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Rettungskräfte, Flughafenbetreiber und Bewohner eines nahen Dörfchens eilen zur Absturzstelle. Helfen kann den Verunglückten niemand mehr. Alle sind geschockt.

Unglück unmittelbar nach dem Start

Flugzeugabsturz bei Jesenwang: Helfer sind fassungslos

Jesenwang - Ein Ultraleichtflugzeug geriet am Samstagabend um kurz vor 21 Uhr ins Trudeln, der Pilot hatte die Maschine nicht mehr im Griff - und stürzte mit seiner Begleiterin in den Tod. Bei den beteiligten Helfern herrscht am Tag danach Fassungslosigkeit.

Den Abend des 21. Mai 2016 werden viele Rettungskräfte so schnell nicht vergessen. Während im TV das Pokalfinale der Verlängerung entgegendümpelte, ging der Alarm: Flugzeugabsturz. Auf dem Spielfeld wurde dank Elfmeter noch alles gut. Auf einer Wiese bei Jesenwang konnten Polizei, Feuerwehr und BRK nur noch Tote bergen.

Ein Ultraleichtflugzeug war kurz vor 21 Uhr unmittelbar nach dem Start bei einer Platzrunde ins Trudeln geraten. Der 50-jährige Pilot aus dem Landkreis Augsburg hatte die Maschine nicht mehr in den Griff bekommen. Sie stürzte, sich drehend, aus geringer Höhe auf den Grund. Flugplatzbetreiber Max Walch junior sah vom Vorfeld aus die letzten Augenblicke in dem Drama und eilte zur Absturzstelle auf einer Wiese Richtung Mammendorf.

Bewohner aus dem nahen Pfaffenhofen müssen das Unglück auch beobachtet haben. Auch sie kamen zu der Stelle in der Nähe zweier landwirtschaftlicher Hallen, um zu helfen. Der Flugplatz liegt nur 800 Meter weiter, die erst neulich sanierte Kuppel des Gotteshauses von Bergkirchen beherrscht die Szenerie. Die Entfernung von der Kreisstraße FFB 2 zwischen Jesenwang und Mammendorf zur Unfallstelle beträgt rund 200 Meter.

Rettungsschirm des Flugzeugs wurde nicht ausgelöst

Auch die Feuerwehren aus Jesenwang, Pfaffenhofen und umliegenden Orten waren schnell vor Ort. Viel zu löschen hatten sie aber nicht. Jede Hilfe kam zu spät. Der Pilot (50) aus dem Landkreis Augsburg und seine weibliche Begleiterin waren tot.

Bei dem Unfall war der Rettungsschirm des Flugzeugs nicht ausgelöst worden. Warum, bleibt letztlich rätselhaft. Man müsse aber bedenken, wie schnell alles gegangen ist, sagte Flugplatzchef Max Walch junior gegenüber dem Tagblatt – vielleicht hatte der Pilot einfach keine Chance mehr. Walch hält es für ausgeschlossen, dass jemand, der noch die Chance dazu hat, den Schirm nicht auslöst. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei sprach der Pilot in seinem letzten Funkspruch von Motorproblemen. Das Luftfahrtbundesamt ist in die Ermittlungen eingebunden.

Sportflugzeug stürzt bei Jesenwang ab

Im August 2011 hatte es ein Pilot, dessen Maschine Feuer gefangen hatte, geschafft, mit Hilfe des Rettungsschirms zu landen. Die Maschine konnte am Schirm hängend sicher zu Boden gleiten. Das System ist so konstruiert, dass der Pilot den Aufschlag am Boden ohne Schaden übersteht. 

Das jetzt nicht aktivierte Rettungssystem der Maschine vom Typ Breezer mit der Kennung D-MMUC stellte die Rettungskräfte später vor eine schwierige Aufgabe und verzögerte die Bergung. Nach dem Absturz und dem Brand bestand die Möglichkeit, dass die Rakete, die den Schirm zünden kann, verspätet losgeht. Dann hätte sich der Schirm möglicherweise über die Maschine gebreitet. Die Rakete an der deformierten Maschine war schwer zugänglich, ein Experte musste sich darum kümmern. „Wir mussten sicherstellen, dass nichts passieren kann“, sagte Kreisbrandrat Hubert Stefan am Sonntag.

Schock bei allen Beteiligten sitzt tief

Die herbeigeeilten Feuerwehrleute hatten laut Stefan die Aufgabe, die Unfallstelle abzusichern, auszuleuchten und für den Brandschutz zu sorgen. Mehr habe man nicht mehr machen können.

Das ging auch den Helfern des Roten Kreuzes so. Der Notarzt hatte aufgrund der schwersten Verletzungen der Insassen sofort von deren Tod berichtet, so Rainer Bertram vom Roten Kreuz. Die beiden Insassen müssen mit dem Aufprall am Boden tot gewesen sein. So sei nur ein Rettungswagen vorsichtshalber für die Feuerwehrleute vor Ort geblieben. Auch die Gutachter von Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft sowie ein Luftfahrt-Experte mussten sich gedulden, bis sie zu dem Wrack konnten.

Trotz besten Wetters wollte am Sonntag am Flughafen Jesenwang kaum jemand starten – zu tief saß der Schock bei allen Beteiligten. Alarmiert worden war die Polizei unter anderem auch von Autofahrern. Sie sollen jetzt befragt werden.

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