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"Ein Ding für die Ewigkeit"

Das wurde aus der Maximilianseiche

Maisach - Seit dem Jahr 1866 stand die Maximilianseiche an einer Stelle in Maisach, wo drei große Straßen zusammentreffen. 2014 musste sie Platz machen für einen Kreisverkehr. Aus dem Stamm hat Anton Schwarzmann aus Überacker jetzt ein Kunswerk geschaffen. Mit der Kettensäge

Viele Maisacher protestierten damals gegen die Fällung der Eiche. Doch der Gemeinderat argumentierte mit der Verkehrssicherheit und blieb bei seiner Haltung. Um die Gegner versöhnlich zu stimmen, sollte der Stamm erhalten bleiben – in Form einer Holzskulptur. Diese ist nun fertig und steht vor dem neuen Seniorenheim an der Lusstraße in Maisach.

Das zweite Leben der berühmten Maximilianseiche hat Anton Schwarzmann (29) erschaffen. Der Kettensägen-Künstler, Bio-Landwirt im Hauptberuf, war der Wunschkandidat von Bürgermeister und Gemeinderat. Trotzdem ging die Sache lange Hin und Her. Die erste Idee Schwarzmanns, drei einzelne Personen aus dem Holz zu machen, ging nicht auf – dafür war der Stamm mit vier Metern zu kurz. Ein Trio sollte es aber auf alle Fälle werden, seitdem feststand, dass die Skulptur vor dem neuen Seniorenheim und zugleich an den Schulen und mitten in der Gemeinde stehen soll.

Das ehemalige Naturdenkmal soll nun drei Lebensphasen in sich vereinen: Kindheit, Erwachsenenalter und Lebensausklang. Deshalb hat Schwarzmann das Ergebnis „Lebensbaum“ getauft. Er hatte dabei auch den gesellschaftlichen Hintergrund vor Augen: „Wir alle beobachten einen fortschreitenden Egoismus der einzelnen Generationen. Dabei müsste man doch zusammenhalten.“ Der Landwirt bezieht seine Arbeit aber auch auf die Natur: „Bei einem Baum ist es ja so: Was der Großvater gepflanzt hat, kann der Enkel ernten.“

Um die sich wandelnden Beziehungen der Generationen deutlicher zu machen, schwebten dem 29-Jährigen dann drei einzelne Köpfe vor, auf Stangen montiert und zueinander drehbar. Doch das gefiel dem Bürgermeister nicht. Und weil Schwarzmann kein vergeistigter Künstler ist, sondern eben ein Mann der Tat, setzte er die Skulptur so um, wie sie gewünscht wurde: alle drei Lebensalter in einem Stamm.

Drei Figuren zeigen drei Lebensalter

In Richtung Mittel- und Realschule blickt ein kleines Mädchen. Zöpfe umranden ihr rundes Gesicht mit dem staunenden, offenen Blick. In der einen Hand hält sie einen Teddybären, die andere schließt sich fest um die Hand eines Mannes. Er ist groß, breitschultrig und wirkt voller Elan. Die Ärmel hochgekrempelt, den Gürtel fest zugezogen blickt der Erwachsene ernsthaft in Richtung Ortsmitte. Er steht sicher voll im (Arbeits-)Leben.

Das hat ein alter Mensch längst hinter sich – und es hat ihn geprägt, das zeigt nicht nur die leicht vorgebeugte Haltung mit dem krummen Rücken, sondern auch der Gehstock, auf den sich der Senior stützt und zum Altenheim schaut. Ob diese Figur, bekleidet mit Hose und Strickjacke, ein Mann oder eine Frau ist, bleibt offen – wie im echten Leben verschwimmen die Grenzen im Alter. „Es war sehr schwierig, einen typischen Körper- und vor allem den Gesichtsausdruck für jede Generation herauszuarbeiten“, sagt Anton Schwarzmann.

Er hat nur mit der Kettensäge gearbeitet. Nägel, die im Stamm steckten und fast jede Sägekette ruinieren, erschwerten die Arbeit zusätzlich. Außerdem natürliche Verletzungen des Holzes: Bei einem Unfall muss irgendwann einmal ein Auto in den Baum gekracht sein – Anton Schwarzmann musste um die tiefe Kerbe herumplanen. Und am Kopf-Ende des Erwachsenen wuchs ein Ast, auch das war eine natürliche Einschränkung.

Immer wieder stört der Baum

Wie lange Schwarzmann an der Skulptur gearbeitet hat, kann er nicht genau sagen. „Erst bin ich tagelang immer wieder um den Stamm gekreist und habe überlegt.“ Dann wurde mit Spraydose und Kreide vorgezeichnet, schließlich immer gesägt, wenn die Landwirtschaft ihm Zeit ließ. Ein paar Stunden abends, ein paar Wochen lang. Die feinen Schnitte etwa an den Nasen werden zum Schluss mit so genannten Carvingschwertern gestaltet – schmale Schneidwerkzeuge, die an die Motorsäge gesteckt werden.

Mit dem Ergebnis ist der 29-Jährige, übrigens ein Bruder der Kabarettistin Martina Schwarzmann und natürlich auch sonst weit verzweigt verwandt mit der Überackerer Familiendynastie, zufrieden. „Das ist eigentlich ein Ding für die Ewigkeit“, sagt er über sein Werk. Das Holz der Eiche habe ein hohe Widerstandskraft. Sobald es mal länger trocken bleibt, wird er die Skulptur zudem noch einölen. Er hat auch alles so gesägt, dass alles Regenwasser abfließen kann und sich nirgendwo in Kuhlen etwas staut. Nur die jungen Bäume, die direkt hinter der Skulptur gepflanzt wurden, könnten dem Kunstwerk irgendwann, wenn sie sehr groß sind, gefährlich werden.

von Helga Zagermann

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