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Tatort Kindergarten: In Puchheim haben zwei fünfjährige Buben Steine auf ein Auto geworfen. Der Besitzer klagte gegen den Träger der Einrichtung – und scheiterte. Laut Gericht haben die Erzieher ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt. 

Klage gescheitert

Kinder werfen Steine auf Auto: Besitzer bleibt auf Schaden sitzen

Puchheim/München – Kindergartenkinder werfen Steine auf ein geparktes Auto, als die Erzieherin nicht hinsieht. Der Schaden ist hoch, der Besitzer klagt. Doch vor Gericht wird seine Klage abgewiesen, er bleibt auf dem Schaden sitzen. Juristisch ist der Fall eindeutig – das Urteil ist nicht das erste dieser Art.

Der Vorfall liegt schon knapp drei Jahre zurück, aber juristisch ist er erst jetzt abgehakt. Denn der Fall ging durch zwei Instanzen. Nun ist das Urteil des Amtsgerichts München rechtskräftig – und es nicht so ausgefallen, wie es sich ein Autofahrer erhofft hatte.

Der Mann hatte seinen Wagen im September 2013 vor einem Kindergarten in Puchheim geparkt. Zur Mittagszeit spielten Kinder im Freigelände der Einrichtung. In einem unbeobachteten Moment warfen der fünfjährige Benno (Name geändert) und ein Freund von ihm mehrere größere Steine und trafen damit das geparkte Auto. Der Schaden war groß: 2335,38 Euro. Der Mann stellte die Erzieherinnen im Kindergarten zur Rede – und verlangte, dass der Träger der Einrichtung ihm den Schaden ersetzt. Doch der Kindergarten weigerte sich mit der Begründung, die Mitarbeiter seien ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen. Sie hatten die Kinder von einem Gruppenraum aus in Zehn-Minuten-Abständen durch das Fenster beobachtet. Zudem seien die Kinder grundsätzlich belehrt worden, keine Gegenstände über den Zaun zu schmeißen.

Nicole Tassarek-Schröder, die Anwältin des Trägers, rechnete sich von Anfang an gute Chance aus, diesen Fall zu gewinnen. „Juristisch ist die Situation hier eindeutig“, sagt sie. Das ist nicht immer so, wenn Kinder Eigentum beschädigen. Abhängig sei die Entscheidung von Alter und Anzahl der Kinder, von der Art der Beaufsichtigung und den Besonderheiten des örtlichen Umfelds. In diesem konkreten Fall war auch die zuständige Richterin am Amtsgericht München überzeugt, dass die Erzieher ihrer Aufsichtspflicht angemessen nachgekommen sind. Sie zitierte ein ähnliches Urteil des Bundesgerichtshofs. „Bei altersgerecht entwickelten Kindern im Alter von fünf bis sechs Jahren wird eine permanente Überwachung grundsätzlich nicht mehr geboten sein“, argumentierte das Gericht. Im vorliegenden Fall sei zu berücksichtigen, dass es sich um Kinder im Vorschulalter und lediglich um zwei Kinder handelt – bei einer größeren Gruppe wäre eine gewisse Gruppendynamik zu erwarten gewesen. Benno hatte noch nie auffälliges Verhalten gezeigt, der Kontrollabstand der Erzieherinnen sei deshalb absolut ausreichend, um das Spiel von bisher unauffälligen Fünfjährigen zu überwachen.

Das Urteil ist nun rechtskräftig. Für den Autofahrer bedeutet das, er bleibt auf seinem Schaden sitzen, wenn ihn nicht seine Versicherung zahlt. Die Eltern der Kinder können nicht zur Rechenschaft gezogen werden, weil sie ihre Aufsichtspflicht an die Erzieher übertragen, wenn sie ihr Kind im Kindergarten abgeben. Und die Kinder selbst sind bis zum Alter von 14 Jahren strafunmündig. Fälle wie diese sind kein Einzelfall, betont Rechtsanwältin Tassarek-Schröder. Allerdings eher selten. Es war ihr fünfter Fall dieser Art – innerhalb von 15 Jahren.

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