Verlässt den Dorfwirt: Thomas Aberger und seine Familie verabschieden sich nach vielen Jahren. Foto: Weber

In Landsberied

Der Dorfwirt steht bald ohne Wirt da

Landsberied – Die Pächter des Dorfwirts in Landsberied hören auf. Die angespannte Personalsituation zwingt sie zum Abschied. Sie haben die Gaststätte, die in einer beispiellosen Gemeinschaftsarbeit des ganzen Dorfes entstanden war, mehr als zehn Jahre geführt. Jetzt droht zumindest zeitweise der Leerstand.

Der Dorfwirt entstand zwischen 2003 und 2005, nachdem die einzige Gaststätte in Landsberied geschlossen hatte (siehe Kasten). In der Folgezeit wurde das Lokal zum Treffpunkt für Alt und Jung nicht nur aus Landsberied, sondern aus der ganzen Region. Doch nun steht nach der Einweihung 2005 der erste Pächterwechsel an. Die Familie Aberger, die die Gaststätte erfolgreich mit aufgebaut hat, verabschiedet sich. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Der Dorfwirt wird wohl längere Zeit geschlossen bleiben.

„Es ist wirklich Wahnsinn“, sagt Wirtin Isabella Aberger (37). Sie meint damit die missliche Personalsituation. Für Tausende von Euro habe man vergeblich Anzeigen geschaltet, um Angestellte für die Wirtschaft zu finden. „Die Personalsituation auf dem Land ist sehr angespannt“, beklagt Aberger. Seit einem halben Jahr finden sie und ihr Ehemann Thomas (48) etwa schon keinen Koch mehr, der den Wirt, der selbst am Herd steht, unterstützt.

Nun hat ein weiterer gewichtiger Umstand die Wirte dazu bewogen, die Reißleine zu ziehen und die Pacht zu beenden: Die Eltern von Thomas Aberger, die im Betrieb mitgeholfen haben, hören auf. Heidi und Helmut Aberger gehen beide schon auf die 80 zu und ziehen sich nun endgültig in den wohlverdienten Ruhestand zurück. Bisher halfen sie an der Schänke und bei Hochbetrieb im Lokal immer mit.

Für die Gemeinde beginnt nun die Suche

Der Abschied sei nun unausweichlich geworden, sagt Isabella Aberger: „Sonst hätten wir ja gar keine Freizeit mehr.“ Mit der Gemeindeverwaltung wurde vor rund einem Monat in gegenseitigem Einvernehmen ein Auflösungsvertrag vereinbart. Am 2. Oktober schließt der Dorfwirt fürs erste. Schwermütig wird Isabella Aberger bei dem Gedanken jedoch noch nicht: „Es waren jetzt elf Jahre. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“ Ihr Mann und sie wollen aber auf alle Fälle weiterhin in der Gastronomie tätig bleiben – ob als Selbständige oder anderweitig, das wissen sie jetzt noch nicht.

Ganz unerwartet kommt der Abschied der Wirte für die Gemeinde nicht. Schließlich war klar, dass die ältere Generation nicht ewig mitarbeitet. „Man hat immer gewusst, irgendwann wird es eine Neuorientierung geben“, sagt Bürgermeisterin Andrea Schweitzer. Nun muss sie Nachfolger finden. „Wir strecken schon alle Fühler aus“, sagt Schweitzer. Man werde die Suche schon bald intensivieren.

Doch für sie ist auch klar, dass nicht irgendein Gastronom den „Mittelpunkt von Landsberied“ übernehmen kann. Ein wichtiges Kriterium für die Gemeinde sei deswegen zum Beispiel ein gutes Miteinander mit den Vereinen, denn die Anlagen der Schützen und Kegler befinden sich im Haus. Mit den Vereinsvorständen gab es bereits eine Runde, in der thematisiert wurde, wie der Sport- und Vereins-Betrieb in der pächterlosen Zeit über die Runden gebracht wird.

Einen lückenlosen Übergang mit einem neuen Betreiber ab Mitte Oktober wird es wohl eher nicht geben, vermutet Schweitzer: „Wir gehen davon aus, dass eine Zeitlang geschlossen ist.“ Denn ein neuer Pächter könne ja nicht sofort parat stehen und müsse sich dann nach seinen Vorstellungen einrichten. Ein Wunschdatum für eine Neueröffnung ist das Jahresende oder das neue Jahr 2017. „Bedeutend wichtiger ist aber, dass der Wirt passt“, betont Schweitzer. (fd)

Kann ich mir die Bürger mal ausleihen?

Ein Dorf baut sich seine Wirtschaft: Die Gemeinschafsleistung der Landsberieder machte damals Schlagzeilen weit über den Brucker Landkreis hinaus. Tatsächlich beteiligten sich unzählige Bürger in 11 000 Arbeitsstunden am Bau der Gaststätte. Bei der Einweihung im Juni 2005 berichtete so unter großem Applaus der damalige Mammendorfer Bürgermeister und Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Hans Thurner: „Am Donnerstag haben wir VG-Bürgermeister das Bauwerk besichtigt und einer hat gefragt: ,Kann ich mir die Bürger mal ausleihen?’“ Im November 2004 war bekannt geworden, dass die Familie Aberger die Wirtschaft übernimmt. Sie hatte zuvor die Aubinger Einkehr in dem Münchner Stadtteil betrieben. Dass der Dorfwirt „Zum Dorfwirt“ heißt, geht übrigens auf einen Beschluss des Gemeinderats zurück, der am 5. August 2004 genau um 21.32 Uhr fiel (angesichts der Umstände berichtete das Tagblatt praktisch über jedes Detail.) Das Votum gegen die Bezeichnung „Dorfwirtschaft“ fiel damals mit 7:6 Stimmen. Der Begriff „Zum Landsberieder“ war vorher schon durchgefallen. Zuvor hatten sich 70 Prozent der Landsberieder in einem Bürgerentscheid für den Bau der Wirtschaft ausgesprochen. Zum Wirtshaus gehören ein Festsaal für 250 Leute, ein Biergarten, eine computergesteuerte Kegelanlage, ein Probenraum für den Männerchor und zwölf wettbewerbstaugliche Schießstände. (st)

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