Umzug in Mammendorf

Wo Kinder, harte Rocker und Astronauten gemeinsam feiern

Mammendorf - Griechische Wirtschaftsweise, Wildbiesler und Luftschlösser: Beim Mammendorfer Faschingsumzug nahmen die Wagen und Fußgruppen die Lokalpolitik genauso auf die Schippe, wie die großen Nachrichten. Allzu ernst ging es dabei aber nicht zu.

Gleich am Anfang lachten die Zuschauer über zwei Mal Josef Heckl: Erst grüßte der echte Bürgermeister vom Komiteewagen, dann winkte ein Double mit Anzug und Bauhelm vom Anhänger des FFW-„Sprengkommandos“, das die alte Molkerei im Herzen der Gemeinde abreißen soll: „Wenn Denkmalschutz und Nachbarn klagen, musst du’s dem Sprengkommando Heckl sagen“, verkündete der Wagen, auf dem das Gebäude mit dem markanten Backsteinkamin aufragte. Der nächste Stopp laut Schild: das Gesindehaus, das auch bald wegkommen soll.

Noch einen Heckl gab es auf dem zweiten Wagen der FFW: Der VG-Neubau für 4,2 Millionen Euro wurde zum russischen Schloss mit bunten Kuppeln. Dass der Altbürgermeister das nicht mehr im Amt erlebt, interpretierte die FFW so: „Der Hans wird ganz neidisch sei, der Seppi ziagt ins Schlössl ei.“ Mit dem „mobilen Fischerklo“ stand auch bei der Wasserwacht das Mammendorfer Treiben im Zentrum: Weil der Fischereiverein eine Hütte ohne Toilette am Mammendorfer Weiher errichtet hat, erledigen offenbar viele ihr Geschäft im Freien. Als Angler verkleidet zogen die Wasserwachtler ein Klohäuserl durch den Ort, damit die Fischer nicht mehr „wildbiesln“ müssen.

„Material verkauft, Kasernen leer, Geisterfirma Bundeswehr“ war auf dem braun-grünen Militärlaster der Landjugend Puch zu lesen. In Camouflage-Anzügen und mit Tarnnetzen verabschiedeten sie sich in Bundeswehrparkas vom Fliegerhorst. Aber auch internationale Problemmacher bekamen eine Abreibung. Die „Geile Hehna“ des KBV verkündete: „Willst du die Scheißerei, isst du Bayern-Ei.“ Dazu nickte der Kopf des riesigen braunen Huhn-Wagens, hinter ihm tanzten Frauen in Hennenkostümen und legten große Pappmaché-Eier. Dafür wurde das Riesenhuhn vom Komitee zum besten Mammendorfer Wagen gekürt.

Mit dem VW-Skandal beschäftigten sich gleich zwei Wagen. Mit dem „Raucherlounge Sondermodell“ fuhr der Burschenverein Nassenhausen einen riesigen hellblauen VW-Bus, aus dem die Nebelmaschine so sehr qualmte, dass die Zuschauer den Wasserdampf mit den Händen wegwedelten. Mit seinem rauchenden Wagen legte der Burschenverein Emmering nach: „Es ist nicht alles Golf, was glänzt.“

Bunt ging es auch bei den Fußgruppen zu. Von Pep Guardiola verabschiedeten sich die Basketballfrauen: Vom Anzug über den Bayernschal und FCB-Schirm bis hin zur Halbglatze zeigten sich die Damen wie der Trainer. Die Fußgruppe der Moasawinkla wurde mit ihrem Mehrpersonen-Tandem zum „Ersten Bayerischen Bürger-Grenzschutzbataillon“ mit Güllekanone. Platz eins unter den Fußgruppen holten sich aber 15 wilde Musiker: Als Mitglieder der Band „Kiss“ verkleidet – in schwarz-silbernen Lederklamotten und mit weißer Schminke – rockte die Gruppe „Alfinetawe“ den Zug.

Unter großem Staunen fuhr der Burschenverein Oberschweinbach die Akropolis und eine blau-weiße Kirche durch Mammendorf. Die Burschen-Philosophen dichteten: „Lügen, Betrug und Korruption, Deutschland finanziert das schon.“ Auch die dafür Verantwortliche durfte nicht fehlen: Auf einem kleinen Anhänger wärmte sich eine Angela-Merkel-Puppe an einem Ofen: „Wir heizen mit Geld.“ So viel Aufwand wurde belohnt. Der Burschenverein machte den ersten Platz als auswärtige Gruppe.

Die Narren ziehen durch Mammendorf: Hier die Bilder

So bissig ging es aber nicht überall zu. Auch heuer wollten viele Gruppen einfach ihren Spaß haben und dachten sich kreative Mottos aus. Ein beliebtes Thema: Wenn auf dieser Welt alles schief läuft, schaffen wir eben eine neue. Das dachten sich jedenfalls die Jugendlichen aus „Etti’s Bayernstüber’l“, als sie das Raumschiff Discovery nachbauten. Das weiße Shuttle mit Cockpit und Alu-Innenverkleidung wurde zum zweitbesten auswärtigen Wagen gekürt. Vor allem kleine Mädchen hielten beim Bonbon Einsammeln inne, als die Landjugend Luttenwang vorbeikam: Auf dem großen pinken Wagen tanzten rosa-weiße Einhörner unter dem Motto „Kein Bock auf Terror und den Streit ums Geld, wir zaubern unsere eigene Welt“.

Leider gab es aber auch heuer Zwischenfälle: Gegen 17 Uhr pöbelte ein 18-Jähriger Mammendorfer andere Faschingsnarren derartig an, dass die Veranstalter einen Platzverweis aussprechen mussten. Doch der junge Mann machte einfach weiter. Bis die Polizei eintraf. Die Beamten nahmen ihn in Gewahrsam. Für den Mammendorfer war der Fasching dann sofort beendet.

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