Gemeinderat diskutiert Standortfrage

Neuer Sitzungssaal sorgt weiter für Ärger

Mittelstetten - Der Bauzaun direkt vor dem alten Sitzungssaal muss nun doch nicht abgebaut werden. Nach erneuter kontroverser Diskussion lehnte der Gemeinderat die sogenannte West-Variante als Alternativ-Standort für den neuen Mehrzweckraum ab.

Zu einem Eklat kam es in der jüngsten Sitzung zwar nicht mehr, an deutlichen Worten mangelte es aber ebensowenig. Hätte der Bürgermeister anfangs nicht „so geschlampt“ und eine nähere Prüfung eines Anbaus im Westen nicht gleich verworfen, müsste man heute nicht mehr zusammensitzen, schimpfte Alois Bögl (SPD). Heinz Nebel (BU) warf Gemeindeoberhaupt Andreas Spörl (CSU) vor, die Alternative in seinem Wortbeitrag schlecht geredet zu haben. Hans Lais (CSU) moserte, dass ihm nicht erlaubt wurde, eine eigene Ansichtsskizze vorzulegen.

Architekt Helmut Hilscher hatte allerdings schon drei mögliche Varianten der West-Variante entworfen. Einmal erhielt der Sitzungssaal ein Flachdach, eines der beiden Modelle mit Satteldach sah sogar einen Treppenaufgang zu einer Galerie vor. Clou der neuen Lösung wäre eine Art kleiner Innenhof vor der alten Lehrerwohnung gewesen, für den bei einem Anbau im Süden kein Platz mehr wäre. Das Ganze wirkte optisch durchaus ansprechend, auch der Planer selber sprach davon, dass sich der Neubau unauffällig in das bisherige Ensemble aus Lehrerwohnhaus und Schule einfügen würde. Großes Aber: Die Kosten lägen je nach Variante um bis zu 130 000 Euro höher.

Und dazu kämen noch Bau-Nebenleistungen, ergänzte Spörl. Der räumte nur ein, dass die neue Lösung technisch realisierbar sei, sah aber keinen „Mehrnutzen“ durch den veränderten Standort. Der ganze Um- und Neubau verzögere sich um rund 15 Monate – der Hort müsse also mit seinem Einzug in den alten Sitzungssaal warten, möglicherweise müssten er selbst und seine Sekretärin vorübergehend in einem Miet-Container unterkommen. Zu den voraussichtlichen Mehrkosten kämen außerdem noch unvorhersehbare durch die Regress-Forderungen der bereits für den Süd-Anbau beauftragten Firmen.

Die Anhänger des neuen Standorts verwiesen darauf, dass in der Alternativplanung mehr Raum umbaut werde. Sie hätten aber auch die Mehrkosten verantworten wollen. „Wenn ich erkenne, dass es was Besseres gibt, muss ich die Reißleine ziehen“, sagte Lais.

„Man baut heute nicht nur billig“, meinte Bögl. Bei einem solchen, auf Jahrzehnte angelegten Projekt sei auch wichtig, „dass man es anschauen kann und mit Freunde reingeht“. Und Nebel warnte noch einmal entschieden vor der Süd-Lösung: „Meine Enkel sollen mich nicht verfluchen in 30 Jahren wegen so einem Vogelhäuserl.“

Das in der Diskussion auch „Garage“ genannte Vogelhäuserl hatte aber wie schon ganz zu Beginn der Planung mehr Anhänger als die West-Lösung. Bei der SPD fehlte Franz Ostermeier, bei der BU Fritz Kiser, um die Mehrheitsverhältnisse zu drehen. Die Untersuchung des alternativen Standorts war in Auftrag gegeben worden, nachdem einige Gemeinderäte sich eines Besseren besonnen hatten und in einer tumultartigen Gemeinderatssitzung zunächst vergeblich eine weitere Prüfung verlangt hatten.

von Olf Paschen

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