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Marlene Nebels Kerzen schmücken sieben Kirchen der Geltendorfer Pfarreiengemeinschaft: nicht nur an Ostern, sondern das ganze Jahr über. Stunden um Stunden hat sie an den Verzierungen gearbeitet.

In sieben Kirchen

Ihre Kerzen leuchten an Ostern

Geltendorf - In den Wochen vor Ostern verwandelt sich Marlene Nebels gemütliche Wohnküche in eine Künstlerwerkstatt. Dann verbringt die 62-Jährige Stunden um Stunden damit, kunstvolle Verzierungen für Osterkerzen anzufertigen.

Es ist heuer das sechste Mal, dass Marlene Nebel die Osterkerzen für die Kirchen in Geltendorf, Hausen, Kaltenberg und die drei weiteren Orte der Pfarreiengemeinschaft gestaltet. Anders als in den Vorjahren hat der Pfarrer ihr diesmal das Motiv vorgegeben: ein halbrundes Mosaik aus winzigen farbigen Vierecken, dazu der Schriftzug „Du bist reich an Erbarmen“, passend zum aktuellen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit.

Ein kleines Messer ist das einzige Werkzeug, das Marlene Nebel für ihre Kunstwerke verwendet. Damit hat sie die unzähligen Vierecke aus bunten Wachsplatten ausgeschnitten und sie auf größere Wachsplatten aufgeklebt, denen sie zuvor mit Pastell-Ölkreiden die korrekten Farbschattierungen in Orange und Gelb verpasst hat. Wenn alles fertig ist, wird das Motiv mit Wachsnägeln an der Kerze befestigt. Für die Resultate wird die zweifache Mutter und Großmutter auch dieses Jahr wieder gelobt werden, das steht jetzt schon fest. Auch, wenn es ihr eigentlich unangenehm ist.

Das Kerzenmotiv entspricht exakt der Vorlage. Das gilt sogar für die Schrift. „Ich habe sie zunächst abgepaust und dann vergrößert“, berichtet die Hobby-Künstlerin. Auch die Jahreszahl 2016 und die griechischen Buchstaben Alpha und Omega hat Marlene Nebel aus Wachs ausgeschnitten. Fehlversuche gehören dazu. „Diese hier sind viel zu klein“, sagt sie und hält ein paar rote Ziffern an die größte der weißen Kerzen. Die ist für die Pfarrkirche Zu den Heiligen Engeln bestimmt. Also nochmal von vorn.

Die Materialien liegen ausgebreitet auf dem Küchentisch neben dem grünen Kachelofen, im Radio läuft Bayern 1. Von der Decke hängt ein Mobile aus Ostereiern – auch die hat Marlene Nebel alle selbst bemalt. Doch sie bleibt bescheiden. „Ich kann mich einordnen, ich bin ein Mini-Künstler.“ Vielleicht wäre mehr daraus geworden, wenn man ihr seinerzeit ihre Berufswünsche nicht ausgeredet hätte. Dekorateurin oder Schneiderin wollte sie werden, stattdessen landete sie in einer kaufmännischen Ausbildung. So blieb die Kunst ein Hobby, das sie ihr ganzes Leben lang begleitete.

Auf das vertraute Ritual in der Osternacht freut sich Marlene Nebel schon: Wie der Pfarrer ihre liebevoll gestaltete Kerze an das Osterfeuer hält, sie feierlich in die Kirche trägt und dann die Lichter der Ministranten damit entzündet, wie die Flamme zu den Gläubigen weiterwandert und die Osterkerze schließlich auf dem Altar ihren Platz findet. Hier wird sie noch viele Male Stimmung und Andacht verbreiten – bei den normalen Messen, aber auch bei Taufen und Trauerfeiern.

Wenn Marlene Nebel dann in der Bank sitzt und für einen Verstorbenen den Rosenkranz betet, wird sie wieder denken: „Für diesen Menschen brennt jetzt deine Kerze.“ Ein Gedanke, der sie stets aufs Neue berührt, auch wenn sie dafür manchmal ausgelacht wird. „Dann heißt es, ach du mit deiner Sentimentalität.“

von Ulrike Osman

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