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Die Gemeinde müsste die 62 000 Euro, die eine sozialpädagogische Vollzeitstelle im Jahr mindestens kosten würde, selbst zahlen. Und zwar auch dann noch, wenn der Migrationsanteil irgendwann über die 20-Prozent-Marke klettert.

Probleme bei der Finanzierung

Sozialarbeiter: Schule muss warten

Maisach - Die Maisacher Grundschule braucht einen Schulsozialarbeiter – und zwar dringend. Doch bei Finanzierung und Zuschüssen gibt es Probleme. Deshalb muss die Schule warten.

Schulleitung, Kollegium und Elternbeirat hatten die fachliche Unterstützung bei der Gemeinde beantragt. Die wachsenden Probleme im sozialen Miteinander der Kinder könnten von den Lehrkräften allein nicht mehr bewältigt werden.

Damit die Schulsozialarbeit jedoch staatlich gefördert wird, muss der Migrationsanteil unter den Schülern bei mindestens 20 Prozent liegen – und das tut er in Maisach noch nicht. Zu Beginn des kommenden Schuljahres werden voraussichtlich 16 Prozent der 368 Grundschüler einen Migrationshintergrund haben. Das sind 18 Kinder weniger als erforderlich. Und das bedeutet, dass das Jugendamt keinen Bedarf an Schulsozialarbeit bescheinigen und demnach auch kein staatlicher Zuschuss fließen kann.

Die Gemeinde müsste die 62 000 Euro, die eine sozialpädagogische Vollzeitstelle im Jahr mindestens kosten würde, selbst zahlen. Und zwar auch dann noch, wenn der Migrationsanteil irgendwann über die 20-Prozent-Marke klettert. Denn wenn die Schulsozialarbeit einmal besteht, ist keine spätere Förderung durch den Freistaat mehr möglich – es sei denn, man würde das Projekt wieder für zwei Jahre aussetzen, was in den Augen der Gemeindeverwaltung unrealistisch wäre.

Gleichwohl ist man sich in der Gemeinde einig, dass die Sozialarbeit an der Grundschule in absehbarer Zeit eingerichtet werden muss. Dort kommt es offenbar unter den Kindern vermehrt zu aggressivem Verhalten und Selbstverletzung. Zudem leiden viele unter familiären Konflikten, Leistungsdruck und Sprachdefiziten. Immer mehr Eltern seien mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert, die Respektlosigkeit gegenüber Lehrkräften und anderen Erwachsenen nehme zu.

Es sind nicht nur Kinder mit Fluchthintergrund, die soziale Defizite haben, betont Bürgermeister Hans Seidl (CSU). Maisach verzeichne viel Zuzug aus dem europäischen Ausland, diese Kinder bräuchten ebenfalls Hilfe. Und nicht zuletzt hätten auch all diejenigen ohne soziale Defizite Anspruch auf einen konstruktiven Schulalltag.

Der Gemeinderat beschloss mit großer Mehrheit, dass im kommenden Schuljahr zunächst die beiden Sozialpädagogen der Gemeinde die Schule regelmäßig unterstützen und den genauen Bedarf eruieren sollen. Auf diese Weise könnten auch schon erste Problemstellungen aufgefangen werden, so Seidl.

Spätestens zu den Haushaltsberatungen im Herbst 2017 soll das Thema wieder auf den Tisch kommen. „Der Bedarf ist unausweichlich“, so Seidl. Die Gemeinde könne aber nicht „in vorauseilendem Gehorsam“ den Staat aus der Pflicht entlassen.

von Ulrike Osman

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