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Diesen Anblick kennt fast jedes Schulkind: Polizist Michael Steer, 45, und der grün-weiße Verkehrsschul-Lkw des Landkreises Fürstenfeldbruck.

Nach 26 Jahren muss er ausgetauscht werden

Verkehrsschul-Lkw hat ausgedient

Landkreis - Er ist bekannt wie ein bunter Hund. Und er hat schon einige Jahre auf dem Rücken. Jetzt darf der Fahrschul-Lkw des Landkreises in Rente gehen.

Ihn kennt fast jedes Kind: den Lkw für die Verkehrserziehung. Seit 26 Jahren tourt er von Schule zu Schule, um Buben und Mädchen das richtige Verhalten im Straßenverkehr beizubringen. Nun wird er in Rente geschickt – denn mit veraltetem Material und einer maroden Technik ist er kein Aushängeschild mehr für Sicherheit auf den Straßen.

Man kennt das aus der eigenen Schulzeit: Verkehrsunterricht. Das bedeutet, Runden drehen mit dem Fahrrad auf dem Verkehrs-Parcours im Pausenhof unter den wachsamen Augen der Polizisten. Geht alles glatt, bekommt man einen schmucken Wimpel und einen kleinen Führerschein aus Pappe. Diese Prozedur ist für alle Viertklässler verbindlich. Man braucht dafür viel Material: Räder, Ersatzteile, kleine Ampelanlagen, und so weiter und so weiter. Und das alles muss irgendwie an Ort und Stelle transportiert werden. Dafür besitzt der Landkreis einen eigenen Lastwagen.

Veraltet: Die Übungsräder.

Der Verkehrsschul-Lkw ist für die Schüler unterwegs in Germering, Maisach, Egenhofen, Puchheim, Alling, Mittelstetten, Moorenweis, Mammendorf, Jesenwang, Hattenhofen, Grafrath und Türkenfeld. Sogar die Schulen in Geltendorf und Egling/Paar im Landkreis Landsberg steuert er regelmäßig an. Insgesamt sind es 20 Grundschulen, an denen die zuständigen Polizisten Michael Steer (45), und Kollege Robert Lichtl, (43), mit Hilfe des Lkw und seines Inhalts den Kindern das richtige Verhalten im Straßenverkehr beibringen.

Jedes Mal müssen die Beamten den vollgestopften Lastwagen ausladen. Und da beginnt das Dilemma: Die Holzplanke, über die sie die Kinderräder auf die Straße schieben, ist marode. Ein kleines Treppchen, über das der Rest transportiert wird, muss mühsam per Hand eingehängt werden. Zeitgemäß ist das nicht mehr. Und auch die Räder, mit denen die Kinder unterwegs sind, sind zwar verkehrssicher, aber einfach uralt, erklärt Michael Steer. „Den Kindern ist das ziemlich wurscht. Die wollen einfach nur fahren. Aber es haben sich schon öfters Eltern beschwert.“

Mit Klebeband geflickt: Ständer für Verkehrszeichen.

Angeschafft wurde der Lkw 1989. Damals wurde der Verkehrsunterricht für Viertklässler verbindlich vorgeschrieben. Mittlerweile ist nicht mehr nur der Inhalt marode, auch der Lastwagen selbst hat diverse Wehwehchen. Konkret hapert es am Auspuff, der Bremsanlage und der Motordichtung. Reparieren macht kaum mehr Sinn. Deshalb will das Landratsamt einen neuen Verkehrsschul-Lastwagen anschaffen. Vergleichszahlen aus anderen Landkreisen haben ergeben, dass ein Ersatzfahrzeug rund 75 000 Euro kosten wird. Die Kommunalpolitiker im Kreistag stimmten diesem Plan zu. Deswegen wurde die errechnete Summe im Kreishaushalt für 2016 eingeplant.

Das Geld muss der Landkreis aber nicht alleine aufbringen. Denn für die Verkehrserziehung sind die Sachaufwandsträger, sprich die Kommunen zuständig. Sie müssen die Kosten anteilig übernehmen. Pro Grundschule werden rund 3750 Euro fällig. Große Städte wie Germering oder Puchheim mit mehrere Grundschulen müssen also besonders tief in die Tasche greifen. Doch hat beispielsweise der Germeringer Stadtrat bereits sein Okay gegeben. Den Betrag für das Förderzentrum Eugen-Papst-Schule übernimmt der Landkreis. Auch die meisten anderen Gemeinden haben bereits Zustimmung signalisiert. Wenn alles nach Plan läuft könne man noch im Frühjahr die Ausschreibung für das Gefährt beschließen und Angebote einholen.

Vollgestopft bis unters Dach: Der Lkw bringt alles mit, was für den Unterricht gebraucht wird.

Für den Bau eines eigenen Verkehrsübungsgeländes wurden in einem Nachbarlandkreis 230 000 Euro fällig. Das ist der Brucker Kreisbehörde aber zu teuer. Auch die Tatsache, dass dann die Schüler immer zum Verkehrsunterricht kommen müssten und nicht umgekehrt wie bei der Lösung mit dem Lkw für die Verkehrsschul-Materialien, lehnt das Landratsamt ab – wegen der Transportkosten, dem Zeitverlust und dem Verwaltungsaufwand.

von Fabian Dilger

 

Die Verkehrserzieher

Sie brauchen Geduld, gute Laune und viel Einfühlungsvermögen: Michael Steer (45) und Kollege Robert Lichtl (43) tingeln fast das ganz Jahr über mit dem Verkehrsschul-Lkw durch den Landkreis und zeigen Mädchen und Buben das Radlfahren und erklären ihnen wichtige Verkehrszeichen und -regeln. Das Duo ist von Ende Februar bis Ende Juli und dann wieder von Mitte September bis Ende November unterwegs. „Das macht großen Spaß“, erzählt Steer, der den Job nun seit vier Jahren macht. Er und sein Kollege fahren dann bei der jeweiligen Schule vor, räumen die Fahrräder aus dem Lkw und bauen einen kleinen Parcours mit Verkehrszeichen auf. „Die Schülergruppen üben dreimal zwei Schulstunden mit uns, dann gibt es eine Prüfung und zum Schluss fahren wir mit allen durch den Ort“, erklärt Steer. Dabei fährt einer der Polizisten voran, der andere hinter der Reihe von Schülern her. „Ich war vorher im Schichtdienst.

Die Verkehrserziehung ist schon was ganz anderes“, sagt er. Kollege Lichtl ist bereits seit zehn Jahren dabei. „Um diesen Job machen zu dürfen, mussten wir ein spezielles Seminar besuchen. Da geht es hauptsächlich um Pädagogik.“ Denn es kommt regelmäßig vor, das ein Kind mit dem Rad stürzt. „Oder eines wickelt sein Schuhbandl um die Pedale“, weiß Steer.„Verletzten tut sich selten jemand. Aber der Schock ist oft groß.“ Und dann verdrücken die Kleinen schon mal ein Tränchen. „Ich löse so eine Situation meist spontan und mit Witz.“ Vor ein paar Monaten entdeckte Steer doch tatsächlich seinen eigenen Radl- Führerschein, den er als Kind in der Verkehrsschule bekommen hat. „Das ist so ein Pappdings zum Falten.“ Im Mai wird der Polizist seine eigene Tochter unterrichten. „Mal schauen, wie das wird“, sagt Steer schmunzelnd. Denn für sie ist der Mann in Uniform in erster Linie der Papa. Und nicht der Polizist.

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