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Das Brucker Klärwerk von oben: Bei starken Regengüssen kommen manchmal 800 Liter Abwasser pro Sekunde in der Anlage an.

Rundgang in Kläranlage: So wird braue Brühe zu klarem Wasser

Fürstenfeldbruck - Was passiert eigentlich mit dem Abwasser im Landkreis Fürstenfeldbruck? Das Tagblatt hat sich den Vorgang der Wasserreinigung im Klärwerk der Stadt erklären lassen.

Schritt eins: Hier werden alle Feststoffe, die größer als sechs Millimeter sind, herausgefischt.

Aus den Augen, aus dem Sinn: Meistens entledigen wir uns unseres Abwassers einfach durch das Betätigen der Klospülung. Oder wir tragen aktiv gar nichts dazu bei, weil das benutzte Bade- oder Spülwasser ohnehin durch die Abflüsse in der Kanalisation verschwindet. Was aber passiert, damit wir nicht irgendwann in schmutzigem Abwasser ertrinken, darüber machen sich die wenigsten Gedanken. Hier kommt die Kläranlage ins Spiel. Das Brucker Werk steht in Emmering. Momentan wird die Anlage für hunderttausende von Euro ertüchtigt. So kann dort auch weiterhin das Kanalnetz zusammenlaufen, an das neben dem Brucker Stadtgebiet samt der Ortsteile Puch und Aich auch noch Emmering und Schöngeising angeschlossen sind.

Im Klärwerk kommt hauptsächlich Abwasser aus Mischkanalsystemen an. Das heißt: Neben Abwasser fließt durch die Kanäle auch Regenwasser ab. Entsprechend unterschiedlich groß sind die Abwassermengen, die im Klärwerk ankommen. „An Trockenwettertagen sind es zwischen 30 und 140 Liter pro Sekunde“, so Peter Hentschke, Betriebsleiter der Anlage. „Bei einem Unwetter kann das auch auf bis zu 800 Liter pro Sekunde steigen.“ Die Kläranlage kann pro Sekunde bis zu 1100 Liter aufnehmen.

Das Abwasser durchläuft bei trockenem Wetter ein rund 22-stündiges Reinigungsverfahren. Ehe die braune Brühe wieder als sauberes Wasser in die Amper eingeleitet werden kann, muss sie drei Prozessstufen durchlaufen: eine mechanische, eine biologische und eine chemische Reinigung.

Auch Spielzeug filtert die technische Reinigung heraus.

Los geht’s mit der ersten mechanischen Reinigungsstufe. Die dort eingesetzten Geräte filtern Feststoffe aus dem Wasser, die größer als sechs Millimeter sind. „Von Scheren über Kugelschreiber bis hin zu Ziegelsteinen und Spielzeug holen wir da die unterschiedlichsten Sachen raus“, erzählt Hentschke.

Der Sandfang entfernt nicht nur Sand, sondern auch auf der Oberfläche schwimmendes Fett aus dem Abwasser.

Im zweiten mechanischen Schritt wird im Sandfang Fett und Sand entfernt. Ebenfalls ein rein mechanisch-physikalischer Vorgang: Das Fett schwimmt oben und kann abgeschieden werden. Der Sand ist schwerer als das Abwasser und setzt sich am Beckenboden ab. Alle weiteren Stoffe, die schwerer als das Abwasser sind, setzen sich danach in den Vorklärbecken am Boden ab: Dabei handelt es sich um Primärschlamm, auch Frischschlamm genannt. Die mechanische Reinigung ist damit abgeschlossen.

In der biologischen Reinigung macht man sich das Verhalten bestimmter Bakterien zunutze. „Die brauchen – wie der Mensch auch – Sauerstoff zum Überleben“, sagt Hentschke. Zunächst bekommen die Bakterien aber nur Abwasser vorgesetzt, in dem sie Sauerstoff lediglich gebunden in Molekülen wie zum Beispiel Nitrat vorfinden. „Das fressen die Bakterien“, sagt Hentschke. Die Folge: Der Nitratwert im Wasser sinkt. Im zweiten biologischen Schritt folgt dann das genaue Gegenteil: Sauerstoff wird zugeführt. Dadurch wird Ammoniumstickstoff durch Oxidation – also dem gleichen chemischen Vorgang wie beim Rosten – wieder in Nitrat umgewandelt. Die Werte der Ammoniumverbindungen sinken, das Abwasser läuft zum Teil erneut durch die sauerstoffarmen Becken, wo das neu entstandene Nitrat wiederum biologisch abgebaut wird.

Im weiteren Verlauf geht das Abwasser in die Nachklärung – zwei gewaltige Becken mit einem Volumen von je 5510 Kubikmeter. Dort setzt sich der sogenannte Rücklaufschlamm ab. Dieser wird zurückgeführt in die Biologie und teilweise mit einer Eindickzentrifuge zu Sekundärschlamm (Dickschlamm) für den Faulturm vorbereitet.

Während der biologischen Reinigung kommt auch die Chemie zum Einsatz: Durch die Zugabe bestimmter Mittel wird der Phosphatwert im Wasser und der Schwefelwert im Klärgas gesenkt. In der Qualitätskontrolle wird nun die Einhaltung aller Grenzwerte geprüft, anschließend kann das saubere Wasser in die Amper eingeleitet werden. „Bei Führung mit Schulklassen werde ich oft gefragt, ob man dieses Wasser trinken kann“, erzählt Hentschke. Und tatsächlich: „Stark verdünnt trinkt es jeder von uns.“ Denn über den Wasserkreislauf gelangt es mit allem anderen verdunsteten Wasser über den Regen wieder ins Grund- und Trinkwasser.

Hier wird dem Schmutzwasser Sauerstoff zugeführt. Dieser Vorgang ist Teil der biologischen Reinigung.

Die beim Reinigungsprozess anfallenden Stoffe müssen freilich entsorgt werden. Die Feststoffe aus der ersten mechanischen Reinigungsstufe werden in der Müllverbrennungsanlage entsorgt. Der Sand aus dem Sandfang kommt in eine Sandverwertungsanlage. Das Fett kommt zusammen mit dem Primär- und Sekundärschlamm in zwei große Faultürme. Deren Inhalt tut genau das: faulen. Der ausgefaulte Schlamm aus den Faultürmen wird anschließend mit einer Zentrifuge entwässert und einer thermischen Monoverwertung zugeführt.

In den Faultürmen verwesen Fett und Schlamm. Danach wird die ausgefaulte Masse entwässert und als Klärschlamm verbrannt.

Das bedeutet, dass der Klärschlamm in einer speziell dafür geeigneten Verbrennungsanlage verbrannt wird. Das beim Verfaulen anfallende Klärgas wird aufgefangen und zum Antrieb zweier Blockheizkraftwerke verwendet. So entsteht im Klärwerk nicht nur sauberes Wasser, sondern auch ökologischer Strom und Wärme.

Andreas Daschner

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