Ein nur fast gewohntes Bild: OB Klaus Pleil mit Ehefrau Claudia beim Radln. Doch derzeit strengt das Strampeln das Stadtoberhaupt sehr an. Nach seinem Herzinfarkt im September ist er noch immer nicht ganz genesen. Foto: weber

Nach dem Herzinfarkt

Der lange Kampf des Brucker OB

Fürstenfeldbruck – Herzinfarkt, Schock, Angst, Reha. Diese vier Worte fassen die vergangenen Monate des Brucker OB Klaus Pleil (BBV) zusammen. Im September brach er zusammen und musste reanimiert werden. Seitdem ist er im Krankenstand, aber er will wieder ins Amt. Über einen, der sich zurück ins Leben kämpft.

 Auf den ersten Blick wirkt er fit. Wie er da in seiner leuchtend blauen Jacke in die Einfahrt von BBV-Kollege Fred Härtl einbiegt. Fast ist es ein gewohntes Bild: Der Brucker OB Klaus Pleil auf seinem Fahrrad. Ein schönes gewohntes Bild.

Doch Pleil ist grau geworden, die Wangen unter seinem Dreitagebart schmal. Das sieht man auch, obwohl er grinst, als er das Wohnzimmer betritt. Er nimmt sich einen der bereitgestellten Kekse vom Servierteller. Gut so. Der Appetit scheint da zu sein. „Einen Cappuccino“ hätte er gerne. Bekommt er natürlich von seinem BBV-Kollegen, der ihn zu sich eingeladen hat.

Ehefrau Claudia – Jeans, Bluse, freundliches Lächeln – setzt sich auf einen der Küchenstühle neben ihren Mann und rückt noch ein wenig näher an ihn ran. Auch für sie waren die vergangenen Monate hart. Doch sie ist eine starke Frau. Da muss man nicht zweimal hinsehen, um das zu erkennen.

Nach 16 Monaten im Amt hatte der gelernte Orthopädie-Schuhmacher Pleil im Herbst am Neusiedler See in Österreich einen Herzinfarkt erlitten. Zwei erfahrene Krankenschwestern reanimierten ihn. Danach wurde er in ein Krankenhaus gebracht und in ein künstliches Koma versetzt. An diese Zeit hat der OB keine Erinnerung. Erst später, als die Reha-Maßnahmen beginnen, setzt das Gedächtnis wieder ein. „Richtig erinnern kann ich mich an Weihnachten“, sagt er. Seine Stimme hört sich dünn an. Wie die von einem, der einen schweren gesundheitlichen Schlag durchgemacht hat eben. Auch heute habe er noch Schwierigkeiten, sich an alles zu erinnern, sagt Ehefrau Claudia. „Aber das wird stetig besser.“

Viel Hoffnung legen Pleil und seine Familie in die neue Therapie in einer Pasinger Tagesklinik, die diese Woche gestartet ist. „Das wird anstrengend für ihn, da haben uns die Ärzte schon gewarnt“, sagt Claudia Pleil und schaut ihrem Mann in die Augen. Man hat fast das Gefühl, die Zuversicht zu sehen. Auch, wenn der OB phasenweise noch sehr erschöpft wirkt. Welche Symptome er nach dem Herzinfarkt hat? „Ich bin einfach müde, das ist alles“, sagt er. „Und ich muss Muskeln aufbauen.“

Der Amtsarzt hat Klaus Pleil derzeit bis mindestens 31. Mai krankgeschieben. „Aber das wird sicher verlängert“, sagt Claudia Pleil. Auf einen Rückkehr-Zeitpunkt will sich die Familie nicht mehr festlegen. „Mal gibt es gute Tage. Dann kommen wieder schlechte Tage.“ Der OB nickt: „Das zieht einen gleich wieder runter.“ Seine Frau ergänzt: „Es geht immer auf und ab. Man muss sich einfach die Zeit geben, bis die Wellen kleiner werden und alles stetiger wird.“

Enormen Rückhalt erfährt der kranke OB bis dahin von seinem Stellvertreter Erich Raff (CSU). Der betont, so lange im Amt zu bleiben, bis Pleil den Chefsessel wieder einnimmt. „Das ist schön und für dich natürlich auch ein gutes Gefühl“, erklärt Claudia Pleil mit Blick auf ihren Mann. Der nickt und sagt mit fester Stimme: „Ich kenne den Erich ja schon ewig, auch vom Handball. Der macht das gut. Da mache ich mir gar keine Sorgen.“ Rein formal gesehen sei es so, dass der Amtsarzt Pleil so lange krankschreibt, wie die Therapie eine Aussicht auf Erfolg verspricht. „Aber wir brauchen keine Angst davor haben, dass sich der Zustand irgendwann nicht mehr verbessert“, sagt die Lehrerin.

Neben seiner Frau helfen dem OB auch seine Kinder, optimistisch zu bleiben. „Sie nehmen ihn oft mit raus, das tut allen gut“, erzählt Claudia Pleil. Sohn Sebastian (24) hat bereits vor mehr als einem Jahr die Führung des Schuhgeschäfts übernommen. Zusätzlich macht er gerade seinen Meister. „Er macht das gut, ich bin stolz auf ihn“, sagt Pleil. „Aber es ist schon hart. Für alle“, fügt seine Frau hinzu.

Der Herzinfarkt kam wie aus dem Nichts. „Für mich war es schon traumatisch. Weil es so überraschend kam, dass ich erstmal unter Schock stand. Das Bild, wie er weggekippt war, das geht einem nicht so schnell aus dem Kopf“, sagt Claudia Pleil. Auch die Kinder hat es schwer getroffen.

Angst vor einem weiteren Infarkt hat Pleil aber nicht. Er ist felsenfest entschlossen, wieder in sein Amt zurückzukehren. Auch das gibt ihm Kraft. Vor allem die Gestaltung des Viehmarktplatzes beschäftigt ihn. Infos über das politische Geschehen holt er sich aus der Zeitung oder von der BBV. Und auch die Fraktionskollegen geben ihm Rückendeckung. Weil auch sie wissen, dass Pleil sagt: „Ich komme wieder.“

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