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Schönes Platzerl: Alt-Bürgermeister Ernst Presser stiftete eine Bank, die unter dem prächtigen Baum aufgestellt wurde. Er sagt: "Es ist jammerschade, dass der Baum gefällt wird."

Fällung beschlossen

Die Linde: kerngesund und todgeweiht

Mittelstetten - Die Linde beim Kindergarten mache zu viel Dreck, sagt ein verärgerter Anwohner. Er stellte Antrag auf Fällung. Vor zwei Jahren noch entschied der Gemeinderat nach längerer Debatte: Der majestätische Baum bleibt stehen. Doch jetzt gaben die Räte nach, die Linde kommt weg.

Der stattlichen alten Linde gegenüber von Gemeindekanzlei und Kindergarten hat nun doch bald ihr letztes Stündlein geschlagen. Der Gemeinderat beugte sich jetzt mehrheitlich dem Willen eines Anwohners, der schon seit zwei Jahren auf eine Fällung drängt. Ihm zufolge ist der Baum für „schwarzen Dreck“ an seiner Hauswand verantwortlich und verstopfe durch Laub und Blüten die Dachrinne. Nur die SPD stimmte gegen den radikalen Schritt.

Dem Betrachter bietet der vermutlich schon vor über 50 Jahren gepflanzte, aber offensichtlich kerngesunde Blickfang derzeit ein prachtvolles Bild. Mit beiden ausgestreckten Armen kommt man nicht um den Stamm herum, die bis auf rund neun Meter Höhe reichende Krone steht in vollem Laub. Darunter lädt eine von Alt-Bürgermeister Ernst Presser gestiftete Bank zum Sitzen ein.

Von einer „Augenweide“ sprach in der Sitzung Evelyn Dürrmeier (SPD), der es „in der Seele leid tun“ würde, falls Hand an den Baum gelegt würde. Vor einem Präzedenzfall warnte Fraktionskollege Franz Ostermeier. Ihm fielen auf Anhieb drei oder vier andere stattliche, wenngleich noch nicht so hohe Bäume in Mittelstetten ein, die ihren Nachbarn ebenfalls ein Dorn im Auge seien. Für sie alle, auch die Linde an der Schulstraße, gelte, dass sie schon standen, bevor nebenan gebaut wurde.

Umgekehrt werde ein Schuh draus, fand Lorenz Karl (CSU): Bäume seien gepflanzt worden, obwohl schon bekannt war, dass dort ein Baugebiet entstehen werde. Parteifreund Hans Lais erinnerte daran, dass die Gemeinde als Eigentümer der kleinen Grünfläche auch zur Rücksichtnahme auf ihren Nachbarn angehalten sei. Dass ein erneuter Rückschnitt, wie bereits zwei Mal probiert, keine Dauerlösung sei, meinte dann Heinz Nebl (BU).

So sah es auch Bürgermeister Andreas Spörl (CSU): „Ein zugeschnittener Baum gibt noch mehr Gas.“ Und alljährlich einen Landschaftsgärtner kommen zu lassen, gehe auch ins Geld. Eine Linde könne bis zu 20 Meter hoch werden, sagte Spörl nach der Sitzung zum Tagblatt, es sei jetzt an der Zeit, planerisch tätig zu werden.

Er stellt sich eine Art „kleinen Park“ mit ein bis zwei Neupflanzungen vor. Pressers Ruhebank könnte versetzt werden, der ebenfalls dort stehende Gedenkstein zur Flurbereinigung an seinem Ort bleiben.

Schon vor zweieinhalb Jahren war der Gemeinderat dem Verlangen des Nachbarn gefolgt, hatte den Beschluss nach dem Protest einer weiteren Anwohnerin aber zurückgenommen. Die will, da seitdem ein Nachbarschaftskrieg geherrscht habe, heute nicht mehr aktiv werden.

von Olf Paschen

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