Anlässlich des 100. Geburtstag der Russenbrücke hat die Gemeinde am Samstag ein Fest organisiert. 

Brückenfest in Gröbenzell 

Jubiläumsfeier für anfälliges Bauwerk

Gröbenzell - Mit ihrem einzigartigen Jugendstildekor an den Brüstungen ist die Russenbrücke eine eine echte Sehenswürdigkeit, aber auch sehr anfällig für Schäden: Anlässlich ihres 100. Geburtstages gibt es für sie jetzt ein eigenes Fest.

Die Brücke ist eines der wenigen denkmalgeschützten Bauwerke im Ort und trägt fälschlicherweise den Namen Russenbrücke. Zwar haben russische Kriegsgefangene in der Gemeinde mindestens eine Brücke über den Gröbenbach gebaut. Die besagte Russenbrücke müsste aber eigentlich Franzosenbrücke genannt werden, denn sie wurde 1916 von französischen Kriegsgefangenen errichtet. Ungeachtet dieses Namens-Dilemmas wird der Geburtstag des Bauwerkes diesen Samstag, 4. Juni, groß gefeiert. Die Gemeinde lädt von 14 bis 18 Uhr zum Brückenfest. Auf einer Tafel gibt es Wissenswertes über das Geburtstagskind, zudem soll eine kleine Ausstellungen in einem Zelt über die erst kürzlich erfolgte Sanierung informieren. Die örtlichen Trachtler sorgen für Essen und Musik, der Wirt der Alten Schule für die Getränke.

Nachdem die Zillerhofstraße 1984 um rund 15 Meter nach Westen verlegt worden war, verlor die Russenbrücke als Übergang über den Bach an Bedeutung. Gleichzeitig wurde der Zustand der Brücke immer schlechter, die Risse im Bauwerk immer größer. Zwar hatte die Gemeinde 1981 die Brücke bereits sanieren lassen, die Arbeiten wurden jedoch nicht fachgerecht ausgeführt.

160.000 Euro kostete die Sanierung 

CSU-Gemeinderätin Brigitte Böttger hatte in den vergangenen Jahren wiederholt eine Sanierung des maroden Bauwerks gefordert – letztlich mit Erfolg. 2014 wurde es saniert. Dabei fungierten das Landesamt für Denkmalpflege und der Gröbenzeller Stukkateur Thomas Decker als fachliche Berater. Das Brückenfundament wurde freigelegt und durch Pfähle verstärkt, die Betonbrüstung mit australischem Natursand abgestrahlt. Die alten Rissfüllungen wurden entfernt, sämtliche Risse und die Schäden an den Brüstungen mit Spezialbeton ausgebessert. Rund 160 000 Euro hat die Gemeinde die Sanierung gekostet. An den Kosten beteiligten sich aber auch das Landesamt für Denkmalpflege, der Bezirk Oberbayern, das Landratsamt und die Bayerische Landesstiftung.

Zwar erstrahlt die Brücke mittlerweile in neuem Glanz, schaut man aber genau hin, kann man erneut Risse an den Brüstungen entdecken. „Risse an der Brücke sind nicht zu vermeiden“, meint dazu Bauamtsleiter Günter Pauly. Um die Schäden an einem solchen Bauwerk zu sanieren, gebe es zwei Möglichkeiten: zum einen Kunstharz zu verpressen, zum anderen die Risse mit Beton zu verfügen.

Immer wieder treten Risse auf 

Bei den Arbeiten vor zwei Jahren wurde Beton verwendet. Beton hat laut Pauly den Nachteil, dass er keine Elastizität aufweist. Da sich die Brücke, deren Standfestigkeit durch die eingebrachten Borpfähle verbessert wurde, aber trotzdem bewege, träten immer wieder Risse auf. Pauly verspricht, dies werde genau beobachtet und bei Bedarf immer wieder nachgearbeitet.

Kunstharz wurde übrigens bei der Sanierung 1981 verwendet und hat hässliche Spuren an den Brüstungen hinterlassen. Dort sind nämlich zahlreiche gelbliche Schlieren zu sehen. Reste des in die damaligen Risse verpressten Kunstharzes hatten sich in den porösen Beton hineingefressen und waren bei der neuerlichen Sanierung zutage getreten.

Zudem birgt die Verwendung von Kunstharz, wie Pauly erklärt, die Gefahr, dass bei Bewegungen der Brücke zwar die mit dem Harz verfüllten Stellen halten, aber größere Stellen darum herum abgesprengt werden.

von Susanne Schwind 

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