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Harald Hengesbach bekommt die Bundesverdienstmedaille.

Im Porträt

Ein Kämpfer an der Senioren-Front bekommt die Bundesverdienstmedaille

Gröbenzell – Beruflich drehte sich alles um Kampfflugzeuge, doch seit seiner Pensionierung kämpft Harald Hengesbach an einer ganz anderen Front. Er engagiert sich für die Belange von Senioren.

„Warum eigentlich nicht?“, dachte sich Harald Hengesbach (77), als er eines Tages in der Gymnastikstunde von einer Teilnehmerin gefragt wurde, ob er nicht in den Gröbenzeller Seniorenbeirat kommen wolle. Der bestand seinerzeit ausschließlich aus Frauen. „Ich war der Hahn im Korb“, erinnert sich Hengesbach und schmunzelt. Er war damals gerade pensioniert worden, 57 Jahre jung und interessiert an neuen Aufgaben. Denn nur Freizeit, das war schnell klar, lag ihm nicht – zumal seine Frau noch berufstätig war.

Seitdem hat sich viel getan. Hengesbach hat am seniorenpolitischen Gesamtkonzept des Landkreises mitgearbeitet und sitzt in der Expertengruppe Inklusion. Er hat die Gröbenzeller Notfallmappe mitgestaltet, hat gemeinsam mit seinen Mitstreitern abgesenkte Bordsteine vor einem örtlichen Supermarkt und automatische Türen zum Bürgerhaus durchgesetzt.

Barrierefreiheit ist ihm ein großes Anliegen

„Das sind so Sachen, die sonst vergessen werden“, so Hengesbach. Manchmal sind es vermeintliche Kleinigkeiten, die den Unterschied machen – gepolsterte Sitze in der Aussegnungshalle etwa. Großes Ziel ist deren Erweiterung auf mehr als die derzeit 50 Plätze.

Das Gegenargument, es gebe nur wenige große Beerdigungen im Jahr, lässt Hengesbach nicht gelten. „Selbst wenn es nur zwei wären, sind das zu viele.“ Dass die Trauergäste, die drinnen keinen Platz finden, im Freien stehen müssen und von den Ansprachen nichts mitbekommen, „das ist einfach unwürdig.“

In Sachen Barrierefreiheit hat Hengesbach einiges bewegt und den Finger in viele Wunden gelegt. Er hat den Arbeitskreis „Leben ohne Barrieren in Gröbenzell“ ins Leben gerufen und einen Wegweiser für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen herausgebracht. Das Heft listet übersichtlich auf, in welche öffentlichen Gebäude man mit Rollstuhl oder Kinderwagen problemlos hineinkommt, wo es Behindertenparkplätze und - toiletten gibt – und wo nicht. Gerade Arztpraxen seien oft nur schwer zugänglich, erzählt Hengesbach kopfschüttelnd.

Das dringlichste Thema ist aus seiner Sicht die Schaffung von barrierefreiem und bezahlbarem Wohnraum für Senioren in Gröbenzell. Dass in der Bahnhofstraße vielleicht ein entsprechendes soziales Projekt verwirklicht werde, sei schön und gut, „aber es reicht nicht“, sagt er. Ebenso wenig wie es reiche, sich zur UN-Behindertenrechtskonvention zu bekennen, ohne entsprechende Taten folgen zu lassen. „Da muss Geld rein.“

Nie hätte Hengesbach mit der Auszeichnung gerechnet

Doch nicht alles dreht sich um Politik bei dem agilen 77-Jährigen mit dem frischen Gesicht und dem weißen Bart. Seit 2004 organisiert er Seniorenwanderungen, einige begleitet er selbst. „Wir wandern zweimal im Monat, einmal ganztags und einmal halbtags, und zwar bei jedem Wetter. Ausreden gibt es nicht.“ Die Ausflüge sind nicht nur bei den Gröbenzellern, sondern auch bei Senioren aus Bruck, Germering und Olching beliebt. Viele der Teilnehmer sind über 80, aber mit Begeisterung dabei.

Mit einer Auszeichnung für all sein Engagement hätte der gebürtige Sauerländer nie gerechnet. „Als der Brief vom Landratsamt kam, bin ich erstmal vom Stuhl gefallen.“

Hengesbach will mit seinem Einsatz „etwas zurückgeben“, nachdem er selbst ein höchst erfolgreiches und profitables Berufsleben hatte. Unter anderem war der Diplom-Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik 13 Jahre lang bei der NATO in München für die Technik der Tornado- und Eurofighter-Kampfjets zuständig.

Und ein bisschen Technik gibt es in seinem Leben immer noch – das, was ihm neben der Seniorenarbeit an Freizeit bleibt, gehört seiner elektrischen Eisenbahn.

von Ulrike Osman

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