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Anja Reindl und Lisa Maria Bauer setzen das neue Konzept der Johaniter-Krippen um. Hier fühlen sich die Kinder wohl.

Kinderkrippe Krabbelkäfer

Wo Kinder mit allen Sinnen genießen

Gernlinden - Spielen, essen, schlafen - das ist nicht alles, was in einer Kinderkrippe so passiert. Auch für die unter Dreijährigen gibt es bereits erzieherische Konzepte, mit denen wichtige Weichen fürs ganze Leben gestellt werden.

In der Johanniter-Kinderkrippe „Krabbelkäfer“ in Gernlinden zum Beispiel lautet das Motto: „Früh übt sich mit Köpfchen genießen“. Wie fühlt sich eine Birne an? Wie riecht sie, wie schmeckt sie – eingelegt, als Mus, im Joghurt oder als Saft? Solche Sinneserfahrungen können die Kinder unter der Obhut von Krippenleiterin Lisa Maria Bauer und ihrem Team jeden Tag machen. Sie sollen lernen, dass Essen nicht aus bunten Plastikverpackungen kommen muss. Und dass es noch andere Möglichkeiten gibt, als sich beim kleinen Hunger gedankenlos einen Schokoriegel einzuschieben.

Isabel Thell pflegt das eigene Gartenbeet der Krippe. Hier wachsen Kräuter, die die Kinder dann selbst ernten und verarbeiten dürfen.

„In einer Gesellschaft, die immer öfter den Bezug zum richtigen Umgang mit der Ernährung zu verlieren scheint, wollen wir den Kindern die andere Seite zumindest zeigen“, so Bauer. Deshalb kommt in der Krippe viel frisches Obst und Gemüse auf den Tisch. In einem kleinen Gartenbeet wachsen Kräuter, die die Kinder selber ernten dürfen. Neulich haben sie Tee getrunken, der mit selbstgezogener Zitronenmelisse zubereitet war.

Bei den Krabbelkäfern wird auf gesunde Ernährung geachtet. Janina Falckenberg und Cristina Balacino bereiten eine Mahlzeit vor.

Auch für die Brotzeit, die von zu Hause mitgegeben wird, gelten bestimmte Regeln. Süßigkeiten und Fertigprodukte lassen die Erzieherinnen einfach an die Eltern zurückgehen – in einer Extratüte, versehen mit einem roten Fähnchen und dem Vermerk „Bitte nicht mehr mitgeben“.

„Das klappt super“, sagt die Leiterin. Die 26-Jährige hat das auf gesundes Essen ausgerichtete Krippen-Profil gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten entwickelt, der unter anderem als Ernährungsberater tätig ist. „Ein Geschmacksgefühl zu entwickeln, wird durch übertriebenes Zuckern und Aromatisieren, wie leider bei den meisten Fertigprodukten üblich, fast unmöglich“, heißt es dort.

Das bedeutet nicht, dass Süßes in der Krippe von vornherein tabu ist – nur, dass es bewusst und in Maßen verzehrt wird. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass Früchte-, Nuss- und Schokomüsli auf dem Tisch stehen, damit die Kinder die unterschiedlichen Süßegrade kennenlernen.

Zum Thema Ernährung gehört nicht nur das Was, sondern auch das Wie. Gemeinsam und in Ruhe soll in der Krippe gegessen werden. Die Kinder bekommen keine Portionen vorgesetzt, sondern dürfen sich selbst so viel nehmen, wie sie wollen – um zu lernen, ihr Hungergefühl richtig einzuschätzen.

Das neue Konzept ist in der Anfang 2014 eröffneten Krippe erst seit kurzem in Kraft. Die 13 Kindertagesstätten, die die Johanniter in Oberbayern betreiben, wurden aufgefordert, jeweils ein eigenes Profil zu entwickeln, durften ihre Schwerpunkte aber selbst wählen. „Wir wollten den Einrichtungen nicht künstlich etwas drüberstellen“, sagt Sprecherin Arefeh Shariatmadari. Vielmehr sollen die Profile dem Bedarf vor Ort entsprechen und von den Kita-Leitungen mit Leidenschaft umgesetzt werden.

Lisa Maria Bauer und ihre fünf Mitarbeiterinnen haben auch die Räumlichkeiten an das Ernährungskonzept angepasst. Die Gruppen heißen jetzt „Freche Früchtchen“ und „Gartenzwerge“, an der Garderobe erkennt jedes Kind seinen Kleiderhaken an einem Gemüse-Bildchen, und gespielt wird unter anderem mit Naturmaterialien.

Neu ist auch der Entspannungsraum, in dem zu Naturgeräuschen und unter einem „Sternenhimmel“ mit vielen kleinen Lichtern ausgeruht werden kann. Denn die Kinder sollen auch lernen, sich der „Handy-Gesellschaft“ mit ihrer dauernden Erreichbarkeit zu entziehen, so die Krippenleiterin.

von Ulrike Osman

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