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Außergewöhnlich groß und kunstfertig: Der Kornkreis hinter dem Mammendorfer See.

Die Menschen kommen in Scharen

Plötzlich war der Kornkreis da

Mammendorf - Ein Kornkreis in Mammendorf wird zum Ziel für  Ufo-Gläubige, Esoterik-Anhänger und Neugierige. Wie kam das Gebilde auf das Feld? Mehrere Theorien kursieren.

Er ist riesig – und bereits kurz nach der Entdeckung ein Publikumsmagnet. Der Besitzer hat seine ganz eigene Art gefunden, mit dieser mysteriösen Geschichte umzugehen.

Es ist Montag, kurz vor 16 Uhr, als Nebenerwerbslandwirt Josef Huber mitbekommt, dass irgendetwas auf seinem 14 Hektar großen Weizenfeld hinterm Baggersee vor sich geht. „An einen Kornkreis habe ich gar nicht gedacht, da waren wir dann doch sehr überrascht“, sagt der 47-jährige Mammendorfer. Nachricht und Fotos verbreiten sich in Windeseile in den sozialen Netzwerken. Bald tauchen die ersten Besucher auf.

Der Kornkreis in Mammendorf zeigt ein blumig anmutendes Gesamtbild mit 3D-Wirkung. Er misst 180 Meter im Durchmesser und ist damit etwa dreimal so groß wie der Kornkreis im Sommer 2015 in Biburg bei Alling. Bauer Huber ist zuerst wenig begeistert. Großflächig ist das Korn niedergedrückt. Es wird wohl Ernteausfälle geben. Deshalb hat er auch Strafanzeige bei der Brucker Polizei wegen Sachbeschädigung gestellt. Auch jeder Besucher, so Inspektionssprecher Michael Fischer, mache sich streng genommen dieses Vergehens schuldig.

Doch Josef Huber ist kein Spielverderber. Inzwischen hat er sich mit der Situation abgefunden – und macht das Beste draus. Kurz nach Mittag sitzt er am Dienstag ziemlich entspannt im blau-weiß karierten Hemd und kurzer Hose mit Sohn Florian (17) auf einer Bierbank am Feldrand. Zwischen den beiden steht eine Kiste Limo. Die zwei wollen Präsenz zeigen, damit die Situation auf dem Feld nicht ausufert. Und falls jemand Gefahr läuft, wegen der Hitze zu dehydrieren, helfen sie mit Getränken aus.

Eine Spendenkasse haben sie auch aufgestellt und eine Schneise ins Feld gemäht, damit die Besucher nicht alles niedertrampeln. Huber rechnet mit einem Ernteverlust von bis zu 4000 Euro. Mit ein paar Spenden von den Besuchern könnte er den aber decken. „Die meisten zahlen unaufgefordert mehrere Euro“, hat Polizeisprecher Fischer aus dem Augenwinkel beobachtet. Rund um das Feld sind Schilder aufgestellt, die die Besucherbahnen lenken sollen. Huber hat allerdings festgestellt: „Die Leute sind eigentlich recht vernünftig; es sind überwiegend anständige nette Menschen.“

Kornkreis in Mammendorf: "Jetzt werden wir berühmt"

Als ein Einheimischer vorbeikommt, meint er scherzhaft: „Jetzt hat auch Mammendorf einen Stempel aus dem All, jetzt werden wir berühmt.“ Aus ganz Europa strömen Menschen bereits nach Mammendorf, um sich den Kornkreis anzuschauen. Wolfgang Blum, ebenfalls aus Mammendorf, hat die Neugier zum Kornkreis getrieben. „Aber ich fühle mich nach dem Besuch genauso normal wie vorher.“ Landwirt Huber hat beobachtet, wie sich die Menschen im Feld niederknien und meditieren – ihm hingegen brennt die Zeit unter den Nägeln. „Ich hätte gerade genug Arbeit auf den Feldern.“

Robert Alcazane, ein Wahrsager aus München, ist davon überzeugt, dass der Kornkreis ein Geschenk von Oben ist, das man annehmen müsse. „Das bestätigt mir, was ich eh schon weiß, und es macht mich stolz.“ Kein Mensch und keine Maschine bekämen das hin. „Ich werde gestärkt aus diesem Feld herausgehen.“ Im Zentrum des Symbols im Kornfeld sitzen Christine aus Gomera, Daniela aus dem Kreis Wolfratshausen, die Musiklehrer Martina und Wolfgang sowie Naturfotografin Christine. Vor ihnen liegen Kristalle und ein Lavastein. „Ich mache extra Urlaub im Fünf-Seen-Land und bin vor einigen Tagen aus Gomera angereist, weil wieder Kornkreiszeit ist“, sagt Christine. Musiklehrer Wolfgang hatte im Vorfeld gespürt, dass es bald so weit sein würde: „Ich fühlte das schon seit Juni.“

Naturfotografin Christine meint: „Hier kann ich aus dem Vollen schöpfen, es stimmt mich friedlich und froh, hier zu sein.“ Für den Mammendorfer Bauhofleiter Robert Zauser und seine Kollegen ist dieses meditativ-friedliche Umfeld mit Mehrarbeit verbunden: „Wir müssen die Zuwegung absperren und den Parkplatz beim Freibad beschildern, damit das Ganze hier nicht aus dem Ruder läuft.“ Das hatte die Polizei angeordnet. Denn: Nach Absprache mit Landwirt und Bürgermeister wurde klar, es sei das Beste, die Besucher zum großen Parkplatz am Freibad zu lotsen. „Sonst gibt’s ein Riesenchaos auf den Feldwegen. Wir müssen das Ganze kanalisieren“, sagt Polizeisprecher Fischer, der am Vormittag bereits selbst beim Kornkreis war. „Ich fühle mich jetzt richtig inspiriert“, sagt er lachend.

Vor einem Jahr tauchte bereits ein Kornkreis in Biburg auf

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, als ein Landwirt in seinem Weizenfeld in Biburg einen Kornkreis entdeckte – einen achtstrahligen Stern. Auch damals kamen die Menschen in Scharen, um das Kunstwerk zu betrachten und die Magie des Ortes zu spüren – und zwar nicht nur aus der näheren Umgebung. Der Bauer hatte eine Kasse aufgestellt, in der die Besucher offenbar großzügig einzahlten. Denn am Ende reichten die Einnahmen, um den Ernteverlust zu decken. Nach zwei Wochen wurde das Feld abgemäht. Auch 2008 hatte es in Alling einen Kornkreis gegeben.

In der Mammendorfer Verwaltung laufen bereits die Telefone heiß. Alle wollen wissen, wo der Kornkreis liegt. Interessierte aus der gesamten Bundesrepublik wollen Anfahrtsbeschreibungen und Parktipps von den Sekretärinnen. Sobald der Hörer wieder aufliegt, klingelt es weiter. Auch etliche Kleinflieger sollen bereits vom nahen Flugplatz in Jesenwang übers Feld geflogen sein, erzählt Michael Fischer. Zudem haben sich Medien aus ganz Deutschland in Mammendorf angekündigt. Ein Interessent habe sich durch alle Hubers in Mammendorf, die im Telefonbuch stehen, geklingelt. Dort sind über 20 Einträge mit diesem Namen verzeichnet. 

Ist der Kornkreis doch eine ganz irdische Kunst?

Wer für Kornkreise verantwortlich ist, bleibt rätselhaft. Bisher sind die Macher solcher Kunstwerke nur in seltenen Fällen erwischt worden. Es scheint, als seien die Ähren von Geisterhand zu Boden gedrückt. Oft oft fehlen sogar Fußabdrücke. Viele glauben an übernatürliche Kräfte oder gar Aliens im Weizenfeld. Frank Peters vom Forum für Grenzwissenschaften und Kornkreise allerdings ist sich sicher, dass die Macher irdischer Natur sind.

„Heutzutage ist das ziemlich leicht. Daheim am PC wird das Muster ausgewählt oder erstellt, dann kommt GPS ins Spiel.“ Mit Koordinaten und Smartphone findet man im Feld die Mittelpunkte der Kreise. „Da stellt sich einer hin, hält das Ende eines Seils fest, während ein anderer mit dem anderen Ende des Seils in der Hand um ihn herum läuft. Dadurch entstehen diese gleichmäßigen Kreise. Die Ähren werden meist mit Hilfe von Holzlatten zu Boden gedrückt“, erklärt Peters.

Meistens, sagt der Experte, entstehen die Kreise bei Nacht, damit die Macher nicht erwischt werden. Meistens seien ganze Gruppen am Werk, so Peters. „Bei der Größe des Mammendorfer Kornkreises waren es auf jeden Fall vier bis sechs Leute. Sonst schafft man das nicht.“ Oder es waren doch Aliens.

Damit sich Bade- und Alien-Fans am Wochenende übrigens nicht in die Quere kommen, stellt die Polizei Regeln auf.

Spektakuläre Luftaufnahmen des Kornkreises in Mammendorf

Mysteriöser Fund in Oberbayern: Riesiger Kornkreis in Mammendorf entdeckt

Bilder aus dem Kornkreis in Mammendorf

Bilder aus dem Kornkreis in Mammendorf

akk/can

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