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Erich Raff im Gespräch mit Tagblatt-Redakteurin Verena Usleber.

Interview mit Brucks Vize-Bürgermeister Raff

„Ich mache weiter, solange ich gebraucht werde“

 Fürstenfeldbruck – Vizebürgermeister Erich Raff vertritt den erkrankten OB Pleil seit mittlerweile sieben Monaten. Ein Gespräch.

Erich Raff (62) ist Ex-Polizist, Pensionist, CSU-Stadtrat, Familienvater und vierfacher Opa. Seit einem halben Jahr ist Raff aber auch amtierender Bürgermeister einer 35000-Einwohnerstadt. Er vertritt den erkrankten OB Klaus Pleil (BBV). Ein Dauerzustand, mit dem er nie gerechnet hätte. Im Interview spricht Erich Raff über die große Verantwortung, das Abschalten nach getaner Arbeit und er erklärt, warum seine Polizisten-Laufbahn ihm nun zugute kommt.

Herr Raff, wie geht’s Ihnen heute?

Raff:  Mir geht es gut, danke. Ich fühle mich wohl. Und auch gesundheitlich – toi toi toi – passt alles.

Eigentlich sind sie ja schon in Pension...

Raff: Ja, seit fast drei Jahren. Ganz genau seit 1. August 2013. Darauf hatte ich mich auch gefreut und die Zeit sehr genossen. Auch die Familie war glücklich. Dann kamen ja die Kommunalwahlen, bei denen für mich feststand, dass ich nochmal kandidiere, um mich für den Sport einzusetzen (Raff war Handball-Manager beim TuS, Anm. d. Red.). Ich wurde gewählt und später gefragt, ob ich zweiter Bürgermeister werden würde, weil ich als Rentner auch Zeit habe. Das hat mich geehrt und gefreut.

Hätten Sie damit gerechnet, dass Sie so lange als Vertretung im Einsatz sind?

Raff: Nein, niemals. Es ist ja auch zuvor 16 Monate so gelaufen, wie gedacht. Ich war normal eingebunden in die Verwaltung. Und habe den OB während dessen Urlaub vertreten. Es war alles wunderbar im Einklang. Ich hätte nie mit mehr als drei Wochen kalkuliert, in denen ich Vetretung bin. Dass unser OB – und das wünscht man niemandem – einen so schlimmen Herzinfarkt erleidet, das kam völlig überraschend.

Wie schwierig war es, sich einzuarbeiten?

Raff: Mein großer Vorteil ist, dass ich aus der Verwaltung komme. In den vergangenen Jahren war ich bei der Kripo stellvertretender Kommissariats-Leiter. Dort habe ich beispielsweise auch gelernt, Aufgaben zu verteilen. Die Themen sind in der Stadt sicherlich andere, aber es gibt viele Abläufe, die ähnlich sind.

Allerdings stehen Sie jetzt mehr in der Öffentlichkeit. Wie ist es, plötzlich so viel Verantwortung zu haben und von allen Seiten beobachtet zu werden?

Raff: Man steht tatsächlich mehr im Fokus. Aber das ist nichts, was mich belastet.

Jetzt sind Sie seit einem halben Jahr im Amt. Wie haben sich die vergangenen Monate für Sie angefühlt?

Raff: Es ist immer noch eine sehr interessante Tätigkeit. Jeden Tag rollen neue Aufgaben auf die etwa 250 Mitarbeiter und mich zu. Dann kommt auch die politische Seite dazu. Beispielsweise das Thema Asyl oder die Verlegung der B2. Es ist ein sehr weites Spektrum.

Was denken Sie, wie lange Sie noch im Amt bleiben?

Raff: Ein Datum kann man nicht nennen. OB Pleil ist vom Amtsarzt auf alle Fälle bis mindestens 31. Mai krankgeschrieben. Aber wir vermelden lieber, wenn er wirklich wieder im Amt ist. Für mich plane ich erstmal mit den großen Ferien. Das sind noch vier Monate. Aber ich muss mich auch auf später einstellen. Trotzdem weiß ich jetzt auch: Diese und jene Themen können wir in der Zeit noch konkret angehen. Es ist besser als Anfang des Jahres, als immer wieder andere Daten im Raum standen. Ich führe einfach das fort, was OB Pleil in seiner Amtszeit angestoßen hat.

Sie haben einerseits immer betont, dass Sie Pleils Politik – und damit in gewisser Weise die der BBV – weitertragen. Andererseits sind sie ja auch CSU-Stadtrat. Sitzen Sie zwischen den Stühlen?

Raff: Nein. Thematisch oder politisch wurden ja die zwei Punkte entschieden, bei denen es Differenzen gegeben hatte. Das war einerseits der CSU-Antrag, ob die B2 noch einmal in den Bedarfsplan soll. Den hat der Stadtrat mehrheitlich abgelehnt. Zum anderen war es das Thema Verlagerung der Stadtwerke. Hier hat der Stadtrat entschieden, dass weiter an der Cerveteristraße geplant werden soll. Damit waren die Streitthemen abgehandelt. Bei allem anderen, was etwa die Schulen oder das Sportzentrum betrifft, waren wir uns ja weitgehend einig. Deshalb kann ich durchaus sagen: Diese Politik ist unsere Politik. Und die werde ich zum Wohle der Stadt fortführen.

Den Haushalt hatten Sie aber erst abgelehnt?

Raff: Richtig. Weil ich im Haupt- und Finanzauschuss nicht Mitglied bin, konnte ich auch in der Endphase nicht mitstimmen. Es wurden aber Dinge entschieden, die ich so nicht tragen kann. Da geht es konkret um die Eishalle und um den Viehmarktplatz. Ich kann für die Gestaltung des Areals keine sechs Millionen Euro einplanen. Da brauchen wir einen Investor. Jetzt hat das Landratsamt den Haushalt für nicht tragbar erklärt. Da muss man schon sehen: Auch die Gestaltung des Viehmarktplatzes ist eine freiwillige Aufgabe. Wir müssen mit den Finanzen sorgsamer umgehen.

Anderes Thema: Der Streit um den Zirkus. Hier kamen von Seiten des Stadtrats (konkret Axel Lämmle von der SPD) und aus der Bürgerschaft Anfeindungen, weil Sie dem Zirkus Bleiberecht eingeräumt haben. Haben Sie das persönlich genommen?

Raff: Die Beschwerden aus der Bürgerschaft nicht. Wenn jemand die Meinung hat, ich hätte falsch entschieden, ist das in Ordnung. Die Anfeindungen von Herrn Lämmle allerdings nehme ich persönlich. Wenn ein Stadtrat wissentlich etwas Falsches verbreitet und bei Facebook versucht, mich als schlechten Demokraten darzustellen, dann nehme ich das persönlich. Die Art, wie er mit Personen umgeht, die anderer Meinung sind, ist nicht in Ordnung. Sein Vorgehen hat die Grenzen weit überschritten.

Hat Ihnen das schlaflose Nächte verschafft?

Raff: Nein. Allerdings würde ich lügen, wenn ich sagen würde, dass es mich nach der Entscheidung nicht zwei Tage beschäftigt hätte.

Sie hatten immer betont, dass sie so lange die Vertretung übernehmen, bis Herr Pleil wieder im Amt ist. Gilt das auch nach solchen Vorfällen noch?

Raff: Natürlich ist das Bürgermeisteramt auch in gewisser Weise belastend. Aber ich habe damals gesagt: Ich bin Stellvertreter. Und jetzt stelle ich mich auch diesem Amt, bis Herr Pleil wieder kommt. Ich bin zum Wohle der Stadt da und daran wird sich auch nichts ändern. Für mich kann es keine Deadline geben. Wenn ich hier zurücktreten würde, müsste ich nach meinem Empfinden mein gesamtes Mandat niederlegen. Dann würde ich mich meiner Verantwortung entziehen und das mache ich nicht.

Wie gehen Sie mit dem Stress im Job um?

Raff: Ich bleibe am Abend gerne mal eine Stunde länger, um alles fertig zu kriegen. Bis um 18 oder 19 Uhr, wenn keine Sitzungen sind. Dann kann ich hier rausgehen, die Türe hinter mir schließen und das Thema ist für diesen Tag für mich abgeschlossen. Ich schleppe es dadurch nicht mit mir rum. Auch schon damals als ich noch bei der Kripo war, habe ich die Arbeit nie in die Familie reingetragen.

Würden Sie sich bei einer Neuwahl als OB-Kandidat aufstellen lassen?

Raff: Da spielen sehr sehr viele Faktoren eine Rolle. Wie ist es mit den anderen Gruppierungen? Außerdem hatte sich Herr Lohde ja schon zur letzten Wahl aufstellen lassen... Das Amt ist sehr interessant, aber nicht so, dass ich das mit aller Gewalt verfolgen würde.

Aber Sie würden es auch nicht ausschließen?

Raff: (lacht) Ich schließe gar nichts mehr aus, seit ich dieses Amt übernommen habe. Vorstellen kann man sich alles. Erstmal wünsche ich mir aber, dass Herr Pleil gesund wird.

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