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Lustwandeln im Getreidefeld: Der Kornkreis in Mammendorf lockt zahlreiche neugierige Besucher in den Landkreis Fürstenfeldbruck. 

Mammendorf im Ausnahmezustand

Mysteriöser Kornkreis: Auf dem Feld war der Teufel los

Mammendorf - Am Samstag hat der mysteriöse Kornkreis wieder viele Esoteriker und Neugierige nach Mammendorf gelockt. Auf dem Feld war der Teufel los, einer hat sogar sein Bett mitgenommen. 

Ein Bett im Kornfeld? Für viele bleibt das ein von Jürgen Drews dahingesäuselter Traum. Nicht so in Mammendorf. Als Florian Huber, Junglandwirt aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck, am Freitagmorgen zu seinem Getreidefeld kommt, tragen gerade zwei Menschen ein Holzbett aus dem Feld. Der 20-Jährige erzählt das mit einem Schmunzeln. Seit Unbekannte einen spektakulären Kornkreis in das Feld hinter dem Baggersee gezaubert haben, ist in Mammendorf nichts mehr wie es war.

Geschäftsidee: Bäckermeister Werner Nau bäckt ein energetisch aufgeladenes Kornkreislaiberl.

Anfang letzter Woche wurde Nebenerwerbslandwirt Josef Huber, Florians Vater, verständigt, dass einige Menschen in seinem 14 Hektar großen Weizenfeld herumlaufen. „An einen Kornkreis habe ich da überhaupt nicht gedacht“, erzählte der 47-jährige am Tag danach. Dann ging es Schlag auf Schlag: Die Nachricht vom gesichteten Kornkreis verbreitete sich über die sozialen Netzwerke und sämtliche Medien rasend schnell. Seither pilgern Ufo-Gläubige, Esoteriker, aber auch ganz normale Menschen von Nebenan zum Mammendorfer Kornkreis. Sie kommen aus den benachbarten Landkreisen, aus Österreich, aus der Schweiz – oder von noch viel weiter her.

Anfangs war Josef Huber wenig begeistert. Er stellte Strafanzeige bei der Polizei, schließlich droht ihm ein Ernteverlust von bis zu 4000 Euro. Aber mittlerweile hat er sich mit der kuriosen Situation arrangiert – und versucht das Beste daraus zu machen. Er hat eine Spendenkasse aufgestellt, verkauft Ansichtskarten von den Aufnahmen einer Kameradrohne – und seine Verwandten haben zwei Hebebühnen herangeschafft, auf denen man für acht Euro den Kornkreis aus 25 Metern Höhe bestaunen kann. Man muss sich eben zu helfen wissen in so einer ungewöhnlichen Situation.

Die Kornkreis-Maschinerie läuft in Mammendorf: Es gibt sogar schon ein Energie-Brot

Auch Bäckermeister Werner Nau aus Mammendorf hat sich von dem Kornkreis inspirieren lassen. Seine Idee: das original Kornkreisbrot. Der Innungsobermeister tüftelt derzeit an einem „Broto-Typ“, sprich am energetisch aufgeladenen Kornkreislaiberl. Ein Weizenvollkornmischbrot soll es werden, 500 Gramm schwer. Fünf Euro soll es kosten. Er will es nicht nur in seinen fünf Filialen verkaufen, sondern auch über das Internet. „Innerhalb von 15 Stunden hatte ich schon über 60 Bestellungen“, erzählt der Bäckermeister.

Das befürchtete Parkchaos rund ums Kornkreisfeld blieb derweil am Wochenende aus. Die angrenzenden Feldwege wurden vom örtlichen Bauhof vorsorglich abgesperrt – auch die Polizei schaut regelmäßig nach dem Rechten. Auf dem nahegelegenen Parkplatz des Mammendorfer Freibads können die Besucher ganz entspannt parken – entlang einer Verbindungsstraße stehen Halteverbotsschilder – es wurden weißrote Absperrbänder gespannt um Wildparker keine Chance zu geben.

Kornkreis in Mammendorf: So ging es am Samstag zu

Josef Huber und sein Sohn Florian halten am Feldrand quasi rund um die Uhr die Stellung. Mit ihrer Präsenz wollen sie vermeiden, dass die ganze Sache aus dem Ruder läuft. „Der Burschenverein Grunertshofen hat uns einen Bauwagen hergestellt, darin halten wir, gegen eine kleine Spende, Erfrischungsgetränke bereit“, sagt Florian Huber.

Auf dem Kornfeld der Hubers ist der Teufel los

Und die werden gebraucht, denn auf dem Feld der Hubers ist der Teufel los. Die Kornkreise haben eine ganz eigene Fangemeinde. Dietmar aus Augsburg hat in den vergangenen Jahren schon die Kornkreise in Andechs, Raisting und Alling besucht. Von dem Mammendorfer Feld ist er begeistert. „Es war wunderbar – ich lag im Feld und spüre jetzt ein inneres Lächeln, ein befreiendes Gefühl“, sagt der 67-Jährige. Loretta Steinhäuser gönnt sich die Fahrt mit der Hebebühne. Sie ist überzeugt: „Der Termin der Entstehung ist kein zufälliger, jetzt beginnt ein neues planetarisches Zeitalter, das neue Zeichen steht für Frieden und Freiheit.“ Der Kornkreis, ein Magnet für Esoterik-Anhänger.

Josef Huber stört das nicht. „Die sind alle ganz friedlich und freundlich. Und es gibt auch ganz viele, die einfach die Neugier hertreibt.“ Mitte der Woche wird der Spuk aber vorbei sein. „Wir müssen dreschen, dann wird auch der Kornkreis abgemäht.“ Bald sind sie vorbei, die Nächte mit dem Bett im Kornfeld.

Angi Kiener

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