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Heuer als Erdbeeren: Ingrid Irrlicht (l.) und Kirstie Handel. Die beiden Frauen mischten sich als „Walking Act“ unter die Leute und brachten nicht nur die Mitglieder des Posaunenchors zum Lachen.

Heuer war das Event eher "familiär"

Kulturnacht musste es mit EM-Spiel aufnehmen

Fürstenfeldbruck - Nur die ganz eingefleischten Musik- und Kunstfans hatte es in diesem Jahr zur Brucker Kulturnacht getrieben. Der Termin war nicht ganz optimal.

Heuer hatte sich einiges gegen die Kulturnacht verschworen: Im Fernsehen lief das EM-Viertelfinale, draußen spielte sich das Gegenteil von einem lauen Sommerabend ab. Einige machten sich dennoch auf zu den verschiedenen Events in Bruck und Umgebung. 

Wegen des parallellaufenden Deutschlandspiels hatte die Brucker Kulturnacht am Samstag heuer etwas sehr Gemütliches, Familiäres. Nur die eingefleischten Kultur- und Musikfans ließen sich an diesem Abend von ihren Fernsehern weglocken. Der Stadtpark bot in den vergangenen Jahren stets eine herrliche Kulisse für die frechen Texte der Poetry-Show.

Diesmal vertrieb der Regen die jungen Dichter und die Handvoll Zuhöhrer mitsamt Liegestühlen unter ein Vordach auf dem Gelände der Stadtwerke. Was soll’s – auch in diesem wenig einladenden Ambiente amüsierten sich rund 20 Leute bestens, als Poetin Fee darüber sinnierte, was sich ändern würde, „wenn Schlau das neue Hübsch wäre“, und gemeinsam mit Alex Burkhard und Frank Klötgen eine schwarzhumorige Episode aus dem Leben von Teenagern vortrug. Die drei Wortakrobaten bilden die Formation „Die Stützen der Gesellschaft“ und hoffen auf die Teilnahme an den diesjährigen deutschen Poetry-Slam-Meisterschaften.

Für Patrick Frauenrath haben sie dort gute Chancen. „Ich wünschte, ich könnte so mit Worten umgehen“, sagt der ehemalige Brucker. Gemeinsam mit seiner Frau und einem befreundeten Paar war er extra aus seinem neuen Wohnort Schwabmünchen gekommen, Deutschlandspiel hin oder her.„Fußball ist mir eigentlich nicht wurscht, aber die Kulturnacht ist für uns einfach der Termin im Jahr.“ Vom Dichterwettstreit wanderten die Vier weiter aufs Klostergelände.

Dort war es so still, dass man das Orgelkonzert aus der Kirche bis nach draußen hören konnte. Regen tropfte in die Feuerschalen, die Posaunisten der Erlöserkirche hatten ihre Instrumente längst weggepackt. Ein älterer Herr führte seinen Hund spazieren, ihn interessierten weder das Fußballspiel noch die Kulturnacht. Im Museum stärkten sich derweil die Besucher am Schnittchen-Buffet, denn die Musiker von Alpen-Klezmer machten gerade Pause.

Dem Brucker Ehepaar Richard und Vera Gedon hat das Konzert gut gefallen. Vorher hatten sie einen Abstecher in die Furthmühle gemacht. Dort hatten sie sich die irische Musik von „Celtic Ceilidh“ angehört. Beim Stichwort Europameisterschaft winkten beide ab. „Wir schauen nie Fußball. Da geht es immer um dasselbe, bei der Kulturnacht gibt es jedes Mal etwas Neues.“

Draußen wurde es allmählich dunkel genug für die Lichtkunst von Georg Trenz. Er hatte seinen Projektor unter dem Dach des Waaghäusls aufgebaut und strahlte die Fassade von Haus 10 an. Langsam kreisten Begriffe wie „Innovation“, „Antrieb“, „Gedanken“ über das Mauerwerk und schienen sich strahlenförmig nach außen auszubreiten.

Trenz will damit die Impulse symbolisieren, die von Haus 10 ausgehen. Die Installation ist eine Hommage an das 25-jährige Jubiläum der Kulturwerkstatt. Würde der Künstler gerade daheim sitzen und Fußball schauen, wenn die Kulturnacht nicht wäre? „Natürlich“, brummte Trenz. Aber da noch von nirgendwo Jubel aufgebrandet war, wusste er auch so, dass es noch 0:0 stand.

von Ulrike Osman

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