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Spannender Fund: Im herausgefischten Müll tauchte ein Bergmolch auf.

Veranstaltung des Landesbunds für Vogelschutz

Tümpelsafari zu Molch und Wasserläufer

Jesenwang - Eine ganz besondere Schatzsuche hat der Landesbund für Vogelschutz im Angebot: Auf Tümpelsafaris entdecken Kinder die Wasserwelt.

Auf den ersten Blick machen die Tümpel in der ehemaligen Kiesgrube bei Jesenwang nicht viel her. Um zu entdecken, was sich alles in den flachen Gewässern tummelt, braucht man ein bisschen Geduld, einen Kescher und die fachkundige Unterstützung eines Experten wie Helmut Bruch.

Der 78-Jährige lädt in diesen Tagen naturbegeisterte Kinder und ihre Eltern zur Tümpelsafari. Das Gelände ist eingezäunt und von Wald umgeben. Ein Abhang führt hinunter auf den Grund der ehemaligen Deponie, die man inzwischen der Natur überlassen hat. Eine Hütte des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) und ein paar Holzstege sind die einzigen Zugeständnisse an die Zivilisation.

Helmut Bruch leitet die Tümpelsafaris.

In der Hütte lagert die LBV-Kreisgruppe alles, was kleine Naturforscher für eine Tümpelsafari brauchen: Kescher und Klapptische, Hocker und Aquarien. Trotz Regen und kühler Temperaturen sind die Drei- bis Sechsjährigen mit Feuereifer bei der Sache. Helmut Bruch, ein freundlicher Großvater-Typ mit weißem Bart, erzählt ihnen spannende Details aus der Welt der Wasserinsekten – zum Beispiel dass der Strudelwurm Monate und sogar Jahre ohne Nahrung existieren kann.Und dass der Wasserläufer untergehen würde, wenn er nicht seinen dichten Pelz aus Haaren hätte, auf denen er über den Teich gleitet. „Libellen werden wir heute wohl noch nicht sehen“, sagt der ehemalige Grund- und Hauptschullehrer. „Denen ist es einfach noch zu kalt.“

Wenig später ziehen die Kinder eifrig ihre Kescher durchs Wasser, gespannt wie bei einer Schatzsuche. Dabei müssen alle aufpassen, dass sie keinen Schlamm aufwühlen. Die Wasserstände werden bewusst flach gehalten, damit sich keine Fische ansiedeln. Ihr Laich könnte über Enten in die Tümpel gelangen. Es dauert nicht lange, bis Jenny vor Begeisterung quietscht. In ihrem Netz zappelt ein schwarzer Käfer. Behutsam setzt die Sechsjährige das Insekt in die Becherlupe und sucht auf Helmut Bruchs laminierten Bestimmungskärtchen nach der richtigen Abbildung. Ist das eine Ruderwanze oder ein Taumelkäfer? Nein, ein Wasserkäfer, stellt sie fest. Er bekommt bald Gesellschaft von einem Wasserläufer und einer Kleinlibellenlarve, die der fünfjährige Jonathan aus dem Tümpel fischt.

Helmut Bruch freut sich, wenn er auf diesem Wege Kinder für die Natur begeistern kann – so wie es vor Jahrzehnten sein eigener Biologielehrer gemacht hat. „Heute ist es leider Mode geworden, die Kinder nicht mehr hinauszulassen.“ Doch wer seine frühen Jahre vor dem Computer verbringt, wird auch als Erwachsener kaum Zugang zur Tier- und Pflanzenwelt finden. „Die Menschen, an denen die Natur vorbeigeht, erreicht man nicht“, bedauert der Olchinger, der in allen Teilen der Welt unterwegs war und seit fast 30 Jahren für den LBV Vorträge hält und Führungen veranstaltet.

Inzwischen wird an den Teichen fleißig weiter gekeschert. Die Aquarien an den verschiedenen Stationen füllen sich mit Wasserspinnen, Zuckmückenlarven, Spitzschlammschnecken und gemeinen Flohkrebsen, die später alle ins Wasser zurückgekippt werden. Ein besonderer Fund ist die Köcherfliegenlarve, die sich aus winzigen Kieseln und Schilfstücken eine Wohnröhre baut.

Unter einem Stein taucht eine Zauneidechse auf – kein Wasserinsekt, aber für die Kinder dennoch ein Höhepunkt. Trotz Absperrung ist das Biotopgelände gegen Achtlosigkeit und Missbrauch nicht gefeit. Auf dem Grund eines der Tümpel liegt Müll, den eine Teilnehmerin heraussammelt. Und ausgerechnet hier stößt sie auf den vielleicht spannendsten Fund des Nachmittags: einen Bergmolch, der sich zwischen Margarineverpackung und Plastikdeckeln häuslich eingerichtet hat.

Eine weitere Tümpelsafari findet statt am 8. Mai zwischen 14 und 16.30 Uhr. Treffpunkt ist die Deponie an der Fürstenfeldbrucker Straße östlich von Jesenwang. Falls vorhanden, sollen Kescher, Becherlupe, Kamera und Gummistiefel mitgebracht werden.

von Ulrike Osman

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