Nach 18 Jahren als Rathauschef: Hubert Jung im Interview

Eichenau – In Eichenau geht eine Ära zu Ende: Bürgermeister Hubert Jung leitet zum letzten Mal die Gemeinderatssitzung. Nach 5845 Tagen als Rathauschef hört der 63-Jährige aus Altersgründen zum 31. August auf. Im Tagblatt-Interview blickt Jung auf 18 ereignisreiche Jahre zurück und verrät, was er in Zukunft geplant hat.

Herr Jung, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Amtstag am 1. September 1998?

Huber Jung: Nur an die Schlüsselübergabe. Mein Vorgänger Sebastian Niedermeier hat mir um 8 Uhr im Sitzungssaal die Original-Rathausschlüssel übergeben, es wurde ein Foto gemacht. Es war also mehr als nur ein symbolischer Akt.

Ihr Vorgänger war ebenfalls 18 Jahre im Amt. Als wie groß haben Sie damals dessen Fußstapfen empfunden?

Jung: Jeder hinterlässt Spuren, der so lange im Amt war. Sebastian Niedermeier hat zum Beispiel mit der Budriohalle und im Sport viel bewegt. Als Last habe ich diese Verdienste nie empfunden. Ich habe von Anfang an versucht, meine eigene Linie zu finden. So habe ich mir bis heute die Freude am Amt erhalten.

Wie sehr hat Sie dabei ihre Familie beeinflusst und unterstützt?

Jung: Da habe ich immer großen Rückhalt bekommen. Meine Frau Angelika hat das von Anfang mitgetragen, und dafür empfinde ich große Dankbarkeit. Meine Frau ist aber auch selbst in der Gemeinde sehr präsent, engagiert sich ehrenamtlich. Da habe ich von ihr auch viele wertvolle Rückmeldungen zum Beispiel zu politischen Entscheidungen bekommen.

1992 unterlagen Sie noch Niedermeier. Was hat Sie bewogen, im Jahr 1998 wieder für das Amt zu kandidieren?

Jung: Ich war seit 1990 im Gemeinderat. Da habe ich echte Begeisterung für die Kommunalpolitik entwickelt, vor allem in den Jahren als Fraktionsvorsitzender und später als zweiter Bürgermeister von 1996 bis 1998. Aber bereits während meines Jurastudiums hat mich die Verbindung zwischen juristischer Theorie und politischer Praxis fasziniert. Bis 1998 war es dann sehr spannend, zu erleben, was eine gute Umsetzung bewirken kann. In einer Gemeinde wie Eichenau spürt man das sehr unmittelbar durch den Kontakt zum Bürger. Davon bin ich heute noch immer begeistert. So gesehen hat sich für mich als Bürgermeister nicht viel geändert.

Eine Ihrer ersten Entscheidungen war ...

Jung: … den Rathaushof für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Vor 18 Jahren war der Rathaushof mit Mauer und Tor gesichert. Abends wurde sogar abgesperrt. Für mich aber war ein offenes Rathaus im übertragenen Sinne immer wichtig. Deshalb habe ich die Öffnung des Platzes veranlasst, auch für Veranstaltungen. Die heutige Bebauung des ehemaligen Feuerwehrgrundstücks wäre ohne den Zugang von der Hauptstraße her ohnehin nicht denkbar.

Zu Anfang seiner Karriere: Hubert Jung im Kreise von CSU-Mitgliedern, darunter auch Gerda Hasselfeldt (l.).

Das neue Feuerwehrgerätehaus (2010), die Öffnung der Bahnunterführung (2001), das evangelische Pflegezentrum (2006) – viele Projekte sind in Ihrer Amtszeit angestoßen und vollendet worden. Wie sehr hat es Sie bewegt, bei solchen Ereignissen dabei gewesen zu sein?

Jung: Meistens war ich bei der Vollendung eines solchen Projektes in Gedanken bereits bei der nächsten Entscheidung. Im Rückblick betrachtet, hätte ich für mich vielleicht in dem einen oder anderen Moment ein wenig mehr innehalten und ihn mehr genießen können. Ergreifend waren all diese Ereignisse aber auf jeden Fall, auch wenn in manchen Fällen eher Anekdoten in Erinnerung geblieben sind.

Zum Beispiel?

Jung: Bis zur Eröffnung der Bahnunterführung hat es 30 Jahre gedauert. Da war die Erwartungshaltung der Bevölkerung bei der Einweihung sehr groß. Die Gemeinde hatte aber nur ein Fass Bier organisiert. Gott sei Dank kam unmittelbar nach dem offiziellen Teil der Feier ein Gewitter. Da haben die meisten Besucher gar nicht bemerkt, dass das Bier längst ausgegangen war.

Auch in solchen Situationen hilft Ruhe. Als Motto haben Sie einmal genannt: „Gott gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine von dem anderem zu unterscheiden.“ Wie lässt sich das als Bürgermeister tatsächlich verwirklichen?

Jung: So selbstverständlich dieses Motto sein sollte, es liegt eine tiefe Weisheit darin. Dieses Motto bedeutet mir sehr viel. Allerdings muss ich zugeben, dass erst mit einer gewissen Erfahrung Gelassenheit hinzukommt. Als Neuling im Amt tut man sich da schwerer, man will beschleunigen, vorantreiben.

Gelassenheit, bei der Bahn und der Post ist eher eine schwere Kunst, oder?

Jung: Ja, jedenfalls beim Thema S4-Ausbau, das viele Ordner füllt. Mit der Bahn zu verhandeln, war bisweilen ernüchternd. Deshalb hat die Gemeinde die Initiative ergriffen und den Bahnhof mit hohen staatlichen Fördermitteln selbst gebaut. Die Post war zumindest immer um Ersatzlösungen bemüht. So wie sich die derzeit präsentiert, ist es in Ordnung – auch wenn immer noch viele der guten alten Post nachtrauern.

Konstruktiver war und ist die Zusammenarbeit mit den Kirchen.

Jung: Sowohl zur evangelischen als auch zur katholischen Kirche besteht ein gutes Verhältnis. Das habe ich in den 18 Jahren als Bürgermeister nicht anders erlebt.

Die katholische Schutzengelkirche ist zudem rein örtlich Nachbar ...

Jung: Ja, das hat sich vor allem bei der gemeinsamen Umgestaltung des Kirch- und Marktplatzes als positiv erwiesen. Das war ein spannendes Projekt. Pfarrer Albert Bauernfeind und sein Team haben das sehr engagiert begleitet. Sein Nachfolger Martin Bickl hat das gute nachbarschaftliche Verhältnis nicht nur übernommen, er hat es in der gleichen Weise weiter gepflegt. Der kurze Dienstweg zwischen Kirche und Rathaus funktioniert, im räumlichen wie im politischen Sinn.

Lässt das Alltagsgeschäft persönlichere Beziehungen zu solchen Nachbarn oder zu Amtskollegen überhaupt zu?

Jung: Es entstehen zumindest gute, manchmal auch freundschaftliche Kontakte, weil man sich immer wieder trifft. Bei den Kollegen aus den Nachbarkommunen oder im Gemeindetag habe ich es als sehr angenehm empfunden, dass Parteipolitik eine untergeordnete Rolle spielt und die Sache im Vordergrund steht.

Wie war die Zusammenarbeit im Gemeinderat?

Jung: Aus meiner Sicht gut und konstruktiv, ich habe die Sitzungen immer gerne geleitet. Auch die Diskussionskultur war in all den Jahren gut. Verändert hat sich in den 18 Jahren, dass es heute nicht mehr so viele einstimmige Beschlüsse gibt wie früher, dennoch aber meistens stabile und fraktionsübergreifende Mehrheiten.

Inwieweit werden Sie sich zum 1. September aus der Kommunalpolitik zurückziehen?

Jung: Bis 2020 bin ich ja noch Kreisrat. Ob ich dann, wie mein Vorgänger, noch einmal für den Gemeinderat kandidiere, weiß ich nicht. Man soll zwar niemals nie sagen, aber im Moment schließe ich das aus. Sicher weiß ich nur eins: Ich werde mich im Gemeinderat und bei meinem Nachfolger nicht einmischen. Vielleicht werde ich manchmal eine Gemeinderatssitzung als Besucher verfolgen.

Haben Sie trotzdem einen Rat an Ihren Nachfolger Peter Münster?

Jung: Hat er nicht nötig. Er ist ein erfahrener Kommunalpolitiker und den Rollenwechsel vom Gemeinderat zum Bürgermeister wird er schnell bewältigen.

Die größte Herausforderung für Ihren Nachfolger …

Jung: ... wird sein, die gewerbliche Entwicklung Eichenaus nachhaltig zu steuern, wenn Aldi im nächsten Jahr Eichenau verlässt.

Was ist mit Ihren Aufgaben in der Kreismusikschule?

Jung: Dort bin ich seit 14 Jahren Vorsitzender, Neuwahlen sind 2017. Ich möchte mich weiter engagieren, die Zeit lässt es nun ja besser zu.

Wofür werden Sie künftig mehr Zeit haben?

Jung: Meiner Frau und mir macht das Wandern Freude, genauso gerne sind wir mit dem Fahrrad unterwegs. Besonders schätzen wir da Wege entlang von Flussläufen. Da kann man herrlich entspannen und jede Sekunde genießen. Auch Kinder und Enkelin werden auf jeden Fall mehr von mir haben.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Jung: Meine Frau und ich werden bald Urlaub machen, Wandern in Südtirol. Darauf freuen wir uns.

Interview: Hans Kürzl

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