Der Gröbenbach ist stark begradigt und kann nicht mäandern.

Erste Überschwemmungskarte

Hier werden Bäche besonders gefährlich

Landkreis - Erstmals überhaupt hat das Wasserwirtschaftsamt eine Karte vorgelegt, die ein Jahrhunderthochwasser am Starzel-, Ascher-, und Gröbenbach simuliert. Eine der Erkenntnisse: Gröbenzell hat ein Problem.

Der Ascherbach in Gröbenzell wirkt harmlos, kann aber gefährlich werden.

Kommt es zu einem Jahrhunderthochwasser, steht fast der halbe Ort im Osten des Landkreises unter Wasser. Freilich sind wie etwa beim Junihochwasser 2014 Puchheim, Eichenau und Teile Olchings auch stark betroffen – genau wie Alling, das aber eine eigene Karte besitzt. Genau um diese Gefahren aufzuzeigen, hat das Wasserwirtschaftsamt die neue Karte erstellt. Ziel außerdem: freie Flächen als Überschwemmungsgebiete freihalten und den schadlosen Abfluss von Hochwasser sicherstellen.

Die Karte zeigt auf den Meter genau, welche Grundstücke im Falle eines hundertjährlichen Hochwassers überflutet würden. Sogar Höhenprofile sind eingeflossen – denn es besteht natürlich ein Unterschied zwischen tiefer- oder höherliegenden Grundstücken. Dabei ist klar: Das Ganze ist eine Simulation, die allerdings mit Erkenntnissen aus den realen Hochwasser-Ereignissen der zurückliegenden Jahre abgeglichen wurde. Plausibilitätscheck nennen das die Experten.

Halbe Ortschaften überflutet

Ganz am Anfang wurde das Gebiet überflogen. Dabei wurden die Geländehöhen mit einer Genauigkeit von 20 Zentimetern abgebildet. Dann entstanden Profilaufnahmen an den Gewässern. So wurde festgestellt, wo wie viel Wasser durchfließen kann. Berücksichtigt wurden dabei Brücken, Wehren, Triebwerke et cetera. In dieses Modell jagten die Planer dann quasi eine virtuelle Monsterwelle hinein – nüchtern gesagt: Eine Welle mit der Wassermenge, die dem statistischen Wert eines hundertjährlichen Hochwasser entspricht. Als Grundlage hierfür dienten die Aufzeichnungen über Niederschlagsmengen, die seit Jahren festgehalten werden. Ergebnis ist das Bild mit den Überflutungen halber Ortschaften.

Der Starzelbach in Eichenau wird regelmäßig zum Problem.

Wem aber dient das Ganze nun? Erstmal sind die Gemeinden zuständig, erklärt ein Sprecher des Wasserwirtschaftsamts. Denn die drei Bäche sind Gewässer dritter Ordnung und obliegen daher keiner höheren Behörde. Und natürlich hat das Modell Belang für alle, die Häuser bauen wollen – alle Flächen, die jetzt blau eingezeichnet sind, dürfen ohne weiteres nicht mehr bebaut werden. Man muss alle Planungen beim Wasserwirtschaftsamt einreichen und entsprechend prüfen lassen. Dabei gibt es diverse Möglichkeiten beim Hochwasserschutz, erläutert der Experte vom Amt. Gemeinden rät er dringend zur interkommunalen Zusammenarbeit. Denn was der eine Ort plant, kann für den nächsten positive oder auch fatale Folgen haben.

So können sich Häuslebauer schützen

Problem oftmals: Rückhaltebecken sind meist bei den Oberliegern sinnvoll, die selbst möglicherweise kein Hochwasserproblem haben und daher wenig Lust verspüren, ihren Grund für den Schutz anderer zu opfern. Da stelle sich dann die Frage, wer sich wie an einem Projekt beteiligt. Das Wasserwirtschaftsamt stehe da gerne beratend zur Seite – positive Beispiele solcher Zusammenarbeit gebe es durchaus.

Tatsächlich laufen bereits Hochwasser-Planungen für das Gebiet zwischen Gilching im Kreis Starnberg und Olching. Auch der private Häuslebauer kann sich schützen, sollte er in ein jetzt blau eingezeichnetes Gebiet bauen wollen. Man kann Kellerschächte höher ziehen, Dammbalken und Wannen bauen oder ähnliches.

Mit der Bekanntmachung im Amtsblatt gilt die Karte für die drei Bäche, die beispielsweise beim Juni-Hochwasser 2014 problematisch waren, als vorläufig gesichert. In Alling sind die Erkenntnisse schon länger bekannt. Neu dazugekommen ist jetzt nur ein Gebiet zwischen der B 2 und dem Ort, wie Bürgermeister Frederik Röder sagt.

Die verantwortlichen Planer verweisen ausdrücklich darauf, dass es sich um die Dokumentation eines natürlichen Zustands handelt und nicht um eine veränderbare Planung. Kurz: Widerspruch ist nicht sinnvoll, es sei denn, er ist direkt an den Wettergott adressiert.

Nomenklatur der Überschwemmungen

Anders als im umgangssprachlichen Gebrauch, sprechen die Experten nicht von einem „hunderjährigen“ Hochwasser, sondern korrekterweise von einem „hundertjährlichen.“ Dabei handelt es sich um ein Hochwasserereignis, das im statistischen Durchschnitt einmal in hundert Jahren auftritt. Da der Wert nur statistischer Natur ist, kann ein Hochwasser solcher Art innerhalb von 100 Jahren auch mehrfach auftreten – oder gar nicht.

Für den Bereich der drei Bäche gab es – mit Ausnahmen – bislang kein amtliches Überschwemmungsmodell. Ursprünglich wurde für jeden Bach ein eigenes Modell errechnet. Dann aber reifte die Entscheidung, die Modelle zu koppeln. Dies beruhte im Wesentlichen auf der Erkenntnis, dass es zu Ausuferungen des Starzelbachs in Richtung Nordosten zum Gröbenbach hin kommen kann. Für die Amper liegt eine eigene Hochwasserberechnung bereits vor. Wo beide Modelle sich überschneiden, wurden die jeweils höheren Wasserspiegel verwendet.

Kleinflächige Bereiche wie Gartenterrassen, die inselartig oberhalb der Überflutung liegen, wurden wegen der Lesbarkeit der Karte nicht berücksichtigt. Die Detailkarten haben einen Maßstab von 1:2500. Zu finden sind sie im Internet auf der Seite des Landratsamts (Wasserecht) unter http://www.lra-ffb.de/lra/bekanntmachungen-wasserrecht.shtml oder auf den

Seiten des Wasserwirtschaftsamts München unter „Hochwasser“, weiter zu „Überschwemmungsgebiete“ und dann zu den Kartendiensten.

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