Ergebnisse der Umfrage

Dorfladen: Kottgeiseringer unentschlossen

Kottgeisering - Jetzt stehen die Ergebnisse fest: Die Befragung der Kottgeiseringer zur Nahversorgung ist abgeschlossen. Ein eindeutiges Votum für Dorfladen, Supermarkt oder Discounter gibt es nicht.

Nachdem die Kottgeiseringer einen Discounter mit einem Bürgerentscheid eindeutig abgelehnt hatten, wurde das Ergebnis mit Spannung erwartet. Aber weder ein Supermarkt noch ein Dorfladen konnten sich durchsetzen. Beide Einrichtungen wurden auf die Frage, wie denn die Einkaufssituation verbessert werden sollte, ungefähr gleich oft genannt.

Aber: Über ein Fünftel der Antwortenden halten es gar nicht für so notwendig, dass die Einkaufssituation verbessert wird oder wollten dazu keine Angaben machen. Gute Einkaufsmöglichkeiten in den Nachbarorten – 17 Geschäfte für Backwaren und Grundnahrungsmittel wurden genannt – führen zudem dazu, dass über 80 Prozent der Anwortenden keine Schwierigkeiten haben, ihre Einkäufe zu erledigen.

Über 100 ähnliche Befragungen hat das auf Nahversorgungskonzepte spezialisierte Unternehmen New-Way aus Berg (Landkreis Starnberg) bisher durchgeführt. Dadurch konnte Ulrich Neumann einen Vergleichswert mit dem Durchschnitt aller Befragungen angeben. „Aus der Tatsache, dass sich nur rund ein Drittel für einen Dorfladen ausspricht, entnehme ich eine Skepsis gegenüber Dorfläden“, stellte Neumann im Gemeinderat fest. „Der Vergleichswert liegt bei über 80 Prozent.“

Gemeinderäte und anwesende Bürger machten dafür vor allem die Schwierigkeiten des Dorfladens in Schöngeising und die Aufgabe der Metzgerei und des Kramerladens in Kottgeisering verantwortlich. Die frühere Metzgerei-Besitzerin Maria Klotz (BV) wandte ein, dass es in Schöngeising eher ein kleiner Supermarkt und kein Dorfladen sei.

„Ein Dorfladen würde sich mit einem jährlichen Umsatz von plus minus 230 000 Euro tragen, für die Einwohnerzahl von Kottgeisering wäre eine Verkaufsfläche von 120 bis 150 Quadratmetern ausreichend“, so Neumann weiter. Bei der Frage, ob sie im Dorfladen einkaufen würden, blieben die Kottgeiseringer mit rund 70 Prozent hinter den durchschnittlichen 90 Prozent zurück.

Die Ergebnisse, die 42 Prozent der befragten Haushalte lieferten, wurden auch danach differenziert, woher die Antworten kamen. Interessanterweise sprachen sich im Altort, wo der Laden angesiedelt werden würde, die Wenigsten für einen Dorfladen aus, die Meisten aber in der rund eineinhalb Kilometer entfernten Villengegend.

Trotz des mageren Votums für einen Dorfladen sieht Neumann Chancen. „Für einen Erfolg kommt es auf vier Dinge an: Rückhalt im Dorf beziehungsweise im Arbeitskreis, Sortiment, Personal im Laden und Preispolitik.“ Viele der Wünsche der Bürger an einen Dorfladen dürften utopisch sein. Denn neben Postagentur, Bargeldauszahlung, Paketdienst und Reinigungsannahme sollte es auch einen Lieferservice geben.

Kirsten Kortländer (CSU) unterstellte Neumann Parteilichkeit, weil New-Way wenn dann nur den Dorfladen-Prozess weiter begleiten würde. Neumann sah das locker: „Wir beteiligen uns grundsätzlich nicht finanziell an den Läden, sondern beraten nur. Von den 130 Dorfläden, die wir begleiten, hat im vergangenen Jahr nur einer wieder schließen müssen.“

Wie es konkret weitergeht, wollte der Gemeinderat nicht sofort entscheiden. Im Gespräch ist eine auf Kottgeisering zugeschnittene Machbarkeitsstudie. Diese würde den Ort, dank eines 50-prozentigen Zuschusses vom Amt für Ländliche Entwicklung im Rahmen der Dorferneuerung knapp 2000 Euro kosten. Bürgermeisterin Sandra Meissner (BV) schlug vor, den bestehenden Arbeitskreis mit einer Empfehlung an den Gemeinderat zu beauftragen. „Nach wie vor kann jeder Bürger dort mitarbeiten.“

von Max-Joseph Kronenbitter

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