Freuen sich auf das große Ereignis (v.l.): Melanie Worbs, Katja Kaltenpoth und Innozenz Näßl. tb-foto

Messe und Weihe

Papst-Sekretär segnet Pferde

Hanshofen - Auf dem Pferdehof von Innozenz Näßl in Hanshofen wird am Freitag, 12. August, ein ganz besonderer Gast erwartet: Georg Gänswein. Der Diener zweier Päpste hält dort eine Messe mit anschließender Pferdeweihe ab – und das ist auch für den Erzbischof eine Premiere.

Eigentlich weilt er im Vatikan, in dem Kloster, in dem auch Benedikt XVI. lebt. Doch einmal im Jahr kommt Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses und Privatsekretär des emeritierten Papstes, ins Berchtesgadener Land zum Wandern. Danach besucht er meist seine Familie im Schwarzwald. Heuer legt Gänswein auf den Weg dorthin einen Stopp im Kreis Fürstenfeldbruck ein – in Hanshofen. Auf dem Pferdehof von Innozenz Näßl feiert der „George Clooney des Vatikan“, wie er bisweilen genannt wird, eine Messe mit anschließender Pferdeweihe.

„Das ist eine Sache, die erlebt man wahrscheinlich nie wieder“, sagt Näßl. Der 59-Jährige betreibt die Westernranch Tashina Haila und den Isländerstall Waldauen in dem kleinen Ortsteil von Mittelstetten. Er hatte die Idee zur Pferdeweihe. „Das gefällt mir einfach, das wollte ich immer schon mal machen.“

Dass die Tiere den Segen von einem Kurienerzbischof erhalten, hat er Reitlehrerin Melanie Worbs zu verdanken, genauer gesagt deren Vater. Dieser kennt Gänswein seit über 30 Jahren und geht jedes Jahr mit ihm ein paar Tage zum Bergsteigen. So war der Kontakt schnell hergestellt. „Als wir ihn angerufen haben, hat er gerade mit dem Heiligen Vater zu Abend gegessen“, erinnert sich Näßl. Er rufe später zurück, hieß es. Und das hat er auch gemacht.

Den Gottesdienst in Hanshofen zelebriert der hohe Kirchenmann gemeinsam mit Pfarrer Josef Heiß vom Pfarrverband Glonnauer Land. „Es ist eine richtige Messe mit Wandlung und Hostienausgabe“, betont Näßl. Musikalisch umrahmt wird sie von der Liedertafel Günzlhofen, dessen Vorsitzender der 59-Jährige ist. „Kirchen-und Jugendchor unterbrechen extra die Ferien, um mitsingen zu können.“ Damit auch jeder Ton sitzt, wird am 11.  August noch einmal eine Probe eingeschoben. Und selbstverständlich lässt es sich Näßl nicht nehmen, selbst mitzusingen. „Ich bin schon etwas aufgeregt, denn wann hat man schon mal die Chance, den Gänswein live zu erleben“, sagt er.

Zu Pferdeweihe und Messe ist jeder eingeladen, der möchte – egal ob er Reiter ist oder nicht, ob er mit Pferd kommt oder ohne, ob Alt oder Jung. Reiter können nach Hanshofen im Rahmen eines Sternritts kommen. „Anreise für die Pferde ist ab 11 Uhr“, erklärt Näßl. Im Hof werden Wasserstellen für die Tiere aufgebaut. „Und wir haben auch ausreichend Hänger- und Parkplätze.“ Eine Anmeldung ist nicht nötig. „Es soll so sein wie beim Willibaldritt, jeder kann kommen.“

Der Erzbischof wird gegen 12.15 Uhr in Hanshofen erwartet. Um 13 Uhr beginnt die Messe. Wie lange sie dauern wird, kann Innozenz Näßl vom Pferdehof nicht genau sagen. „Wahrscheinlich so 45 Minuten schätze ich. Je nachdem wie lange die Predigt ist“, meint der Hanshofner und lacht. Danach werde Gänswein wohl noch etwas bleiben, bevor er sich dann gegen Nachmittag wieder auf den Weg in Richtung Schwarzwald macht.

Herr Gänswein, welchen Sinn macht es, Tiere zu weihen?

Herr Gänswein, waren Sie schon einmal im Kreis Bruck? Wenn ja, wo?

Ja, das war ich, und zwar mehrmals während meiner Zeit als Doktorand und wissenschaftlicher Assistent an der LMU-München in den Jahren von 1986 bis 1993. Die Stadt Fürstenfeldbruck habe ich verschiedene Male besucht, darüber hinaus auch einige andere Orte.

Ist das Ihre erste Pferdeweihe? Was ist daran besonders?

Es ist in der Tat meine erste Pferdeweihe. Tiersegnungen habe ich als Kaplan und auch später öfters vorgenommen. Aber nur Pferde, das ist jetzt ein Novum für mich. Das Besondere an der Pferdeweihe oder –segnung ist die Tatsache, dass auf die Tiere der besondere Segen und Schutz Gottes herabgerufen wird.

Kritiker behaupten, es sei nicht opportun beziehungsweise nicht nötig, Tiere zu segnen/weihen. Was entgegnen Sie denen?

Das ist eine rationalistische, kurzsichtige Betrachtungsweise. Tiere sind Teil der Schöpfung. Ist mir jemand besonders nahe und lieb, dann möchte ich für sie oder ihn auch das Beste. Das gilt auch für Tiere. Mit Tieren sorgsam und liebevoll umzugehen, ist ein Zeichen von Achtung und Respekt vor dem Schöpfer. Tiere sind kein Objekt der Ausbeutung, sondern Geschöpfe Gottes. Durch eine Segnung wird diese Beziehung besonders hervorgehoben und den menschlichen Sinnen greifbar gemacht. Die Segnung tut Tier und Mensch gut.

Wie ist Ihre Beziehung zu Tieren, insbesondere Pferden?

Ich bin auf dem Land groß geworden, da kann man gar nicht ohne Tiere aufwachsen. Deshalb gehörten und gehören Tiere ganz selbstverständlich zu meinem Leben dazu. Pferde waren natürlich auch dabei.

Sind Sie schon mal auf einem Pferd gesessen?

Als Kind ja, als Erwachsener, wenn ich mich recht erinnere, bisher nie.

Ihr Vater war Schmied? Welche Erinnerungen haben Sie an die Schmiede? Ich durfte als Knirps dann und wann meinem Vater bei der Arbeit in der Schmiede zusehen. Unvergesslich bleibt da die Erinnerung an das Beschlagen von Pferden. Das hat mich am Anfang ganz schön mitgenommen, weil ich Mitleid mit den Pferden hatte. Der Huf musste geputzt und das Eisen angepasst werden, das war für mich als Kind ein dramatisches Geschehen. Ich habe aber bald kapiert, dass mein Mitleid überflüssig war. Pferde habe ich deshalb besonders ins Herz geschlossen.

von Eva Dobler

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