Markus Schellmann, Manuel Wörl und Christian Korb (v.l.)

Stammtisch der anderen Art

Die rollende Party-Couch von Jesenwang

Jesenwang - Dass überraschend Gäste für ein Grillfest im Garten stehen, das kann schon mal passieren. Dass sie dazu aber auch noch ihre eigene Couch mitbringen, das gibt es wohl nur in Jesenwang.

Es war eine Art fixe Idee, die Manuel Wörl (28) und Markus Schellmann (29) vor rund sechs Jahren hatten. Wörl beschreibt sie so: „Wir fahren mit einer Couch im Gepäck zu den Leuten, bringen lustige Gesellschaft und Gaudi mit, klingeln an den Häusern, und wer aufmacht, muss einen Schnaps ausgeben.“ Aus der fixen Idee ist mittlerweile eine regelrechte Attraktion geworden: Die Jesenwanger freuen sich jedes Jahr schon auf eine Fete mit dem Couchteam.

 Angefangen hat alles mit einer alten Couch, mit der sich Wörl und Schellmann an den Straßenrand setzten und ein wenig feierten. „Wir wollten einfach was machen, das noch keiner gesehen hat und das lustig ist“, erzählt Schellmann. Von den Passanten gab es immer positive Reaktionen. Und irgendwann erwuchs dann die Idee. „Wir wollten mobil sein“, sagt Wörl. Ergo: Eine fahrbare Couch musste her. Über eine Kleinanzeige im Internet fand das Duo die passende Sitzgelegenheit. Für zehn Euro konnten sie die Couch in Grafrath abholen – mit Geburtswehen: „An dem Tag ging ein starker Wind, so dass wir bei der Hinfahrt beim Wald hinter Jesenwang erst einmal den Anhänger umgeworfen haben.“

Das Malheur hinderte die Jesenwanger aber nicht daran, ihre Idee in die Tat umzusetzen. Fahrbar war das Möbelstück allerdings zunächst nicht. Die Lösung: „Wir haben Schwerlastrollen an die Rückwand geschraubt“, erklärt Schellmann. Als das erledigt war, hieß es erstmals: Bier einpacken, Couch umkippen und so ging’s durch Jesenwang. Nach anfänglicher Überraschung über den ungewöhnlichen Besuch hat sich das Couchteam bei den Jesenwangern zu einem echten Hit gemausert. Bei den Gastgebern ist das Quartett jedenfalls gern gesehen. „Viele fragen uns schon, wann wir das nächste Mal bei ihnen vorbei kommen“, erzählt Wörl. Aus dem Couch-Duo ist mittlerweile sogar ein Quartett geworden: Christian Korb und Hans Redl haben sich angeschlossen. „Mehr geht nicht, weil nur vier Leute auf der Couch Platz haben“, sagt Schellmann und lacht.

Es melden sich aber immer wieder Leute, die die Truppe bei ihren Touren durch Jesenwang begleiten wollen. Maximal zweimal im Jahr zieht das Couchteam los. Öfter nicht, denn: „Es soll ja etwas Besonderes bleiben“, so Korb. Dass die vier Burschen dabei auch allerhand Kurioses erleben, versteht sich von selbst (siehe unten). Mittlerweile hat das Quartett bei seinen Touren nicht mehr nur eine Couch im Gepäck. In einem selbst gebauten Beiwagen findet alles Platz, was zu einem kleinen Grillfest gehört: eine Bar, ein kleiner Kühlschrank, ein CD-Player und sogar ein Grill. Dabei hatten Wörl und Schellmann zunächst lediglich eine alte Schublade vom Wertstoffhof. „Um die herum haben wir dann aber die Bar gebaut“, sagt Schellmann.

Und das Gefährt wächst ständig weiter. „Wir wollten jedes Jahr ein Gadget an dem Wagen“, erzählt Korb über den Schnickschnack und die Spielereien, die mittlerweile dranhängen. Darunter sind allerhand spaßige Sprüche und Tiergeweihe. „Die unterschiedlichsten Leute haben uns etwas dafür gegeben“, erzählt Wörl. Trotz der Veränderungen ist eines über die Zeit gleich geblieben: Wo das Couchteam auftaucht, herrscht gute Laune. Übrigens: Auch Jesenwangs Bürgermeister Erwin Fraunhofer gehört zu den erklärten Fans der Couch-Tour. Hans Redl: „Er ist jedes Jahr voll dabei und fährt immer viel Verpflegung auf, wenn wir ihn besuchen.“

Übrigens: Nächste Woche rollt das Sofa wieder durch den Ort Jesenwang. Natürlich nur, wenn das Wetter mitmacht.

"Jetzt brauchts aber a guade Ausred"

n eine lustige Anekdote mit ihrer Couch erinnern sich Manuel Wörl und Markus Schellmann besonders gerne. Eines Nachts nach einem Grillfest waren sie auf der Mammendorfer Straße unterwegs. „Wir hatten Probleme, die Couch über den Bordstein zu hieven“, erzählt Wörl. Das sperrige Möbelstück wollte einfach nicht auf den Gehsteig hinauf. Genau in dem Moment kam ausgerechnet die Polizei vorbei. „Es war wie in einem schlechten Film“, erzählt Markus Schellmann lachend. Einer der Polizisten habe langsam das Autofenster herunter gelassen, aus dem Wagen geschaut und dann trocken folgenden Satz von sich gegeben: „So Buam, jetz brauchts aber a guade Ausred’.“ Die Couchtour war als Erklärung aber offenbar gut genug, wie Wörl erzählt: „Erst waren die Polizisten zwar ein wenig skeptisch. Am Ende haben sie aber cool reagiert

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