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Justitia vor Gericht

Verhandlung am Strafgericht

Messer-Attacke auf den Nachbarn

Puchheim – Ein 24-Jähriger hat im vergangenen Juli seinen Nachbarn (36) niedergestochen. Jetzt steht der Täter vor Gericht.

 Karl B. (36) leidet bis heute unter dem, was ihm am Morgen des 27. Juli vorigen Jahres passiert ist. Aus der Nachbarwohnung in Puchheim klangen den ganzen Abend und auch in der Nacht laute Klopfgeräusche. „Wie mit einem Meißel“, sagt er. Beim Frühstück fing es schon wieder an. Deshalb ging er rüber zum Nachbarn, klopfte und klingelte.

Da schoss der Nachbar aus der Tür, packte ihn von hinten, rang ihn zu Boden, sprühte ihm Pfefferspray ins Gesicht und stach sieben Mal mit einem Brotmesser auf ihn ein – einmal auch in die Lunge. Nur eine Notoperation rettete Karl B. das Leben.

Der Angreifer Dorian W. (24) ist seit dem 28. Juli im Isar-Amper-Klinikum München-Ost untergebracht, weil er vermutlich unter einer psychischen Krankheit leidet. Seit gestern muss er sich allerdings wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht München II verantworten. Er äußerte sich bisher nicht zur Tat.

Aus einem Brief an seine Mutter geht hervor, wie Dorian W. die Ereignisse in Erinnerung hat. Darin heißt es, dass der Nachbar mit beiden Fäusten gegen die Tür geschlagen und Sturm geklingelt habe. Dann habe ihm Karl B. unversehens mit der Faust aufs Auge geschlagen – und ihn in den Würgegriff genommen. „Ich musste mich wehren“, beteuert W. Die Freundin von B. habe geschrien: „Bald bist du wieder in Haar.“ Und auch eine weitere Frau habe gesagt: „Bald wirst du wieder einchecken.“

Die Anklage der Staatsanwaltschaft geht jedoch von keinem Angriff durch Karl B. aus. Vielmehr soll Dorian W. aus der Wohnung gestürmt sein und mit Pfefferspray hantiert haben. Dann habe er sich auf den 36-Jährigen gesetzt und geschrien: „Du Sau, ich bring dich um!“

Mit einem 15 Zentimeter langen Brotmesser stach er mehrfach auf den Oberkörper seines Opfers ein. Dieses erlitt mehrere Stichwunden an den Oberarmen, eine am Oberschenkel und eine am Mundwinkel. Am schlimmsten war der Stich in den Brustkorb, der die Lunge eröffnete. „Ich konnte nicht mehr atmen“, sagt Karl. B. „Ich wusste, dass es zu Ende geht, wenn keiner kommt.“ Zum Glück kam aber jemand. Zwei Nachbarn eilten zur Hilfe und überwältigten den Messerstecher.

Noch heute hat der Systemingenieur Probleme mit der Lunge. Und als er die Vorladung zum Gerichtsprozess bekommen hat, ist er in eine Krise geraten. Er kann sich an seinem Arbeitsplatz nicht mehr konzentrieren und ist deshalb krankgeschrieben.

Der Angeklagte berichtete im Prozess nur über seinen Lebenslauf. Immer wieder war dieser von Nachbarschaftsstreits durchzogen. So brach er auch das BWL-Studium an der Fachhochschule München nach zwei Semestern wegen Nachbarschaftsstreitigkeiten ab. „Das war mir ein bisschen zu viel.“ Im Dezember 2013 folgte die Einweisung in die Psychiatrie, wo er ein halbes Jahr bleiben musste. Anschließend habe er ein Jahr lang nach einer Einrichtung gesucht, in der er unterkommt, um seine Auflagen zu erfüllen. In einem Berufsbildungswerk hätte er schließlich im September 2015 seine Ausbildung als Büromanager oder in der IT beginnen können.

Doch soweit kam es nicht, denn im Juli stach er auf Karl B. ein. Zwar war er im Juli 2014 extra nach Niederbayern gezogen, „damit in Puchheim nichts mehr eskaliert“. Dennoch war er häufig bei seiner Mutter in Puchheim – bis es eben doch wieder eskalierte. Der Prozess dauert an.

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