Bäche und Gräben in der Gemeinde nicht gepflegt. „So ungepflegt wie derzeit war der Gröbenbach in den vergangenen 30 Jahren noch nie“, empörte sich ein Gröbenzeller. (sus)

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