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Auf der Brücke, die sein Großvater gebaut hat: Jean-Claude Martin (r.) betrachtet die Stuck-Verzierung an der Russenbrücke. Gemeinsam mit seinem Freund Michel Benoit war der Südfranzose nach Gröbenzell gereist

In Gröbenzell

Auf der Russenbrücke schließt sich der Kreis

Gröbenzell - Besonderer Besuch aus Frankreich: In Gröbenzell war Jean-Claude Martin zu Gast. Dank seiner Fotos, genauer gesagt die seines Großvaters, konnte man beweisen, dass die Russenbrücke von französischen Kriegsgefangenen gebaut worden ist.

 Nun stand der Enkel auf der Brücke, die einst sein Großvater mit errichten musste. von Susanne schwind Gröbenzell – Nur einem großen Glücksfall ist es zu verdanken, dass mittlerweile Fotos beweisen, wer vor 100 Jahren die Russenbrücke gebaut hat. Es waren nicht wie lange angenommen russische Kriegsgefangenen, sondern französische. Darunter war auch Fernand Alauzen. Sein Enkel Jean-Claude Martin, der im südfranzösischen Bagnols-sur-Cèze lebt, hat diese Fotos gerettet und zur Verfügung gestellt.

Nun war er extra 1100 Kilometer angereist, um persönlich das Werk seines Großvaters zu sehen. Gemeinsam mit Vertretern der Gröbenhüter, Bürgermeister Martin Schäfer und Mitgliedern des Deutsch-Französischen Vereins begutachtete er die Brücke – nicht ganz ohne Stolz. „Es ist mehr als ein Wunder, dass wir hier und heute auf dieser wunderschönen Brücke stehen“, freute sich CSU-Fraktionsvorsitzende Brigitte Böttger im Namen des Deutsch-Französischen Vereins. Denn Martin hatte berichtet, seine Großmutter wollte die Bilder vom Bau der Brücke eigentlich verbrennen, sie wollte vom Krieg nichts mehr hören und nichts mehr sehen. Doch er habe die Bilder vor den Flammen gerettet. Gemeinsam mit seinem Freund Michel Benoit stellte er diese dann ins Internet.

 Er hoffte so weitere Informationen über die Kriegsgefangenschaft seines Großvaters zu erhalten. Ferdinand Alauzen selber hatte von dieser Zeit so gut wie nichts erzählt. Und das Internet half weiter. Der Gröbenzeller Walter Ensinger meldete sich. Er hatte im Internet Informationen über den Bau der so genannten Russenbrücke gesucht – und Martins Fotos entdeckt. Diese zeigen Franzosen, die während des 1. Weltkrieges im Eschenhof interniert waren. Einer der Franzosen war der Ferdinad Alauzen.

Der Inhaber eines Ladengeschäfts war im Alter von 24 Jahren, am 3. August 1914, am Tag der deutschen Kriegserklärung, zum Militärdienst eingezogen worden. Bereits wenige Tage später wurde er durch einen Schuss ins Knie verwundet und geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft. Der junge Südfranzose kam zunächst ins Lager Dillingen an der Donau und später, vermutlich ab September 1915, in das Außenlager Eschenhof nahe der Siedlung Gröbenzell. Hier waren zunächst 620 später 597 französische Kriegsgefangene untergebracht, die vorwiegend zu Entwässerungsarbeiten der umliegenden Moorlandschaft oder in umliegenden Bauernhöfen für landwirtschaftliche Arbeiten eingesetzt wurden. Einige waren aber auch im Brückenbau tätig, wie Alauzen.

Nach vier Jahren in Gefangenschaft konnte er im Dezember 1918 in seine Heimat in der Region Languedoc-Rouissillon zurückkehren, wo er 1964 im Alter von 74 Jahren verstarb. Bei seinem Enkel Jean-Claude Martin war nun die Freude groß, auf dem Werk seines Großvaters zu stehen, das vor kurzen erst renoviert wurde. Unangenehme Gedanken an Krieg und Gefangenschaft kamen bei ihm nicht auf. „Geschichte ist Geschichte“,sagte er und mahnte: „Wir müssen daraus lernen“. Bürgermeister Martin Schäfer blies ins gleiche Horn und betonte, auch angesichts der Krawalle von Fußballhooligans in Frankreich: „Wir müssen mehr zusammenrücken und ein Zeichen setzen." (sus)

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