Olympisches Gold

Vom Höhenflug eines Jesenwangers

Jesenwang – In Rio laufen die Olympischen Spiele. Und beim Zuschauen vor dem Fernseher erinnert sich bestimmt so mancher alteingesessener Jesenwanger daran, wie ein Sohn des Dorfs bei Olympia im Jahr 1936 in Berlin dabei war. Turner Innozenz Stangl holte damals Gold.

Ganze 2,628 Punkte betrug 1936 beim Mannschaftsmehrkampf der Vorsprung der deutschen Turnergarde vor der Schweiz. Das bedeutete Gold für Alfred Schwarzmann, Konrad Frey, Matthias Volz, Willi Stadel, Franz Beckert, Walter Steffens, Ernst Winter – und eben Innozenz Stangl, von allen nur „Inno“ genannt. Plötzlich war ein Kind des idyllischen Dörfchens Jesenwang in aller Munde. An die Olympischen Spiele hat Sohn Heinz Stangl keine Erinnerungen mehr: „Ich war damals ja erst zwei Jahre alt.“ Sehr wohl hat er aber die Turnerkarriere seines Vater noch viele Jahre lang mitbekommen. Bis ins hohe Sportleralter von 50 Jahren war Inno Stangl aktiv.

„Vor allem nach dem Krieg war er sehr viel in Deutschland bei Schauwettkämpfen unterwegs“, erinnert sich Heinz Stangl. Die häufige Abwesenheit sei für die Familie nicht immer einfach gewesen. „Auf der anderen Seite waren wir aber froh, dass er so lange aktiv bleiben konnte.“

Am 11. März 1911 hatte Inno Stangl als elftes Kind einer Bauernfamilie das Licht der Welt erblickt. Sein turnerisches Talent erkannte man beim damals recht frisch gegründeten TSV Jesenwang schnell. Vor allem am Reck wusste der damals zwölfjährige Inno zu überzeugen: Er beherrschte die schwierige Riesenfelge bereits nach wenigen Übungsstunden.

Bald holte der Jung-Turner sich bei Turnfesten reihenweise Preise. Die weitere Karriere, die im umfangreichen Archiv seines in Jesenwang lebenden Neffen Willy Stangl verewigt ist, verlief steil: 1931 feierte Inno Stangl die Gaumeisterschaft des Amper-Würm-Gaus. Drei Jahre später gelang ihm der Sprung in die Nationalriege, die bei Wettkämpfen unter anderem in Finnland, Italien und Ungarn die deutschen Farben vertrat. Bei den Olympia-Ausscheidungen in Schweinfurt und Leipzig erturnte er sich schließlich jeweils Rang eins. Der Weg nach Berlin und zum Edelmetall war für ihn damit frei.

Beruflich musste Stangl zusammen mit seinen Geschwistern auf dem bäuerlichen Hof arbeiten, ehe er im Februar 1931 eine Stelle als Posthelfer im Postamt in Fürstenfeldbruck fand. Im Dezember des gleichen Jahres wurde er als Briefträger nach München versetzt.

Diese Stelle erhielt er vermutlich im Zuge seines sportlichen Wechsels vom TSV Jesenwang über den TV Fürstenfeldbruck zum Postsportverein München. Beim Münchner Verein lernte er auch die Turnerin und seine spätere Ehefrau Johanna Leitgeber kennen.

Vor den Olympischen Spielen 1936 wechselte Inno Stangl schließlich zum TSV 1860 München. Heinz Stangl hatte es als Sohn eines Goldmedaillengewinners vor allem im Sportunterricht nicht immer leicht. „Da hieß es oft: Das ist ein Stangl, der muss es können“, erzählt er. „Ich war aber nicht veranlagt fürs Turnen.“ In der Familie hat der Triumph von Berlin nicht viel verändert. „Wir waren eine einfache Familie, mein Vater ist immer auf dem Boden geblieben“, erzählt Heinz Stangl. Am 23. März 1991 starb Inno Stangl im Alter von 80 Jahren in seiner Heimatgemeinde.

Heute erinnert an den sportlich erfolgreichen Sohn des Dorfs nicht nur eine Sonderbriefmarke mit dem Abbild des Turners. In Jesenwang wurde eine Straße nach ihm benannt: Am Innozenz-Stangl-Weg ist heute sein erster Verein, der TSV Jesenwang, beheimatet. Und auch in der Sportszene fällt noch ab und an sein Name. Nämlich immer dann, wenn ein Turner aus der Riesenfelge heraus einen hochgeschnellten Salto vollführt. Diese Übung erhielt dem Jesenwanger zu Ehren den Namen „Stangl-Salto“.

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Maisach investiert 21 Millionen Euro

Maisach – Für 2017 stellt Maisach erneut einen Rekordhaushalt auf: Es werden 21 Millionen Euro investiert. Allein die Südumfahrung verschlingt 9,3 Millionen Euro. Der …
Maisach investiert 21 Millionen Euro

Tagblatt-Reporter testet neue Fitnessgeräte der Stadt

Fürstenfeldbruck – Wer fit bleiben will, kann im Park beim Marthabräuweiher trainieren. Die Stadt hat elf Geräte eingeweiht, die jeder nutzen kann. Tagblatt-Reporter …
Tagblatt-Reporter testet neue Fitnessgeräte der Stadt

Sie erfüllen Sterbenden den letzten Wunsch

Fürstenfeldbruck – Sie erfüllen sterbenden Menschen ihren letzten Traum: Die Mitglieder des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) München. Nun kommt der so genannte …
Sie erfüllen Sterbenden den letzten Wunsch

Germedicum wird noch einmal erweitert

Germering – Das Germedicum soll ein weiteres Mal erweitert werden. Geplant ist die Aufstockung des Gebäudeteils an der Nibelungenstraße und ein weiterer Anbau an der …
Germedicum wird noch einmal erweitert

Kommentare