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Möglichst ohne Plastik sollen Wurst und Fleisch der Metzgerei zu den Kunden heim gelangen. Walburga Jais forciert das Mitbringen eigener Behältnisse. Für Vergessliche hält sie Tüten bereit.

EU will Verbrauch reduzieren

15 Millionen Plastiktüten pro Jahr im Kreis: Das ist zu viel

Landkreis - Teilweise wird die EU-Initiative im Kreis bereits umgesetzt. Dennoch sind es immer noch zu viele Plastiktüten, die pro Jahr bei uns verbraucht werden.

Tasche statt Tüte: Die EU will den Verbrauch von Plastiktüten in den kommenden Jahren stark reduzieren. Im Landkreis versuchen viele Geschäfte schon lange aus eigener Initiative, die Kunden zum Plastik-Sparen zu motivieren. Trotzdem werden im Kreis Bruck jedes Jahr 15 Millionen Tüten verbraucht.

Die Verkäuferin packt die Waren zusammen und steckt sie ungefragt mit der Rechnung in eine frisch aufgefaltete Plastiktüte. Noch immer für viele ein fast selbstverständliches Szenario an Kassen. Immer mehr Geschäfte lehnen das aber ab. Damit praktizieren sie etwas, was die Europäische Union nun zur Pflicht für alle machen möchte: 2019 soll jeder EU-Bürger pro Jahr nur noch 90 statt momentan 198 Plastiktüten nutzen. Bis 2025 soll diese Quote auf 40 gefallen sein.

Zum Vergleich: 71 Plastiktüten pro Einwohner waren es 2015 in Deutschland. Was nach wenig klingt, ist zusammengenommen eine ganze Menge. Ab April sollen 60 Prozent aller Tüten im Einzelhandel Geld kosten – der Umwelt zuliebe.

Insgesamt werden im Landkreis pro Jahr 15 Millionen Tüten verbraucht. Die meisten landen auf dem Wertstoffhof – wie die von Alexander Roth.

In allen Supermärkten des Ampereinkaufszentrums (AEZ) sind seit langem an der Kasse Tüten kostenpflichtig. Außerdem sind sie aus Zuckerrohr gefertigt, wie eine Mitarbeiterin erklärt: So seien die Behältnisse kompostierbar. Außerdem, so erklärt sie, sind leere Kartons, in denen Waren angeliefert wurden, bei den Kunden für den Heimtransport ihrer Einkäufe begehrt.

Etwa die Hälfte aller AEZ-Kunden bringt ihre Taschen. Körbe und so weiter allerdings ohnehin mit. Worüber man hinwegsieht: Einige funktionieren die kostenlosen durchsichtigen Folientüten aus der Obst- und Gemüseabteilung zu Tragetaschen um. Echte Gratis-Tüten gehören auch im Drogeriemarkt dm längst der Vergangenheit an. Die Brucker Filialleiterin Sonja Meyer weiß, dass auch dort viele ihre Taschen dabei hätten. Wer nicht, muss sich an der Kasse eine Plastiktüte kaufen.

Was in großen Supermärkten und Drogerien funktioniert, ist in kleineren oftmals eine knifflige Geschichte. Auch in der Landmetzgerei Jais will man Plastiktüten sparen. Walburga Jais fürchtet allerdings, dass es im Einzelhandel Kunden eher verschrecken als belehren würde, wenn sie für einen Plastikbeutel zahlen müssten.

In der Landmetzgerei hält man die Kunden deshalb schon lange dazu an, ihre eigenen Transportboxen und Taschen mitzubringen. „Unsere Produkte sollen so natürlich wie möglich sein – da kann man doch nicht zum Schluss wieder auf Plastik zurückgreifen!“

Robert Heidenreich vom AWB wünscht sich nur, dass die Sortierlaune mancher Bürger beim Abgeben besser wäre.

Trotzdem erlebt es Walburga Jais immer wieder, dass eine Plastiktüte verlangt wird. Das käme daher, dass viele Käufer zu wenig aufgeklärt seien oder einfach vergessen hätten, eine Box mitzubringen. Der Großteil ihrer Kunden sei aber vorbildlich und brächte Schüsseln und Tupperware mit in den Laden. Gerade auf dem Bauernmarkt in Fürstenfeldbruck hätten fast alle Körbe, Baumwollbeutel oder Brotzeitboxen dabei. „Gerade wer beim Bauern kauft, will auch auf Plastik und Müll verzichten“, meint Walburga Jais: Diese Kunden würden sich bewusst mit der Umwelt auseinandersetzen.

Doch selbst, wer eine Einkaufstasche dabei hat, kommt oft nicht ohne Plastik nach Hause. Viele Waren sind bereits verpackt, wenn nicht gar eingeschweißt. Diese Verpackungen müssen dann richtig entsorgt werden. Also ab auf den Wertstoffhof. 19 große gibt es im Landkreis – und 22 Kunststoffsammelstellen. Aus den gesammelten Altmaterialien lassen sich neue Plastikprodukte machen. Auch die riesigen Säcke, in denen der Folienmüll gesammelt wird, sind aus recyceltem Material. Auch die Industrie nutzt den Rohstoff.

Plastikmüll kann aber auch zur Wärmeerzeugung verbrannt werden, etwa im Heizkraftwerk Geiselbullach. Dort landen auch die Plastiktüten, die Bürger einfach als Abfalltüten verwenden. Dass Plastikmüll einfach wild in der Landschaft entsorgt wird, kommt kaum noch vor. Das erklärt Barbara Steinmetz vom Abfallwirtschaftsbetrieb im Landkreis (AWB).

von Maria-Mercedes Hering

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