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Im Regionalzug: 1. Klasse trotz Schwächeanfall tabu

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Ihre Beschwerde fand keinen glücklichen Ausgang: Eine Bruckerin ist stinksauer auf die Bahn. Foto: Weber
Ihre Beschwerde fand keinen glücklichen Ausgang: Eine Bruckerin ist stinksauer auf die Bahn. Foto: Weber

Fürstenfeldbruck – Die Bauarbeiten auf der S 4 im Sommer brachten für Pendler enorme Belastungen mit sich. Viele hofften deshalb insgeheim, dass die Bahn in Problemfällen quasi im Gegenzug zu kleineren Zugeständnissen bereit sein würde. Aber nichts da: Weil eine Bruckerin kurzzeitig in der 1. Klasse Platz nahm, muss sie Strafe zahlen. Sie ist sauer.

Während der weitgehenden Sperrung der S 4 im Sommer waren die Regionalzüge ab der Buchenau zweifellos die beste Art, nach München zu kommen. „Die Busse brauchten lang, also habe ich die Regionalzüge benutzt“, erzählt die 54-Jährige, die seit vielen Jahren Stammkundin der Bahn ist. „An jenem Tag aber ging es mir nicht gut“, sagt die Angestellte einer großen Firma in München. „Also habe ich mich auf einen freien Platz hingesetzt – an der Treppe, die schon zur 1. Klasse gehört.“

Zug hatte Verspätung

Sie dachte sich nichts dabei. Schließlich war ihr schwindelig, sie musste unbedingt sitzen. Doch schon kam ein Kontrolleur – und der kannte keine Gnade. 60 Euro Fahrpreisnacherhebung – so heißt das – sollte sie bezahlen. Die Bruckerin fand das unmöglich, schließlich zahlt sie jedes Jahr 1100 Euro an die Bahn für ihre reguläre Fahrkarte. Also legte sie Widerspruch bei der zuständigen Stelle in Baden-Baden ein. Sie schilderte ihre Situation und wies darauf hin, dass es unmöglich gewesen sei, einen Schaffner um kurzzeitige Sitzerlaubnis zu bitten. Denn der Zug war voll. Sie hatte keine Chancen, jemanden zu suchen.

Außerdem hatte der Zug Verspätung, sodass keine Zeit geblieben sei, am Bahnsteig nach einem Zugbegleiter Ausschau zu halten. „Ich fahre seit 25 Jahren mit der S-Bahn und habe immer ordnungsgemäß bezahlt.“ Nun aber werde sie als Schwarzfahrerin hingestellt – und das, obwohl der Service durch die Bauarbeiten massiv eingeschränkt gewesen und eine Teilrückerstattung des Jahresabos sicher nicht zu erwarten sei. „Die Fahrgäste sollen alles hinnehmen, auf der anderen Seite wird aber eine knallharte Linie gefahren“, schimpft die 54-Jährige.

Bahn beharrt auf Gleichbehandlung aller Fahrgäste

Doch ihre Einwände gegen den Nacherhebungsbescheid blieben fruchtlos. Im Kern der Argumentation der Bahn steht die „Gleichbehandlung aller Fahrgäste“, so ein Sprecher des Unternehmens. Die Ersatzmaßnahmen während der S4-Baustelle seien so umfassend gewesen, dass der Regionalzug nicht die einzige Möglichkeit gewesen sei, argumentiert die Bahn. Der Sprecher verweist auf Express-Busse, durchfahrende S-Bahnen und Zubringerbusse zu anderen S-Bahnlinien an. Die Bahn habe absichtlich darauf verzichtet, prominent auf die Regionalzüge hinzuweisen. Da diese durch die Regiokunden bereits sehr gut besetzt sind, hätten ausweichende S-Bahnkunden mit Stehplätzen rechnen müssen, so der Sprecher. „Die Regionalzüge boten zwar die schnellste Möglichkeit, nach München zu kommen; der Fahrgast musste aber zu einem gewissen Komfortverzicht bereit sein.“

Der Sprecher betont: Auch wenn die 1. Klasse noch freie Sitzplätze vorweise, berechtige dies nicht, ohne entsprechenden Fahrschein sich auch „nur kurz“ hinzusetzen. „Denn der Schaffner kann natürlich nicht feststellen, wie lange der Fahrgast bereits in der 1. Klasse sitzt.“

In Ausnahmesituationen gebe der Schaffner für besondere Kundengruppen bei vollen Zügen die 1. Klasse frei, etwa für Mutter mit Kind oder mobilitätseingeschränkte Reisende. „Dazu muss aber vorab die Zustimmung des Schaffners eingeholt werden.“ Solche Kulanzen müssten auf wenige begründete Ausnahmen beschränkt bleiben. Denn für 1.-Klasse-Kunden seien sie ein Ärgernis. Deren Logik laut Bahn: „Wieso zahle ich Aufpreis und die anderen können ohne fahren?“

Trotz aller Argumente betont die 54-Jährige: „Ich bin ja dafür, dass Schwarzfahrer erwischt werden. Ich bin aber keiner.“ Sie fühle sich einfach schlecht behandelt. „Das stinkt mir gewaltig.“

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