Papst-Sekretär segnet Pferde

Hanshofen – Der Privatsekretär des emeritierten Papst Benedikt hat am Freitagnachmittag in Hanshofen bei Mittelstetten Pferde gesegnet. Erzbischof Georg Gänswein wurde von vielen Gläubigen begleitet.

 „Das war ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde“, sagt eine Frau und ergreift Innozenz Näßls Hände. „Danke, danke, danke.“ Die Besucherin bringt auf den Punkt, was wahrscheinlich vielen durch den Kopf geht, die gerade die Freiluft-Messe mit Erzbischof Georg Gänswein miterlebt haben. Der Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt war auf Einladung von Pferdehof-Besitzer Näßl gekommen, um Pferde zu segnen. Einfach so, dank der Vermittlung eines Freundes. Es wurde ein Besuch, der bei aller Feierlichkeit auch seine komischen Momente hatte.

Das Wetter spielte zwar nicht mit an diesem kühlen, verregneten Freitag, aber das störte die rund 400 Gäste nicht. Tapfer ging es durch Matsch und Pfützen vorbei am Stall in den hinteren Bereich des Geländes, wo unter weißen Zeltdächern Bänke und eine Bühne aufgebaut waren. Ein paar Schritte entfernt sammelten sich hinter dem mit Sonnenblumen geschmückten Zaun des Reitplatzes 25 Pferdebesitzer mit ihren Tieren, die meisten von ihnen Einsteller in Näßls Western- und Isländer-Stall.

„Er ist tatsächlich da“, verkündete der Hausherr um drei Minuten vor 13 Uhr, während sich der hohe Gast in der hofeigenen Kapelle noch schnell umzog. Gänswein feierte die Messe gemeinsam mit Pfarrer Josef Heiß vom Pfarrverband Glonnauer Land, musikalisch unterstützt vom Kirchen- und Jugendchor der Liedertafel Günzlhofen. Der Präfekt des päpstlichen Hauses hatte für den Besuch in Hanshofen extra seinen Urlaub unterbrochen. Seiner Gesundheit hatte der Wechsel „aus dem heißen Rom in den kalten Südwesten Deutschlands“ offenbar nicht gut getan. Er habe sich erkältet, entschuldigte sich der Erzbischof zu Beginn der Messe. „Ich hoffe, dass die Stimme durchhält. Sonst müsste ich abbrechen, was ich natürlich nicht tun werde.“

In seiner Predigt stellte Gänswein, dem Anlass entsprechend, das Pferd in den Mittelpunkt. Es sei ein Spiegel der menschlichen Seele. „Pferde haben eine Antenne für Menschen mit Herz. Sie sind in besonderer Weise intelligente Geschöpfe und Freunde des Menschen.“ Das gefiel nicht allen - der Hund eines Besuchers, der bis dahin friedlich im Arm seines Besitzers gelegen hatte, grummelte bei diesem Satz vernehmlich und sorgte für Lacher. Im Sinne der Umwelt-Enzyklika des Papstes schlug Gänswein den Bogen zur Forderung nach einem verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung, von der der Mensch ein Teil sei. „Die Schöpfung ist nicht dazu da, das wir sie ausbeuten. Die Natur dankt uns ein liebevolles Umgehen.“ Dazu könne die Liebe zum Pferd beitragen, „denn das Pferd spürt, ob man es gut meint“. Würde der Mensch die Schöpfung als Geschenk Gottes annehmen, „würde weniger Unheil und Hinterlistiges geschehen“.

Bei der Segnung zogen die Pferde samt ihrer Besitzer friedlich an der Festversammlung vorbei. Näßl hatte zuvor noch befürchtet, dass die Vierbeiner vor den vielen Menschen und Regenschirmen scheuen könnten. Doch alle bewiesen gute Nerven, sogar die erst drei Monate alten Haflinger-Fohlen, die die Familie Strauß aus dem benachbarten Längenmoos mitgebracht hatte. Gänswein versprach gut gelaunt, er werde Grüße aus Hanshofen in den Vatikan mitnehmen. „Papst Benedikt weiß, wo ich bin. Und Papst Franziskus werde ich es zu erklären versuchen.“ Bevor er zu seiner Familie in den Schwarzwald weiterreiste, posierte Gänswein geduldig für Fotos und nahm kleine Geschenke entgegen – ganz der „George Clooney des Vatikan“ eben, wie er zuweilen genannt wird.

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